Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Cologne Fine Art & Design Eine Hommage an den Stil-Mix

Wer quer durch alle Sparten sammelt, ist mit der Cologne Fine Art & Design gut bedient. Die 50. Ausgabe lässt sich vom Geist der Bauhaus-Zeit inspirieren.
Kommentieren
Porträt eines drei Jahre alten Jungen, einen Hut haltend, gemalt auf Holz 1653. Quelle: Wybrand de Geest/ Floris van Wanroij Fine Art
Wybrand Simonsz. de Geest d. Ä.

Porträt eines drei Jahre alten Jungen, einen Hut haltend, gemalt auf Holz 1653.

(Foto: Wybrand de Geest/ Floris van Wanroij Fine Art)

Köln Mit dieser Frage hatte Daniel Hug nicht gerechnet. „Das Bauhaus liegt hinter uns. Und wo finden wir auf dieser Messe die Zukunft“, hakte die Journalistin auf der Pressekonferenz der Messe „Cologne Fine Art & Design“ (Cofa) nach. Deren neuer Leiter fand nach kurzem Nachdenken eine rettende Antwort: „Damit überraschen wir Sie im nächsten Jahr.“ Die Frage spiegelt die neuen Erwartungen an eine Messe, aus der Hug aber auf gar keinen Fall eine kleine Schwester der Art Cologne machen durfte. Ein schärferes Profil hatte er dem einstigen Flagschiff der rheinischen Antiquitätenmessen zuvor versprochen, und versucht zu liefern.

Die Zeiten, in denen die 1970 gegründete Messe noch die Bezeichnung „Antiquitäten“ im Titel führte, liegen gefühlt Jahrzehnte zurück. Ebenfalls schon Jahre her ist die „Cofaa“ mit dem Anhängsel „Antique“. Das erinnerte immerhin noch schwach daran, wo diese prinzipiell Sparten und Epochen übergreifende Messe ihre Wurzeln hatte. 2016 gab es dann zusätzlich die Cofa contemporary und 2017 die Kombination mit der Oldtimermesse Retro Classics. Jetzt nun also die Cofa mit Design.

Cross-over Sammeln mit Design

Allein sieben Designhändler hat Messemacher Hug für diese 50. Ausgabe gewonnen, von insgesamt 95 Ausstellern (bis 24.11.). Es ist sein Versuch, dem zum munteren Cross-over neigenden Geschmackswandel entschiedener als zuvor entgegen zu kommen. In diesem Jahr passend zum 100. Geburtstag des Bauhauses gleich im Eingangsbereich mit einer dem Bauhaus verpflichteten Sonderausstellung. Bei näherer Betrachtung handelt es sich um einen Gemeinschaftstand von Ulrich Fiedler, Hendrik Berinson und Thomas Derda mit käuflichen Exponaten.

Ins Auge fallen nicht so sehr die paar durch Gebrauch geadelten, authentischen Möbelikonen von Marcel Breuer, sondern Gruppierungen vieler köstlicher, kleiner Papierarbeiten und Gemälde auch von noch nicht so geläufigen Künstlern wie Karl Peter Röhl, Hajo Rose oder Fritz Schleifer. Dazu gesellen sich wie Kostbarkeiten gerahmte, überraschend teure fotografische Dokumente und typografisch gestylte Zeugnisse. Im Prinzip spiegelt der Stand den schrumpfenden Markt, auf dem die authentischen, tatsächlich in den 1920er- oder 1930er-Jahren hergestellten Designikonen immer seltener werden.

Prototypen des Schichtholz verleimten Armlehnsessels von Jean-Joseph Chapuis. So sieht modernes
Auf dem Stand von Sebastian Jacobi

Prototypen des Schichtholz verleimten Armlehnsessels von Jean-Joseph Chapuis. So sieht modernes "Design" um 1800 aus.

(Foto: meinweiss S. Jacobi; Foto: KölnMesse)

Es ist nicht der schönste Stand, aber vielleicht einer der interessantesten: „Meinweiss Sebastian Jacobi“ mit seiner Phalanx von Schichtholz verleimten Armlehnstühlen, die der belgische Ebenist Jean-Joseph Chapuis lange vor dem Möbelpionier Michael Thonet zu Beginn des 19. Jahrhunderts entwickelte. Mit ihrer schlichten, filigranen Eleganz haben sie viel mit den Möbeln der Moderne gemeinsam. 30 Jahre hat Jacobi gesammelt. Nun würde er am liebsten die komplette Serie mit Prototypen inklusive vier ebenfalls Schichtholz verleimter Tische geschlossen verkaufen. Zu einem Preis, der im Verhältnis zu den 300.000 bis 400.000 Euro für einen einzigen authentischen Bauhau-Stuhl akzeptabel erscheint.

Die Experimente mit Schichtholz machen nur drei Prozent des Gesamtwerks von Chapuis aus. Was er normalerweise fabrizierte, kann man am benachbarten Stand von Viebahn aus Worpswede sehen. Hier steht ein Architektentisch in der Gestalt eines raffinierten Verwandlungsmöbels. Viebahn, der Spezialanbieter für den Klassizismus, ist nach vielen Jahren wieder zurückgekehrt auf die Messe, animiert von Daniel Hug. Er ist fest davon überzeugt, dass Hug „das Ruder herumreißen kann“ und die Alte Kunst wieder mehr ins Licht rückt.

Impulsiv geformte Keramik

Ästhetisch eine Wucht ist der riesige Stand von Dierking. Hier treten die filigranen Stahlskulpturen von Otto Boll, die meditativen Bildtafeln von Peter Royen und ein impulsiv geformter Keramiktorso von Thomas Virnich in einen Dialog. Die Vielfalt auf der Cologne Fine Art & Design tut den Augen gut. Und die sind dankbar, wenn sie auch mal so einen typisch holländischen Stand mit alten Seestücken wie bei Floris van Wanroij zu sehen bekommen. Sein Augenfänger ist jedoch das feine Knabenporträt von Wybrand Simonsz. De Geest d.Ä. für 58.000 Euro.

Schön ist auch der kleine Stand von Oberacker mit Gefäßen aus den jungen Jahren der Porzellankunst. Um 1730 datiert ein sehr seltener Tabaktopf mit grünen Schmetterlingen. Er gehört zu den frühen Porzellanen mit polychromer Bemalung. Kostenpunkt 11.500 Euro.

Bei Hans Martin Schmitz gegenüber hängt an der Wand ein großer Stellschirm aus dem 18. Jahrhundert, eine Gartenlandschaft mit Chrysanthemen für 12.000 Euro. Zwischen 1.100 und 2.500 Euro kosten die Farbholzschnitte von Kawase Hasui. 1970 hätte er sich für diese zwischen 1920 und 1950 entstandenen Blätter noch nicht interessiert, weil es nicht alt genug erschien. Heute werden sie von den Sammlern entdeckt.

Karl Hubbuch

"Lissy", die moderne Frau der Weimarer Republik in der Rolle einer Wölfin im Schafspelz, entstand 1930/32.

(Foto: Kunstkontor Doris Möller)

Gut für die Orientierung: Die Stände mit älterer Kunst und Kunstgewerbe liegen alle in räumlicher Nähe zueinander. Lieblos in der dunklen Randzone platziert ist hier auch der Young Collector’s Room mit ausgewählten Objekten unter 5.000 Euro, ein Querschnitt mehr oder weniger durch alle Sparten. Besser bedient ist jedoch, wer aufmerksam die Messe sondiert. Erstaunlich groß ist nämlich das Angebot an schönen Dingen und Werken zu sehr überschaubaren Preisen.

Auf dem Stand von Martin Glanz findet sich etwa für 1.100 Euro ein Armlehnstuhl von Albert Haberer im typischen Design der späten 1940er-Jahre. Seine Rückenlehne passt sich aufgrund einer raffinierten Konstruktion mit Leder dem Körper an. Am Stand von Kunstkontor Doris Möller hängen zu je 900 Euro vier Bildnisse von Carl Lauterbach aus der Sammlung von Thomas B. Schumann. Es sind frühe Erwerbungen, bevor er sich ganz auf die zwangsweise emigrierten Künstler konzentrierte. Recht günstig erscheinen hier auch die 4.000 Euro für alle drei großformatigen Kompositionen zu Sinfonien von Johannes Brahms von Max Austermann.

Pflanzenporträts aus den zwanziger Jahren

Eine feine Entdeckung für Fotoliebhaber ist schließlich die Serie mit Pflanzenporträts von Paul Dobe bei André Kirbach. Die sechs Schwarzweißfotografien des im Umfeld des Bauhauses tätigen Künstlers fand der Düsseldorfer Kunsthändler in einer Mappe. Kostenpunkt: 6.000 Euro.

Das Gros der höchsten Preisregion der Messe liegt im sechsstelligen Bereich. Eines der seltenen Ölgemälde des japanischen Kalligraphen Inoue Yuichi bei Kirbach oder die Gruppe von „Eidos“-Gemälden bei Schlichtenmaier, die Willi Baumeister noch zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs schuf. Sie liegen zwischen 170.000 und 300.000 Euro. Schön, aber marktbekannt ist das mit einem mittleren sechsstelligen Betrag ausgepreiste Hafenbild, das Francis Picabia Mitte der zwanziger Jahre in Cannes malte, zu finden auf dem Stand von Koch.

"Back to the Roots"

Insgesamt hinterlässt die Messe hinsichtlich der gebotenen Qualität einen guten Eindruck. Schwachstellen gibt es vereinzelt im Randbereich. Tatsächlich bedient das Angebot ein breites Spektrum von Geschmäckern.

Zum Bild dieser Messe gehört aber auch die unerwartete Begegnung mit den fantasievollen, skulpturalen Schöpfungen zeitgenössischer afrikanischer Künstler auf dem Stand der Galerie Sakhile & Me, hinter der Daniel Hagemeier & Sakhile Matlhare stehen. Beim Senior Achim Hagemeier dagegen findet der Sammler wie in jedem Jahr die pastosen Bilder von Josef Scharl, darunter ein schlafendes Kind aus den späten Zwanzigern für 64.000 Euro.

„Man überlebt“, charakterisiert der Händler die allgemeine Lage. Aber es habe nichts mehr zu tun mit dem kontinuierlichen Erfolg in den Anfangsjahren. Die Messen liefen nicht mehr so gut in den letzten drei Jahren. Hagemeier hat sich deshalb ein „Back to the Roots“ verordnet. Er will jetzt wieder verstärkt in seine Galeriearbeit investieren. Zwei Kölner Messen im Jahr reichen.

Mehr: Die Messe in der Landeshauptstadt: Lesen Sie hier, was auf der Art Düsseldorf zu sehen war.

Der Handelsblatt Expertencall
Startseite

Mehr zu: Cologne Fine Art & Design - Eine Hommage an den Stil-Mix

0 Kommentare zu "Cologne Fine Art & Design: Eine Hommage an den Stil-Mix"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.