Einmal AfD und zurück

Franziska Schreiber war hohes Mitglied in der Jungen Alternative. Nach ihrem Austritt schrieb sie ein Buch über das Innenleben der rechtsradikalen Partei.

(Foto: dpa)

Buchtipp: „Inside AfD“ Einblicke einer AfD-Aussteigerin

Franziska Schreiber hatte engsten Kontakt zur AfD-Parteispitze. In ihrem Buch packt sie aus – nährt aber auch fragwürdige Thesen. 
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Vor ihrem Ausstieg war Franziska Schreiber Pressesprecherin der Jungen Alternative, der AfD-Jugendorganisation. Die PR-Coups scheinen ihr noch zu gelingen. Denn auch wenn Schreibers Enthüllungsbuch „Inside AfD“ erst am heutigen Freitag erscheint, Schlagzeilen hat die 28-Jährige damit schon vorab produziert. Der Grund: In der Aussteiger-Biografie beschreibt die junge Ex-AfDlerin, die zu den Vertrauten der geschassten Parteichefin Frauke Petry zählte, unter anderem, wie sich Petry mehrfach mit Verfassungsschutz-Präsident Hans-Georg Maaßen getroffen haben soll.

„Die beiden schienen so etwas wie Sympathie füreinander entwickelt zu haben“, notiert sie. Mehr noch: Maaßen soll Petry signalisiert haben, „wenn die Partei mit einer Beobachtung durch den Verfassungsschutz zu rechnen hatte“. Auch bei den Ausschlussverfahren gegen den Thüringer Rechtsaußen Björn Höcke soll der Verfassungsschützer Tipps gegeben haben. Sowohl Petry als auch Maaßen haben Schreibers Darstellung inzwischen dementiert. Trotzdem sind sie und ihr Buch nun im Gespräch.

Franziska Schreiber – Inside AfD
Europa Verlag
München 2018
224 Seiten
18 Euro
ISBN: 978-3958902039

So wie vor knapp einem Jahr, als die junge Funktionärin aus Sachsen die AfD freiwillig verließ und zehn Tage vor der Bundestagswahl 2017 per Facebook sogar eine Wahlempfehlung für die FDP gab, weil die AfD ihren liberalen Charakter verloren habe und zu weit nach rechts gerückt sei. Sie sei „die Partei der gelebten Fremdenfeindlichkeit“, sagt Schreiber in ihrem Buch – „rückschrittlich“, „reaktionär“, „ein beträchtlicher Anteil der Mitglieder ist extrem nationalistisch“. Das klingt erst einmal nicht neu. Wichtig ist „Inside AfD“ dennoch, weil da erstmals jemand öffentlich spricht, der Zugang zum engsten Parteizirkel hatte und daraus Innenansichten liefert.

Schreiber trat bereits 2013 in die Partei ein, als Bernd Lucke die AfD noch als professorale Anti-Euro-Partei inszenierte. Sie hat Aufstieg und Fall seiner Nachfolger verfolgt, hat miterlebt, wie die Basis immer weiter ins Extrem rutschte. In der Partei soll laut Schreiber ein „geheimer Wunschkatalog“ mit Maßnahmen gegen Zuwanderung kursieren, die dann ausgepackt werden, wenn die AfD über ausreichend politische Macht verfügt, etwas dass Asylbewerber und Ausländer vom Zugang zu den Sozialkassen ausgeschlossen werden.

Schreiber distanziert sich zwar von solchen Ansichten. Wer jedoch durch die gut 200 Seiten liest, hat den Eindruck, da ist eine, die sich den Anstrich einer Geläuterten gibt, die passiv hinnahm, wie sie sich zusammen mit der Partei radikalisierte und erst viel zu spät bemerkte, was eigentlich passierte: „Ich bewegte mich damals weit rechts. Die Gespräche mit inhaltlich extremen Mitgliedern hatten mich radikalisiert.“ Heute sei das vorbei.

Ganz klar zu verorten ist Schreiber politisch dennoch nicht. Sie unterstreicht mehrfach ihre Sympathien für liberale Positionen, nährt aber auch teils fragwürdige Thesen. Die AfD habe etwa nur deshalb so viele Rechte angezogen, „weil die Medien sie national und rechts nannten“. Man wüsste gern, wie viel von solchen Aussagen noch Spätfolgen ihrer politischen Vergangenheit sind oder ehrliche Meinung ist.

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1 Kommentar zu "Buchtipp: „Inside AfD“: Einblicke einer AfD-Aussteigerin"

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  • Das ist doch wieder so eine Räuberpistole der Medien oder fake news gegen die AfD.
    Kein Mensch kennt diese Fr. Schreiber die lediglich Mitglied in der jugendorganisation der AfD war, aber sie soll so wichtig sein, dass sie Zugang zu den obersten Zirkeln der AfD hatte. Wäre sie nicht Medienwirksam 10 Tage vor der Bundestagswahl aus der AfD ausgetreten, wäre sie der Nobody geblieben der sie auch ist. Die Medien aber haben den Ball aufgegriffen um die AfD vor der Wahl zu schwächen, was ziehmlich durchsichtig war.
    Jetzt reitet diese Dame weiter auf der Medienwelle Anti-AfD, denn sie weis genau, alles was gegen die AfD gerichtet ist, wird von den Medien aufgesogen auch ohne Überprüfung, weil es ins eigene Anti AfD Medienweltbild passt und so werden auch Unwahrheiten kolportiert.
    Allein die Behauptung, Verfassungsschutzpräsident "Maaßen soll Petry/AfD signalisiert haben, „wenn die Partei mit einer Beobachtung durch den Verfassungsschutz zu rechnen hatte“. Auch bei den Ausschlussverfahren gegen den Thüringer Rechtsaußen Björn Höcke soll der Verfassungsschützer Tipps gegeben haben". Wenn das wahr wäre müßten doch die Medien die sofortige Entlassung von Maaßen fordern, aber warum tun sie das nicht??? Nun blamieren will man sich auch nicht!
    Spätestens jetzt sollte auch bei dem unfähigsten/einfältigsten Journalisten alle Glocken läuten, dass hier ein Märchenbuch präsentiert wird, allein zur Auflagenstärkung eines mehr als schwachen Märchen-Buches und zur Einnahmesteigerung bei dieser "Dame".
    Was mich aber noch mehr wundert ist, dass so was im HB überhaupt und so kommentarlos und übehaupt nicht nachrecherchiert erscheint. Qualitätjournalismus sieht anders aus.

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