Berühmte Industriefotografin Hilla Becher ist tot

Hochöfen, Fördertürme, Silos – was viele hässlich finden, wurde bei Bernd und Hilla Becher Kunst. Das Ehepaar begründete die legendäre „Düsseldorfer Fotoschule“. Nun starb Hilla Becher – acht Jahre nach ihrem Mann Bernd.
Die Künstlerin, die mit ihren Aufnahmen von Hochöfen, Wasser- und Fördertürmen bekanntwurde, ist am Samstag im Alter von 81 Jahren in Düsseldorf gestorben,. Quelle: dpa
Pionierin der Industriefotografie

Die Künstlerin, die mit ihren Aufnahmen von Hochöfen, Wasser- und Fördertürmen bekanntwurde, ist am Samstag im Alter von 81 Jahren in Düsseldorf gestorben,.

(Foto: dpa)

DüsseldorfBis heute werden Bernd und Hilla Becher in einem Atemzug genannt. Hunderte Hochöfen, Wasser-, Förder- und Kühltürme, Silos und Fabrikhallen in Europa und den USA fotografierte das Paar gemeinsam über Jahrzehnte. Die Bechers begründeten die „Düsseldorfer Fotoschule“, aus denen inzwischen weltberühmte Fotokünstler wie Andreas Gursky, Thomas Ruff, Thomas Struth und Candida Höfer hervorgingen.

Am vergangenen Samstag starb Hilla Becher im Alter von 81 Jahren in Düsseldorf – acht Jahre nach ihrem Mann Bernd. Hilla Becher hatte das gemeinsame fotografische Werk fortgeführt, das heute – so der Verlag Schirmer/Mosel – „ein unverzichtbarer Bestandteil der jüngeren Kunstgeschichte“ sei.

Wie Naturwissenschaftler im 19. Jahrhundert sammelten die Bechers Aufnahmen und erstellten Typologien der architektonischen Industrie-Dinosaurier. Menschenleer, sachlich und kühl sind die Schwarz-Weiß-Serien, mit denen das Ehepaar weltberühmt wurde. Diese Ästhetik gaben sie an ihre Schüler weiter. Wie bei den Bechers sind auch bei Gursky, Höfer und Struth Distanz und Kühle prägende Stilmittel.

Die „Becher“-Klasse ist legendär und die „Düsseldorfer Fotoschule“ heute ein Qualitätslabel auf dem Kunstmarkt. Aber sie wäre ohne den Beitrag und die enge Kooperation von Hilla Becher nicht denkbar gewesen. Beide zusammen entwickelten seit den späten 50er Jahren ein einzigartiges fotografisches Werk, das trotz der konservativen Haltung und ihres monolithischen Charakters heute zur modernen Kunst zählt. Der Kunsthistoriker Armin Zweite sprach von einem „epochalen Oeuvre, fern von jeglicher künstlerischen Egomanie und Hochmut“.

Viele Preise, vom Goldenen Löwen der Biennale in Venedig bis zum Goslarer Kaiserring, hatten die Bechers gemeinsam entgegengenommen. Verganges Jahr wurde die am 2. September 1934 in Potsdam geborene Grand Dame der Fotografie noch mit dem hoch dotierten Großen Rheinischen Kulturpreis ausgezeichnet.

„Es ist klar, ich habe den Preis auch deshalb bekommen, weil ich übrig geblieben bin“, sagte Hilla Becher bei der Preisverleihung in Düsseldorf mit einem unvergleichlich trockenen Humor. Und dann grüßte sie ihren Bernd – „wo immer er ist, oben oder unten“. Bernd Becher stand immer etwas im Vordergrund, denn er hatte ab Mitte der 70er Jahre die erste Professur für künstlerische Fotografie an der Düsseldorfer Kunstakademie inne.

Schon mit 13 Jahren machte Hilla Becher ihre ersten fotografischen Versuche und wurde Anfang der 50er Jahre im renommierten Potsdamer Atelier Walter Eichgrün ausgebildet. 1957 fand sie eine Anstellung in einer Werbeagentur in Düsseldorf und lernte den Kunstakademie-Studenten Bernd Becher kennen. 1959 begann das Paar die fotografische Zusammenarbeit.

Kunst, Oldtimer und bedröppelter Geldadel
Helge Achenbach
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Der Prozess Albrecht gegen Achenbach

Seit dem 11.November bereits muss sich Helge Achenbach vor dem Landgericht Düsseldorf in einem Millionenprozess verantworten. Die Erben des Aldi-Erben Berthold Albrecht fordern satte 19,4 Millionen Euro von dem Kunstberater zurück.

Aldi- und Lidl-Tüte
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Achenbach war dem Aldi-Erben Berthold Albrecht, den er 2007 kennengelernt hatte, freundschaftlich verbunden und hatte ihm Oldtimer und Kunstwerke vermittelt. Bei 14 Kunstgeschäften und neun Oldtimer-Deals soll Achenbach Rechnungen gefälscht und Einkaufspreise nach oben frisiert haben, hatte die Essener Staatsanwaltschaft mitgeteilt. So stiegen auch seine Provisionen für die Objekte. Seit fünf Monaten sitzt Achenbach bereits in Essen in Untersuchungshaft.

Helge Achenbach
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Helge Achenbach, Jahrgang 1952, behauptet von sich selbst, der Erfinder des Art Consulting in Deutschland zu sein. Damit meint er die kommerzielle Kunstberatung. 1978 gründete Achenbach die „Achenbach Art Consulting“ in Düsseldorf – professionelles Art Consulting gab es in den USA zu diesem Zeitpunkt schon seit 50 Jahren. Seitdem beriet er zahlreiche Wirtschaftsunternehmen beim Aufbau ihrer Sammlungen und baute einige private Kunstsammlungen auf.

Fortuna Düsseldorf feiert Aufstieg
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1997 wurde Achenbach für fünf Jahre Präsident des Fußballvereins Fortuna Düsseldorf, gab das Amt aber bereits im Jahr 2000 wieder ab. 2001 stieg Achenbach mit „Monkey’s Island“ im großen Stil in die Gastronomie ein. 2007 folgten die Restaurants Monkey’s West, East und South, die Achenbach an seinem 55. Geburtstag eröffnete. Schon 2012 musste Monkey's Club (eröffnet 2004) nach angeblichen finanziellen Turbulenzen wieder geschlossen werden.

Berthold Albrecht
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Ab 2007 gehörte auch Berthold Albrecht, ein Erbe des 2010 gestorbenen Aldi-Mitbegründers Theo Albrecht, zu Achenbachs Kunden. Über 5 Jahre war Achenbach für den zurückgezogen lebenden Millionär tätig, die Preise summierten sich: Laut Klageschrift suchte hat er dem Aldi-Erben Oldtimer und Kunstwerke für insgesamt gut 120 Millionen Euro verkauft. 2012 starb Albrecht überraschend im Alter von nur 58 Jahren. Nun fordert Albrechts Familie in einem Zivilprozess (Az: 6 O 280/14) am Düsseldorfer Landgericht 19,4 Millionen Euro Schadenersatz von Achenbach und zwei seiner insolventen Unternehmen. Für Kunstwerke sei eine Provision von fünf Prozent und für Oldtimer eine von drei Prozent vereinbart gewesen.

Zivilprozess gegen den Kunstberater Achenbach
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Achenbach (62) wird wohl nicht im Landgericht erscheinen, sondern nur seine Anwälte (hier im Bild: Franz-Josef Krichel beim Prozessauftakt am 11. November). Insgesamt drei reiche Kunden soll Achenbach laut Essener Anklage betrogen haben.

Zivilprozess gegen den Kunstberater Achenbach
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Dabei soll Berthold Albrecht mit Abstand den höchsten Schaden erlitten haben. In den anderen beiden Fällen geht es um rund 1,3 Millionen Euro Schaden. Albrechts Rechtsanwalt Andreas Urban spricht hier am 11.11.2014 in Düsseldorf (Nordrhein-Westfalen) im Landgericht nach dem Auftakt des Zivilprozesses gegen Kunstberater Achenbach mit Journalisten.

Die Dame mit dem schlohweißen Pagenschnitt erzählte bei der Verleihung des Kulturpreises von diesen Anfängen. Sie schleppte mit ihrem Mann die schwere Fotoausrüstung durch die Gänge abrissbedrohter Fabriken, in denen noch giftige, schläfrig machende Gase waberten. „Die Zusammenarbeit mit Bernd war insofern ergiebig, weil wir uns ganz gut ergänzt haben“, sagte Hilla Becher, der jegliches Pathos fremd war. Fast immer seien sie einer Meinung gewesen.

Die wenigsten Menschen schenken Industrieanlagen in der Landschaft, erbaut von namenlosen Architekten, Beachtung. Für die Bechers aber war das fast enzyklopädische Ordnen von Formen und Strukturen der Bauten einer untergehenden Industrielandschaft ein Lebensthema. So gilt die Kunst der Bechers heute auch als fotografisches Gedächtnis einer industriellen Vergangenheit.

  • dpa
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