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Bildhauerei Kunst mitten in der Natur: Minimalistische Skulpturen von Otto Boll

Minimalistisch und federleicht: Die Metallarbeiten des Bildhauers schwingen sich durch die Lüfte. Bis Ende September sind sie noch ausgestellt.
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Die Aluskulptur schraubt sich in die Luft. Quelle: Skulpturenpark Waldfrieden
Otto Boll: „Ohne Titel“

Die Aluskulptur schraubt sich in die Luft.

(Foto: Skulpturenpark Waldfrieden)

Wuppertal Wenig Material, große Wirkung. Wer einmal Otto Bolls minimalistische Skulpturen gesehen hat, vergisst sie nicht. So einzigartig ist Bolls Handschrift und deren Wirkung auf den Raum. Der 67-Jährige fügt nicht Schicht um Schicht Material seiner Form hinzu, wie es beispielsweise der Keramiker tut. Der Bildhauer nimmt von geschmiedetem Stahl und Aluminium so viel weg, dass nur noch ein schlankes Zeichen übrig bleibt. Wo Skulptur sonst schwer wiegt, sind Bolls Werke leicht – und auch leicht zu übersehen.

Wo beginnen sie, wo hören sie auf? Das ist kaum zu erkennen. So fein sind die nadelspitzen Enden des geschwärzten Stahls geschliffen. Der Künstler hat seine Freude daran, wenn sich „die Stahlspitze gegen null bewegt“.

Deshalb sehen Bolls Skulpturen aus der Entfernung aus wie schwarze Linien, die aus dem Nichts anschwellen und in der Unendlichkeit auslaufen. „Ich wollte eine Form haben, die zwischen Anwesenheit und Abwesenheit, Körper und Leere existiert“, sagt der am Niederrhein lebende Künstler.

Otto Boll hat zurzeit eine Einzelausstellung im Skulpturenpark Waldfrieden in Wuppertal. Ein beeindruckender Ort für Kunst mitten in der Natur. Eigentümer ist die Stiftung des berühmten Bildhauers Tony Cragg. Der Park und drei Ausstellungshallen sind öffentlich zugänglich – gegen Eintritt. Aus der Hitze und Hektik der Stadt kommend, taucht der Besucher ein in ein schattiges Gelände am Hang. Den Wegrand säumen großartige Skulpturen aus verschiedensten Werkphasen von Cragg selbst, aber auch von Thomas Virnich, Thomas Schütte oder Henry Moore.

Schwebende Linie

Otto Boll bespielt die dritte und jüngste Ausstellungshalle im Skulpturenpark Waldfrieden. Eine große horizontale Arbeit scheint die hohe Wand gegenüber der ovalen Fensterfront schlitzartig aufzureißen. Tatsächlich aber schwebt die Linie davor und leitet den Blick.

Bolls Reduktion der Form und der Masse zwingt den Betrachter zum genauen Schauen. Wer unaufmerksam ist, könnte die fragilen Linien im Raum glatt übersehen. Denn einige von ihnen hängen an transparenten Nylonfäden, oft relativ weit oben von der Decke. Sie nehmen kaum Raum ein. Und doch schaffen sie es, den Raum zu definieren und aufzuladen – mit Fragen, Gedanken und Energie.

Der stille Künstler formt Aluminium, dass es aussieht wie ein schwungvoller Peitschenhieb oder wie die Bewegungsschleifen eines so tollkühnen wie eleganten Segelfliegers. Kein Zufall. Boll ist leidenschaftlich gern geflogen.

Die schwungvollen Skulpturen verzichten meist auf Titel. Sie schrauben sich mit wenig Drehung in die Luft. Um ihre Dynamik zu erfahren, muss sich der Betrachter ihnen von vielen Richtungen annähern. Nur dann spürt er ihre Kraft, ihren Witz, die abrupte Drehung in eine andere Richtung, das souveräne Spiel mit der Höhe, Tiefe und Weite des Raumes.

Otto Boll war stets ein Geheimtipp unter Kennern. Seine Arbeiten sind in zahlreichen Privatsammlungen vertreten, in Deutschland, aber auch in den USA. Es wird Zeit, dass auch Museen für zeitgenössische Kunst sein Œuvre für sich entdecken. Inzwischen kümmern sich drei internationale Galerien um die Sichtbarkeit von Bolls Werk, etwa Forsblom und Boris Vervoordt. Für den deutschsprachigen Raum ist Dierk Dierking zuständig. Der einst in Köln, nun in Zürich ansässige Händler hat den Künstler 2015 auf der Cologne Fine Art und in einer Einzelausstellung gezeigt.

Die meist ortsspezifischen Arbeiten liegen zwischen 12.500 und 150.000 Euro. Dierking hat einen informativen Katalog vorgelegt, der weit über die sieben in der Cragg Foundation gezeigten Arbeiten hinausgeht. Ein guter Einstieg. Noch besser ist es, sich den Tanz der Linien im Raum in der lichten Halle im Wald selbst anzusehen, weil sich Bolls Skulpturen nur schwer abbilden lassen.

Mehr: Stoff für einen Bildhauer: Lesen Sie hier, was den jungen Künstler Andreas Schmitten antreibt.

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