Biennale Paris Indikatoren einer sterbenden Messe

Die Pariser Biennale für Antiquitäten war jahrzehntelang die tonangebende Luxusmesse der Welt. Doch sie hat den Wandel der Brache übersehen und leidet unter drastischem Ausstellerschwund.
  • Olga Grimm-Weissert
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Aus der Ausstellung mit Schildpattobjekten in der Galerie Kugel. Die Tophändler verzichten auf eine Messebeteiligung. Quelle:  Kugel
Luxusobjekt

Aus der Ausstellung mit Schildpattobjekten in der Galerie Kugel. Die Tophändler verzichten auf eine Messebeteiligung.

(Foto:  Kugel)

ParisDie „Biennale Paris“ findet absurderweise jährlich statt. Sie war jahrzehntelang die tonangebende Luxusmesse der Welt. Doch ihr gelang weder die nötige Anpassung an die veränderte Kunstmarktsituation, noch an die internationale Konkurrenz.

Von Samstag an öffnet die Messe in der Glaskuppel-Halle des Grand Palais für das Publikum (bis 16. 9.). Die besten Geschäfte müssten dann schon gelaufen sein, denn am Donnerstag fand das Galadinner für 760 Gäste statt, mit Museumsdirektoren vom Louvre Abu Dhabi und Stars wie Catherine Deneuve oder Isabelle Adjani, Industriekapitänen wie Lakshmi Mittal oder Laurent Dassault.

 Früher wurden tatsächlich nach dem Dinner hochkarätige Käufe getätigt. Bei schrumpfenden Ausstellerzahlen – 62 in diesem Jahr, statt 94 (2017) und 124 (2016) – sowie absinkender Qualität, weil die Topgalerien fern bleiben, akzeptierte der organisierende Händlerverband (Syndicat National des Antiquaires, SNA) Händler ohne Galerie oder unbekannte Newcomer. Probleme wegen Fälschungen argumentiert der Biennale-Präsident Mathias Ary Jan weg mit „dem Recht auf einen Irrtum“. Journalisten wurde der Vorbesichtigungstermin gestrichen. Kommentar eines Beobachters: „Macht nichts, sie ist ohnedies zum Weinen.“

 Der originelle Napoleon-Sammler Pierre-Jean Chalençon darf erlesene Stücke aus seiner Sammlung ausstellen, wurde aber dafür unerwarteterweise zur Kasse gebeten, was er prompt an die große Glocke hing. Die Messe schlägt sich nicht nur mit exorbitanten Standpreisen herum: 1 100 Euro/qm im Zentrum, 900 Euro am Rand. Tophändler, die fernbleiben, monieren den Zeitpunkt zu früh nach den Ferien, die zu lange Dauer und das Fehlen einer Klimaanlage. Obwohl als Händlerkonsortium organisiert, zieht der Präsident – beraten von einem Polit-Lobbyisten – allein die Fäden. Auch die Händlerarroganz schadet. Als Bill Gates vor Jahren in Jeans und Basecap kam, wurde einer der reichsten Männer der Welt als armer Amerikaner eingestuft und herablassend behandelt.

Geschmacksänderung, Generationenwechsel, interne Streitigkeiten, Eifersüchteleien und Denunziation wegen Fälschungen erforderten ein neues Konzept. In diesem Jahr nehmen nur noch Benjamin Steinitz und Philippe Perrin teil. Die Besucher müssen etwa auf Gismondi und Léage verzichten, die mit aufwendigen Ständen beeindruckten.

Eine Alternative bieten die Pariser Galerien mit exquisiten Ausstellungen: Kugel zeigt Kreationen aus Schildpatt, die in Neapel ab 1720 mit eingelegten Perlmutt-Figuren und Goldfäden „gespickt“ wurden. Der auf archaische China-Objekte spezialisierte Christian Deydier  amüsiert mit der Geschichte des Pferdes in der Mongolei und China vor gut eineinhalb Jahrtausenden, wo man bereits Polo spielte. Der Altmeister-Händler Canesso bietet Frauenporträts von Elisabeth-Louise Vigée Le Brun und die Art-Déco Händler Vallois warten mit kostbarem Mobiliar von Jean-Michel Frank auf. Die beste Warenqualität ist anderswo als im Grand Palais.        

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