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Berliner Künstler im Gespräch Für Norbert Bisky ist der Kalte Krieg noch nicht beendet

Der Maler fühlt sich als Sproß SED-treuer Eltern und schwuler Linker zwischen allen Stühlen wohl. Ein Interview im neuen Handelsblatt Magazin.
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Der Künstler erlebte den Zusammenbruch der DDR auf einem Elite-Gymnasium. Quelle: Urban Zintel für Handelsblatt Magazin / VG Bild-Kunst 2019
Norbert Bisky

Der Künstler erlebte den Zusammenbruch der DDR auf einem Elite-Gymnasium.

(Foto: Urban Zintel für Handelsblatt Magazin / VG Bild-Kunst 2019)

DüsseldorfDer in Berlin lebende deutsche Künstler Norbert Bisky ist der Sproß DDR-linientreuer Eltern: Sein Vater Lothar war SED-Mitglied und später Linken-Chef, seine Mutter IM, er selbst ist schwuler Linker, dem schon vorgeworfen wurde, sich für seine Männerbilder bei Leni Riefenstahls Nazi-Ästhetik zu bedienen. Er fühle sich „zwischen allen Stühlen“ wohl, so der 48-Jährige im Gespräch mit dem am Freitag erscheinenden Handelsblatt Magazin.

„Ich habe das Gefühl, dass mir meine Teenager-Jahre geklaut wurden durch den sozialistischen Unsinn, von dem ich damals umgeben war. Gestohlen wurde mir meine persönliche Freiheit“, so Bisky über seine Jugend. Und er ergänzt: „Meine Jugend in der DDR sah so aus, dass ich immer und zu allem eine klare und linientreue Meinung abgeben sollte: Zum Nato-Doppelbeschluss, zur Reaktorkatastrophe in Tschernobyl, zum US-Imperialismus. Ich wäre lieber mit meinen Freunden Fußball spielen gegangen“, erklärte Bisky dem Handelsblatt Magazin weiter.

Bisky erlebte den Zusammenbruch der DDR auf einem Elite-Gymnasium, das er als „entsetzliche Kaderschmiede“ bezeichnete, „in Raten“ und hat später mit seinen Eltern die DDR-Zeit in Gesprächen offen aufgearbeitet. Für ihn persönlich seien die Jahre nach dem Mauerfall prägend gewesen, die Instabilität habe „wahnsinnig viele neue Möglichkeiten“ geboten.

„Der Zusammenbruch eines Landes ist eine derart absurde Situation, dass ich mir gesagt habe: Ich werde jetzt Künstler. Die Implosion der Ordnung wirkte als Kick“, so Bisky: „Das Ende der DDR war biografisch für mich ein Riesenglücksfall“, die Instabilität spiele nach wie vor in seinen Bildern eine Rolle.

Nachdenklich und skeptisch äußerte er sich über den Zustand der Republik und der Einheit: „Es gibt eine Menge grundlegender Missverständnisse. Zum Beispiel zu glauben, den Ostdeutschen immer ganz viel erklären zu müssen. Ein Gespräch sollte auf Augenhöhe stattfinden. Die Gleichschaltungswelt der DDR kann nicht verstehen, wer sie nicht erlebt hat“. Das Unbehagen entstehe, so Bisky, weil „ganz viele Dinge aussahen wie bei den Nazis“.

Die Kommunisten hätten wie die Nazis gesagt: „Wir nehmen euch an die Hand, ihr müsst nicht selber denken, das machen wir für euch.“ Biskys Fazit zum Stand der Einheit der Republik lautet knapp: „Noch ist der Kalte Krieg nicht zu Ende, wie wir jetzt sehen.“ Von sich selbst wisse er, dass die Diktatur-Erfahrung ihm „schon in den Knochen“ stecke und er sie nicht loswerde.

Den größten Shitstorm habe er, der Sohn aus einer SED-Familie, der blonde Jünglinge malt und für Kritiker schwer einzuordnen ist, aber erlebt, als er aus Israel zurückkam, so Bisky: „Ich hatte mich positiv über meine Zeit in Tel Aviv geäußert – und wurde dafür unglaublich attackiert. Kommt aber inzwischen seltener vor. Ich sitze zwischen allen Stühlen, fühle mich da ganz wohl und will auch gar nicht so eindimensional im Denken und Handeln sein.“

Mehr: Der Maler Norbert Bisky spricht im Interview über deutsch-deutsche Missverständnisse, den Untergang seiner DDR-Heimat und die Frage, wann er sich für seine Landsleute schämt.

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