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Benefiz-Aktion Wie die Freunde der Pinakothek Millionen für die Münchener Museen sammeln

Die Freunde der Pinakothek der Moderne versteigern Kunst, um den Münchener Museen zu helfen. Ein Gespräch über das Einsammeln von Millionen Euro.
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„Jeder sollte die Softskills, die die Kunst vermittelt, in seinen Erfahrungsschatz aufnehmen können.“ Quelle: Bayer. Staatsgemäldesammlungen; Haydar Koyupinar
Unternehmerin Dorothée Wahl

„Jeder sollte die Softskills, die die Kunst vermittelt, in seinen Erfahrungsschatz aufnehmen können.“

(Foto: Bayer. Staatsgemäldesammlungen; Haydar Koyupinar)

MünchenErnste Spiele nannte der Romantiker Caspar David Friedrich die Kunst. Doch ein bisschen Glamour darf auch dabei sein, wenn am 24. November in der Pinakothek der Moderne in München die „PIN. Party“ inklusive Kunstauktion stattfindet.

Das Handelsblatt sprach mit Dorothée Wahl, Unternehmerin in der Textilbranche, über das Erfolgsrezept. Die Vorstandsvorsitzende von „PIN. Freunde der Pinakothek der Moderne e. V.“ schafft es jedes Jahr gemeinsam mit ihren Mitstreitern, der Pinakothek Millionenbeträge zu überreichen.

Frau Wahl, im vergangenen Jahr hat die PIN. Auktion mit rund 60 Kunstwerken eine Million Euro eingespielt. Sind die Münchener so spendabel?
Unsere Auktion ist eine gute Plattform, interessante Kunstwerke zu erwerben. Die Werke werden uns direkt von Künstlern – oft als Dank für vergangene Kooperationen – und Galeristen aus ganz Europa zur Verfügung gestellt. Die Preise sind moderat.

Was reizt einen Künstler wie Tim Eitel, extra für die PIN. Auktion 2018 ein Bild zu schaffen?
Die PIN. Party, auf der die Versteigerung stattfindet, ist ein strahlendes Ereignis im Münchener Kulturkalender. Sie garantiert große Sichtbarkeit. Wir finanzieren mit diesen Geldern Ankäufe, Ausstellungen, Vermittlungsprogramme. Das ginge sonst alles nicht. Und das unterstützen auch die Künstler.

Welche Mission verfolgen die PIN. Mitglieder?
Wir versuchen, die weggekürzten Ankaufsetats auszugleichen. Wir helfen mit viel Förderung, Dinge zu ermöglichen, die der Staat nicht bewerkstelligt. Wir sind überzeugt, dass die Begegnung mit Kunst Menschen freier macht und sie öffnet.

In diesem Jahr hat PIN. eine gemeinsame Website für die vier unter dem Dach der Pinakothek der Moderne vereinten Museen unterstützt. Sind das nicht eher Marketingaufgaben?
München ist ein fantastischer Kulturstandort, einzigartig in Europa. Wir wollen, dass dieses Kraftpaket an Kunst wahrgenommen wird. Und wir wollen, dass es auf diesem Niveau bleibt. Denn die Auseinandersetzung mit moderner Kunst ist wichtig, sie sensibilisiert.

Das sehen auch viele Unternehmen, mit denen wir in Verbindung stehen, so. Die Allianz etwa fördert ein kostenloses Sonntagsprogramm für Kinder. Aber es sind nicht nur Weltkonzerne, die sich engagieren. Viele in der Region angesiedelte Firmen, wie das Aufzugsunternehmen Vestner, die Vermögensverwaltung DJE oder das Bekleidungshaus Konen spüren einen Auftrag, Kunst in ganz verschiedene gesellschaftliche Schichten hineinzutragen.

Der Galerie-Preis für die Collage von 2014 liegt etwas über 20.000 Euro. Quelle: PIN/Hauser & Wirth und Marian Ivan Gallery
Geta Brateskus „Spiel der Formen“

Der Galerie-Preis für die Collage von 2014 liegt etwas über 20.000 Euro.

(Foto: PIN/Hauser & Wirth und Marian Ivan Gallery)

Mit etwa zwei Millionen Euro jährlich unterstützen die PIN. Freunde das Museum, ein Drittel davon fließt in den Ankaufsetat. Welche Erwerbungen wurden ermöglicht?
Etwa ein großes Rundbild von Katharina Grosse. Und Werke von John Baldessari, denn die Pinakothek der Moderne besitzt eine bedeutende Sammlung US-amerikanischer Kunst. Zu Baldessari soll ein ganzer Raum entstehen. Aber wir versuchen auch, so früh wie möglich Werke von vielversprechenden Künstlern zu finanzieren, bevor sie unbezahlbar sind, etwa von Wade Guyton oder Anne Imhof.

Aber Georg Baselitz oder auch Wolfgang Laib, dessen pyramidale Bienenwachsskulptur gerade erworben wurde, sind Künstler, die international hoch gehandelt werden.
Das sind zwei Künstler, die sich der Pinakothek der Moderne seit Langem sehr verbunden fühlen. Hat sich das Haus einmal für eine Position entschieden, dann will es diese auch weiterverfolgen. Aber welche Kunstwerke letztlich in die Sammlung aufgenommen werden, entscheiden nicht die PIN. Freunde, sondern die Kuratoren.

Die Kunstwerke der diesjährigen Auktion sind bereits in der Pinakothek der Moderne zu sehen. Gibt es einen Trend?
Von 60 Losen sind immerhin 24 Arbeiten von Künstlerinnen. Wir haben von der Galerie Hauser & Wirth eine Collage von der rumänischen, im September im Alter von 92 Jahren verstorbenen Konzeptkünstlerin Geta Brătescu bekommen. Von Isa Genzken und der Galerie Buchholz haben wir ein collagiertes Werk von 2016, in das ein Selbstporträt der Künstlerin integriert ist.

Aber auch Olafur Eliasson hat ein Blatt zum Thema Gletschereis gestiftet. Es stammt aus der gerade zu Ende gegangenen Ausstellung mit Zeichnungen des Dänen.

Von welcher Preiskategorie sprechen wir?
Die meisten Galeriepreise liegen zwischen 15.000 und 25.000 Euro. Die Auktion, an der jeder auch schriftlich oder telefonisch teilnehmen kann, startet bei circa 50 Prozent dieser Summe.

Was motiviert eine Unternehmerin wie Sie, sich für die Pinakothek der Moderne zu engagieren?
Seit ich während meines Examens in Köln mit der Galerieszene in Berührung kam, hat mich Kunst inspiriert. Ich bringe gerne Menschen zusammen. Die neuste Idee ist, ein großes Unternehmen zu überzeugen, ein Museumsprogramm mit Azubis umzusetzen. Denn ich finde, jeder sollte die Soft Skills, die die Kunst vermittelt, in seinen Erfahrungsschatz aufnehmen können.

Frau Wahl, vielen Dank für das Gespräch.

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