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Berlin Art Week Floß der Medusa im Kirchenschiff

Pünktlich zur Berlin Art Week stellen die Galerien der Hauptstadt ein besonderes Programm zusammen. Sie zeigen kontrastreiche Skulpturen und Gemälde.
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Installationsansicht der Gruppenausstellung „What beauty is, I know not.“ Quelle: Galerie König
Galerie König

Installationsansicht der Gruppenausstellung „What beauty is, I know not.“

(Foto: Galerie König)

Berlin Berlins Galerien fahren im Rahmen der Berlin Art Week ein breites, kontrastreiches Programm auf, das Malerei, Plastik, Installationen und Videokunst verbindet. Viele Eröffnungen fallen in die Messetage, aber bereits am vergangenen Wochenende fanden zahlreiche Vernissagen statt, was das Großereignis angenehm entzerrt.

Am 14. September endet eine anregende Gruppenschau in der Galerie König. Sie wurde von Kasper König, dem Vater des Galeristen, kuratiert und bietet unter dem auf Englisch übersetzten Dürer’schen Leitsatz „Was aber Schönheit sei, das weiß ich nit“ eine Mischung aus eigentlich unvereinbaren Werken von Morris Louis bis zum anonymen Künstlerkollektiv Susi Pop. Dessen 28-teiliges Siebdruckbild nach Theodor Géricaults „Floß der Medusa“ beherrscht auch den oberen Teil der in einer ehemaligen Kirche beheimateten Galerie. Dieses Monumentalgemälde und Dürers „Bauernsäule“ von 1525, die hier in einem Remix von Marko Lehanka aufgebaut ist, sind die Gegenpole, in denen sich das Schöne (wie etwa die Weltkarte von Alighiero e Boetti) mit dem Brutalen mischt.

Wer starke Einzelpositionen schätzt, kommt in der Galerie Michael Janssen auf seine Kosten. Hier fasziniert eine Soloschau von Aiko Tezuka mit einem Textilbild, in dem die Japanerin, von der Malerei ausgehend, in skrupulöser Webarbeit die Beziehung zwischen Japan und Europa, Vergangenheit und Gegenwart sichtbar macht. Andere Werke thematisieren den Orientalismus westlicher Provenienz, der elitären japanischen Dekoren des 19. Jahrhunderts gegenübergestellt wird (4.200 bis 58.000 Euro).

Einen starken Auftritt hat der als Protagonist der Transavanguardia berühmte Francesco Clemente bei Blain/Southern mit einem raumgreifenden Skulpturenensemble. Den großen Saal der Galerie beherrschen Wachtürme mit Aufsätzen, die von „Opfergaben“ indischer Tradition und Symbolik beherrscht werden (Skulpturen um 300.000 Dollar, Aquarelle um 50.000 bis 60.000 Dollar).

Die vierte Einzelausstellung des britischen Künstlers Idris Khan in der Galerie Thomas Schulte beherrscht das Modell einer acht Meter hohen Skulptur. Stark meditativ wirken die meist blautonigen Ölstiftbilder auf Gipstafeln, deren Ausgangspunkt gedruckte Musikseiten sind. Zwei der schönsten Großformate notieren mit 95.000 Pfund.

Einige Blöcke weiter in der Charlottenstraße zeigt die Galerie Buchmann lebensgroße Skulpturen des expressiven Schweizer Malers und Bildhauers Martin Disler, die Anfang der 90er-Jahre unter dem Titel „Häutung und Tanz“ entstanden. Die Preise für die verkäuflichen der lebensgroßen Unikate (90.000 Euro) und für eine bildmäßige Zeichnung (22.000 Euro) sind angesichts der Kraft und Emotionalität dieser exemplarischen Werke eines Frühvollendeten moderat.

Welch intensive dynamische Wegspuren man mit einem Kugelschreiber oder einem Silberstift setzen kann, zeigen Großformate von Thomas Müller auf meterhohem Bütten beim Galeristen Klaus Gerrit Friese (16.000 und 21.000 Euro), während sich in den entsprechend preiswerteren Kleinformaten des Künstlers (um 1800 Euro) das Prinzip der gelenkten und gebrochenen Linie mannigfaltig auslebt.

Von einer individuellen Technik leben die „Lackskins“ des Schweizers André Thomkins bei Wolfgang Werner, die mittels auf Wasser getropfter Lackfarbe und anschließender Bearbeitung der Farbfläche das Zufallsprinzip fließender Formen mit freier Gestaltung verbinden (6.000 bis 170.000 Euro für die Großformate).

Contemporary Fine Arts hat in der Grolmannstraße schon vor Wochen eine Schau mit „Stoffbildern“ (Colorprints auf Aluminium) von Edgar Leciejewski eröffnet, die als Stillleben mit Bildern im Bild mehr oder weniger berühmter Frauen über dekorativ drapierten Stoffbahnen hängen (3.800 bis 14.000 Euro).

„Besessen von Kommerz und Technologie“ ist nach eigener Aussage der 25-jährige Londoner Oli Epp. Bei Duve in der Michaelkirchstraße erscheinen jetzt seine jüngsten Werke in einer Doppelschau mit Roxanne Jackson. Satirisch sollen ihre Bilder sein, ohne eine moralische Position zu beziehen. Die Reklamewelt spielt in die zum Teil gesichtslosen, technoid deformierten Figuren und Köpfe hinein. Es lässt sich nicht erkennen, ob das Kritik oder Anbiederung an die Markenwelt ist oder ob das Werk die durch das Internet geförderte Ambivalenz ironisch spiegelt, die selbst wieder zur Marke wird.

Es gibt noch weitere Ausstellungen, die es sich abzuschreiten lohnt. Dazu gehören die Präsentation von Ai Weiweis Baumwurzelskulpturen bei Neugerriemschneider, die fast monochrom wirkenden Acrylbilder des Briten Tom Chamberlain bei Aurel Scheibler sowie bei Michael Haas in Charlottenburg die urzeitlich wirkenden Skulpturen von Heinz Ackermans. Das Herbstprogramm der Galerien ist nicht weniger spannend als im Mai – faktisch ein zweites Gallery Weekend, das die Messe Art Berlin anspruchsvoll kontrapunktiert.

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