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Ausstellungen Wenn der Künstler nicht ins Moralschema passt

Darf ein Künstler von einer Ausstellung ausgeschlossen werden wegen AfD-Nähe? Das ist dem Maler Axel Krause aus Leipzig passiert und sorgt für Diskussionen.
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„Es geht nur um meine Ansichten, obwohl ich tagespolitische Dinge in meiner Kunst nicht äußere.“ Quelle: Axel Krause/Anbruch
Axel Krause

„Es geht nur um meine Ansichten, obwohl ich tagespolitische Dinge in meiner Kunst nicht äußere.“

(Foto: Axel Krause/Anbruch )

MünchenWie frei ist die Kunst? Der neue Kulturkampf und die Krise des Liberalismus“ – so betitelte der Autor Hanno Rauterberg im vergangenen Jahr einen Essay. Der Kunst, die nicht ins heutige Moralschema passt, wird die Kunstfreiheit abgesprochen. Vor einer Woche hat die politische Zerrissenheit Deutschlands den liberalen Kulturbegriff wieder einmal in eine Zwickmühle gebracht. Der Maler Axel Krause wurde von einer Leipziger Gruppenausstellung ausgeschlossen.

Nicht seine Bilder standen zur Diskussion. Der 1958 geborene Künstler steht der AfD nahe, ist Mitglied des Kuratoriums der von der AfD gegründeten Desiderius-Erasmus-Stiftung und postet mit Vorliebe rechte Artikel. Bei einigen der von einer neunköpfigen Jury ausgewählten Künstler löste das großes Unbehagen aus, gemeinsam mit diesem Kollegen auszustellen. Sechs Tage vor der für gestern geplanten Eröffnung erfuhr Krause von der Relegierung.

In den Medien entbrannte eine Debatte, ob man Künstler wegen ihrer politischen Ansicht ausgrenzen darf. Der Verein Leipziger Jahresausstellung e. V. (LIA), der die Schau in dem Kunstareal der Baumwollspinnerei in Plagwitz seit 26 Jahren organisiert, begründete in einer Pressemitteilung seine Entscheidung: „Die öffentlichen Äußerungen Axel Krauses widersprechen den ethischen Grundsätzen unseres Vereins. Wir können an dieser Stelle nicht mehr die Kunst vom Künstler trennen.“ Kurz darauf wurde die ganze Ausstellung abgesagt. Wohl auch aus Angst vor Ausschreitungen. Am Mittwoch beschloss der Verein, die Schau doch stattfinden zu lassen. Wieder ohne Krause.

Die Leipziger Jahresausstellung verdeutlicht, wie schwierig es ist, Moral und Kunst nicht in einen Topf zu werfen in einer Zeit, in der der politische Konsens der Kunst- und Kulturszene aufgehoben ist. Krause sieht den Ausschluss denn auch als Politikum. „Es geht nur um meine Person und um meine Ansichten, obwohl es meine Haltung als Künstler ist, tagespolitische Dinge in meiner Kunst nicht zu äußern“, betonte er im Gespräch mit dem Handelsblatt. Der Druck auf den Vorstand des Vereins kam von links, ist seine Überzeugung.

Frank Richter, einst Chef der sächsischen Landeszentrale für politische Bildung, hingegen kritisierte die Absage der LIA an Krause. „Wir sollten uns daran gewöhnen, mit Widersprüchen zu leben“, sagte er in einem MDR-Kultur-Interview. „Wir dürfen nicht in eine Spirale der Gesinnungsschnüffelei geraten.“

Das Ölbild von 2019 hätte auf der Jahresausstellung gezeigt werden sollen. Quelle: Axel Krause/ VG BILD-KUNST
Axel Krause „Die Taube vom Dach“

Das Ölbild von 2019 hätte auf der Jahresausstellung gezeigt werden sollen.

(Foto: Axel Krause/ VG BILD-KUNST)

Wer die Causa Krause verstehen will, muss auch die Vorgeschichte kennen. Im Sommer 2018 hatte sich die Galerie Kleindienst, die ihren Sitz auf dem Gelände der Spinnerei hat, nach 14 Jahren von ihrem Künstler Krause getrennt. Seine teils völkisch-rechten Posts und seine Ansicht, dass die Identitären ein durchaus zu begrüßender Beitrag zur Gesellschaft seien, wollte die Galerie „weder teilen noch mittragen“.

Der TV-Sender Arte und einige Leipziger Medien griffen den Fall auf. Von den Anhängern Krauses prasselte in den sozialen Medien ein Shitstorm auf die Galerie ein, es gab sogar Morddrohungen. Nach dieser Erfahrung erschien einigen Galeristen die Rückkehr Krauses auf das Spinnerei-Gelände wie eine Rehabilitierung. Arne Linde von der ASPN Galerie fragte via Facebook nach, wie die Auswahl der LIA zustande gekommen sei.

Mitten in die Diskussion platzte ein Tweet Krauses, in dem er sich mit den verfemten Künstlern der Nazizeit in Verbindung bringt: „Der entartete Künstler Axel Krause ist in diesem Jahr bei der 26. Jahresausstellung Leipzig mit zwei auffällig unverfänglichen, apolitischen Arbeiten vertreten! Die Strategie des Volksschädlings, sich unpropagandistisch zu zeigen, ist die Maskerade des Wolfs im Schafspelz in Perfektion!“ Ironisch? Nein, zynisch. Denn weder hat Krause Arbeits- noch Ausstellungsverbot. Die Artothek des deutschen Bundestags hat mit Unterstützung von Marc Jongen, AfD-Vertreter im Kulturausschuss des Bundestags und ebenfalls Kuratoriumsmitglied der Desiderius-Erasmus-Stiftung, im vergangenen Jahr erst Krauses Gemälde „Das Puppenhaus“ angekauft.

Mehr: NS-Kunst: Die Gesinnung malt mit. Lesen Sie hier über die Wechselbeziehung von Kunst und politischer Gesinnung.

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