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Cindy Sherman Die Frau mit den 1000 Gesichtern

Sie zählt zu den wichtigsten lebenden Künstlern und erzielt für ihre Fotografien Rekordpreise. Dabei lichtet sie fast ausschließlich sich selbst ab.
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Shermans Fotografien erzielen auf dem Kunstmarkt zum Teil Millionenpreise. Rekord war 2014 der Verkauf einer Serie von 21 Silberdrucken aus ihrer Serie „Untitled Film Stills“ für 6,7 Millionen US-Dollar. Quelle: dpa
Cindy Sherman

Shermans Fotografien erzielen auf dem Kunstmarkt zum Teil Millionenpreise. Rekord war 2014 der Verkauf einer Serie von 21 Silberdrucken aus ihrer Serie „Untitled Film Stills“ für 6,7 Millionen US-Dollar.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDie Künstlerin ist ein Phänomen: Seit mehr als 40 Jahren steht Cindy Sherman zugleich vor und hinter der Kamera. Seit Beginn ihrer Karriere inszeniert die US-Fotografin sich in den verschiedensten Frauen-Stereotypen und drückt dann auf den Selbstauslöser.

Dieses konsequent verfolgte Konzept machte Sherman, die am 19. Januar 65 Jahre alt wurde, zu einer der weltweit bekanntesten Künstlerinnen. Seit vielen Jahren steht Sherman auf der Rangliste der erfolgreichsten lebenden Künstler ganz vorne. Im vom Wirtschaftsmagazin Capital veröffentlichten Kunstkompass 2018 rangiert sie unter der Kategorie der größten lebenden Künstler auf Platz fünf.

Neben ihr schaffte es mit Rosemarie Trockel, einer bildenden Künstlerin aus Deutschland, nur eine einzige weitere Frau in die Top Ten. Shermans Fotografien erzielen auf dem Kunstmarkt zum Teil Millionenpreise.

Rekord war 2014 der Verkauf einer Serie von 21 Silberdrucken aus ihrer Serie „Untitled Film Stills“ für 6,7 Millionen US-Dollar bei Christie’s in New York. Ihre Arbeit „Untitled Nr.96“ wurde 2011 für 3,9 Millionen Dollar versteigert und war damit zeitweise die teuerste Fotografie.

Shermans Fotografien wurden weltweit in großen Museen gezeigt. Das Museum of Modern Art widmete ihr 2012 eine Retrospektive. In Deutschland war sie schon 1982 auf der Documenta vertreten, hatte unter anderem Ausstellungen in den Hamburger Deichtorhallen oder der Kunsthalle Baden Baden.

Derzeit präsentiert die Bremer Weserburg noch bis zum 24. Februar eine Auswahl ihrer Arbeiten. Weltweit wurde die Künstlerin ausgezeichnet, unter anderem in Deutschland mit dem Kaiserring der Stadt Goslar. Im Februar wird ihr der Max Beckmann-Preis der Stadt Frankfurt am Main verliehen.

Die Frankfurter Kulturdezernentin Ina Hartwig begründete das damit, dass Sherman mit ihrer „schillernden, gebrochenen Bildsprache längst zum kulturellen Gedächtnis des frühen 21. Jahrhunderts“ gehöre. Ihr Erfolg ist umso erstaunlicher, als sie seit Jahrzehnten ein und dasselbe Konzept verfolgt. Obwohl sie fast ausschließlich sich selbst fotografiert, werden ihre Bilder nicht eintönig.

Die Frauen, die Sherman darstellt, könnten unterschiedlicher kaum sein: Da ist etwa die unheimliche Wahrsagerin, der androgyne, versonnen dreinschauende Teenager, die glamouröse Großstädterin oder das naive blonde Cowgirl mit Western-Hut. Sherman wirft mit ihren Arbeiten die Frage nach Geschlechterrollen und Identität auf.

Ihren künstlerischen Durchbruch hatte sie mit den 1977 bis 1980 entstandenen „Untitled Film Stills“. Für die etwa 70 Fotografien inszenierte sich Sherman selbst als Modell in verschiedenen fiktiven Filmszenen (Film Stills).

Sie verweist mit den Schwarz-Weiß-Aufnahmen auf den Stil der Werbefotos für B-Movies der 50er und 60er Jahre. Für die Fotografien spielte Sherman die gesamte Palette der stereotypen Frauen-Rollen durch, die Hollywood-Filme in den beiden Nachkriegs-Jahrzehnten produzierte: die Hausfrau, den Vamp oder die junge Angestellte. Mit Perücken, Schminke und Second-Hand-Kleidung versteht es Sherman, sich so stark zu verwandeln, dass der Betrachter glaubt, völlig verschiedene Frauen zu sehen.

Dieses große Spektrum an Rollen und Identitäten sei ein Grund für den Erfolg der Künstlerin, glaubt Fotografie-Expertin Inka Schube vom Sprengel Museum in Hannover. „Cindy Sherman entwirft eine multiple Identifikationswelt. Das stellt eine große Befreiung in der Selbstwahrnehmung und auch in den Lebensoptionen dar, die man als Rezipientin hat.“

Die feministische Debatte beflügelt

Dabei spiegeln Shermans Bilder mitnichten eine glatte Hollywood-Welt. Manche ihrer Darstellungen zeigen gebrochene, teils auch verwahrloste Frauen. Diese heterogenen und auch widersprüchlichen Vorstellungen von weiblicher Existenz hätten Sherman berühmt gemacht, sagt Peter Friese, Kurator der Ausstellung „Cindy Sherman“ in der Bremer Weserburg.

„Sie hat damit auch die feministische Debatte und die Konstruiertheit der Genderrollen und der Sexualität beflügelt.“ Sherman gilt deshalb auch als feministische Künstlerin. Sie selbst hat sich allerdings nicht als solche bezeichnet.

Nach dem Erfolg ihrer „Film-Stills“-Serie wandte sich Sherman bewusst abstoßenden Sujets zu. Immer wenn ihre Arbeiten gut beim Publikum ankämen, habe sie den Eindruck, nun erst einmal etwas machen zu müssen, bei dessen Anblick „die Leute nicht begeistert die Arme hochreißen“, erklärte Sherman selbst einmal.

Früher Hang zur Selbstinszenierung

In den 80er Jahren machte sie deshalb ausnahmsweise Fotografien, in denen sie nicht selbst auftrat. Für die „Disasters“-Serie lichtete sie Körperteil-Prothesen, Gliedmaßen von Puppen, Körperausscheidungen, verfaulende Lebensmittel oder Abfall ab. Die Bilder erinnern an Szenarien aus Horror-Filmen.

Cindy Sherman wurde in New Jersey geboren und wuchs im US-Bundesstaat New York auf. 1972 begann sie ein Kunststudium in Buffalo und entdeckte dabei die Fotografie als ihr Ausdrucksmittel. Bereits als Kind hatte sie sich für Fotos interessiert, wie sie selbst sagt. Ihr technikbegeisterter Vater hatte eine umfangreiche Fotoausrüstung. Cindy Sherman liebte es außerdem schon als Schülerin, sich im Stil von Charakteren aus Hollywood-Filmen zu verkleiden.

Beliebter Schnappschuss: 'Untitled #96' von Cindy Sherman bei Christie's in New York. (Foto: STAN HONDA/AFP/GettyImages)
Sherman-Fotografie

Beliebter Schnappschuss: 'Untitled #96' von Cindy Sherman bei Christie's in New York.
(Foto: STAN HONDA/AFP/GettyImages)

Der Schritt zur Selbstinszenierung kam mit dem Umzug nach New York Ende der 70er Jahre. Dort sei das Schlüpfen in verschiedene Persönlichkeiten nahezu eine Überlebensstrategie geworden, berichtet Sherman. „Um in dieser Stadt zurecht zu kommen, muss man eine Straßen-Persönlichkeit haben. Und dann hat man seine andere Persönlichkeit, wenn man ein Haus betritt.“

Shermans konsequentes Arbeiten mit Selbstinszenierungen über vier Jahrzehnte brachte ihr auch die Kritik ein, sich nicht wirklich weiter zu entwickeln. Inka Schube beurteilt das anders. „Das ist schon eine sehr große Leistung, eine solche Geschlossenheit eines Werkes zu wahren. Das mag manch einer als Einseitigkeit auslegen. Es entwickelt sich daraus aber eben auch eine große Qualität.“

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