Bewährungsprobe für die Demokratie

Nicht nur der US-amerikanische Präsident Donald Trump ist eine Gefahr für die Demokratie - auch in Europa nehmen autoritäre Züge Gestalt an.

(Foto: AP)

Buchtipp: „Wie Demokraten sterben“ Demokratien sind fragil – und deshalb in Gefahr

Die Harvard-Professoren Steven Levitsky und Daniel Ziblatt fordern in ihrem Buch zum Kampf für eine gefährdete Regierungsform auf: die Demokratie.
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Wäre die Demokratie ein Tier, man müsste sie unter Artenschutz stellen – diesen Eindruck könnte man gewinnen, schaut man in die Bücherwelt des Sommers 2018: Ein ganzer Reigen von Neuerscheinungen beschäftigt sich mit dem drohenden Absturz jener Regierungsform, der nach dem Zerfall der Sowjetunion noch die Geschichte zu gehören schien.

Auch das Buch „Wie Demokratien sterben“ von Steven Levitsky und Daniel Ziblatt scheint sich in diesen Trend der eher depressiven Demokratie-Anschauung einzufügen. Doch weit gefehlt: Die beiden Harvard-Professoren haben ein konstruktives Werk geschrieben, das uns nicht nur dabei hilft, das Phänomen Donald Trump zu verstehen und zu begreifen, welche Gefahren von diesem Phänomen ausgehen. Der Untertitel „Was wir dagegen tun können“ verrät schon, dass es auch darum geht, Strategien gegen den Zerfall von Demokratien zu entwickeln.

In einer tiefgründigen historischen Analyse zeigen Levitsky und Ziblatt, dass Demokratien immer nur so stark sind, wie die Bürger bereit sind, für sie zu kämpfen. Das größte Risiko für Demokratien besteht nicht in gewaltsamen Umstürzen, die größte Gefahr geht vielmehr von Präsidenten oder Ministerpräsidenten aus, die ebenjenen Prozess aushöhlen, der sie an die Macht gebracht hat.

Steven Levitsky, Daniel Ziblatt – Wie Demokratien sterben
DVA
München 2018
320 Seiten
22 Euro
ISBN: 978-3421048103

„Seit dem Ende des Kalten Kriegs sind die meisten demokratischen Zusammenbrüche nicht durch Generäle, sondern durch gewählte Regierungen verursacht worden“, stellen die Autoren fest. Und sie nennen unzählige Beispiele aus verschiedenen Epochen sowohl links- als auch rechtsgerichteten Autoritarismus. Der entstehende Faschismus in Europa, die gescheiterten Demokratien in Lateinamerika, die rechtspopulistischen und antidemokratischen Tendenzen vor allem in Osteuropa oder der Türkei spielen eine Rolle.

Und natürlich Amerika unter Präsident Trump, der aus Sicht der Autoren fast alle Kriterien eines autoritären Herrschers erfüllt. Er zweifelt nicht nur die Legitimität des politischen Gegners an, er hat auch keinerlei Respekt vor der Legislative oder Judikative. Und er versteht es wie kein anderer, sich gegen jegliche Kritik zu immunisieren – vor allem indem er diese Kritik als Rache des abgewählten elitären Establishments, das stets Politik gegen den Volkswillen betreibe, diffamiert.

Diese Entwicklungen seien besonders gefährlich in einem Land, das seinem Präsidenten eine außerordentliche exekutive Machtfülle zubilligt.

Stark ist das Buch in der historischen Analyse – vor allem dort, wo die Autoren Rückschlüsse aus den Erfahrungen der Demokratiegeschichte ziehen. Auch wenn die Rückschlüsse für die USA, etwa das Plädoyer für mehr „Gleichheit in der Gesellschaft“ oder die „Bildung einer prodemokratischen Koalition“, angesichts der Dimension des Problems etwas naiv anmuten: Das große Verdienst der Autoren ist es, gezeigt zu haben, wie fragil Demokratien sind.

Man kann das Buch durchaus als Aufforderung zum Kampf für diese Regierungsform verstehen – vor allem an jene junge Generation, für die die Demokratie leichtfertigerweise immer noch als etwas Selbstverständliches wahrgenommen wird.

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