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DC Open Düsseldorf und Köln machen im Namen der Kunst gemeinsame Sache

Langes Galerien-Wochenende in Düsseldorf und Köln: Die einst zerstrittenen Metropolen kooperieren und zeigen Werke junger und etablierter Künstlern.
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Die Gouache „This is how it happened“ ist in der Düsseldorfer Galerie Sies + Höke zu sehen. Quelle: Sies & Höke
Marcel Dzama

Die Gouache „This is how it happened“ ist in der Düsseldorfer Galerie Sies + Höke zu sehen.

(Foto: Sies & Höke)

Düsseldorf, Köln Als vor zehn Jahren Düsseldorfer und Kölner Galerien die Initiative „dc open“ ins Leben riefen, staunte die deutsche Kunstöffentlichkeit nicht schlecht. Die historischen Animositäten der beiden Rheinmetropolen und die fast schon legendäre Zerstrittenheit der rheinischen Kunstszene hatten schließlich auch mit zum damaligen Niedergang der Art Cologne beigetragen und den kometenhaften Aufstieg Berlins als Kunststadt beflügelt. Es war auch höchste Zeit, Flagge zu zeigen und dem erfolgreichen Berliner Gallery Weekend etwas entgegenzusetzen, um die Stärken des ehemaligen künstlerischen Herzens der Republik ins Bewusstsein zu bringen.

Die gemeinsamen Galerieeröffnungen am ersten Septemberwochenende sind mittlerweile zur guten Tradition geworden. Zwischen 40 und 50 Galerien beteiligen sich an dem Programm, das ein Booklet, eine App, Öffentlichkeitsarbeit und eine Abendveranstaltung an wechselnden Orten umfasst. Einige Galerien machen nicht jedes Mal mit, fallen bei Nichtteilnahme jedoch nicht Ungnade, eröffnen trotzdem zum selben Termin und sind vielleicht später wieder dabei.

So hat sich im Rheinland ein weitgehend friedliches Kooperationsklima entwickelt, das sich merklich von den eher rauen Sitten in der Hauptstadt unterscheidet. Die Unterschiede werden an Details sichtbar. In Berlin werden die eingeflogenen VIPs mit schwarzen Limousinen durch die Stadt chauffiert, am Rhein stehen Shuttlebusse allen Interessierten zur Verfügung. Internationale Großsammler lassen sich hier ohnehin nur ausnahmsweise blicken, es geht insgesamt eher bodenständig zu.

Der starke Heimatmarkt des hier immer noch sammelnden Bürgertums als Rückgrat des Marktes im Hintergrund und das Wissen, international eben nicht im Rampenlicht zu stehen und mit New York, London oder Hongkong konkurrieren zu müssen, rückt die Perspektive etwas zurecht und macht den Umgang untereinander entspannter.

Zwischen den Teilnehmern von dc open spannt sich ein weiter Bogen vom klassischen Kunsthandel über international in der Topliga mitspielenden Galerien bis hin zu alternativen Galeriemodellen und Off-Räumen. Das Spektrum der Ausstellungen reicht dementsprechend von musealen Positionen bis zur jüngsten Künstlergeneration.

Wegbereiter der Moderne

Tief in die Kunstgeschichte steigt der Kunsthandel Michael Werner ein, der mit Gemälden und Zeichnungen von Puvis de Chavannes einen Wegbereiter der Moderne feiert. Für die aktuelle Kunstgeneration ist Bernd Lohaus eine wichtige Figur, die erst langsam wieder ihren Weg ins Bewusstsein von Markt und Institutionen findet.

Die Skulpturenhalle der Thomas Schütte Stiftung bei der Museumsinsel Hombroich nimmt sich der frühen Skulpturen des Künstlers an. In einer erstmaligen Kooperation mit dem Polnischen Kulturinstitut beschäftigen sich polnische Künstler mit den „Unterschieden im Ähnlichen“, so die Übersetzung des Ausstellungstitels.

Die Papierarbeit „Untitled, (Reliquien entstanden bei einer Mal-Performance in Belgien)“ entstand 2016. Quelle: Courtesy: Georg Dokoupil, Galerie Martina Kaiser
Georg Dokoupil

Die Papierarbeit „Untitled, (Reliquien entstanden bei einer Mal-Performance in Belgien)“ entstand 2016.

(Foto: Courtesy: Georg Dokoupil, Galerie Martina Kaiser)

Die letzte, 58-teilige Arbeit der kürzlich im Alter von 75 Jahren verstorbenen Lutz Bacher ist bei Daniel Buchholz in Köln zu sehen. Erst in den letzten zehn Jahren war die vielseitige Künstlerin zu Ruhm gelangt, ausgehend von einer Ausstellung im MoMa PS1. Tief in der rheinischen Kunstszene seit den Achtzigerjahren ist Jiří Dokoupil verankert, von dem Martina Kaiser neue Papierarbeiten in Köln zeigt.

20 Jahre Galeriegeschichte lässt Sies + Höke in Düsseldorf mit Marcel Dzama gleichsam Revue passieren, dessen Werk aus kunsthistorischen Bezügen eine eigene Sprache entwickelt. Folgerichtig und augenzwinkernd heißt die Schau „Be good little Beuys and Dada might buy you a Bauhaus“.

Mit der Ausstellung „La Cucaracha“ von Pieter Hugo lässt sich bei Priska Pasquer in Köln tief in die komplexe und oft prekäre und von Gewalt geprägte Gesellschaft Mexikos eintauchen. Ebenfalls Jubiläum – zehnjähriges – feiert die Kölner Galerie Julian Sander, die aus diesem Anlass an ihre eigene erste Ausstellung erinnert.

Ganz zeitgenössisch wird es etwa bei den jungen Kölner Galerien, bei Ginerva Gambino mit den Gemälden und Collagen von Mathis Gasser, die die Grenzen zwischen realer und fiktiver Institutionsarchitektur verwischen. Kunst & Denker aus Düsseldorf hat sich gerade zusätzlich zum Galerieraum in der dahinter gelegenen Halle eingerichtet, in der mehrere Unternehmen verschiedene Formen zeitgenössischen Arbeitens praktizieren. Der Künstler Tim Berresheim hat sich eingehend mit den Nutzern beschäftigt und die Ergebnisse in einer großen Collage verarbeitet, die das gesamte Treppenhaus einnimmt.

Die Galerie Nagel Draxler fährt groß auf. Während in der Stammgalerie der chinesische Malerstar Zhao Gang den gesamten Raum mit einem monumentalen Aktgemälde einnimmt, hat sich mit Natalie Häusler, Delia Jürgens, Stella von Rohden eine jüngere Generation von Künstlerinnen die Reisebürogalerie angeeignet, kuratiert von der Braunschweiger Professorin Frances Scholz.

In der ehemaligen Kapelle, die heute Kaune Contemporary beherbergt, zeigen die beiden Galerien darüber hinaus unter dem Titel „Alley-Oop“ Schmuck von Gabi Dziuba sowie Werke von Künstlern der Galerie und Gästen.

Fokus auf Druckgrafiken

Eher zufällig haben sich einige Ausstellungen zum Thema Druck und Buch ergeben. Die Düsseldorfer Rahmenhandlung Conzen begeht ihr 165-jähriges Bestehen mit einer Ausstellung zusammen mit Kunstverlag/Galerie Breckner mit einer Gemeinschaftsausstellung zum druckgrafischen Werk von Norbert Tadeusz, dessen Nachlass neuerdings von Breckner vertreten wird. Parallel ist gerade eine Retrospektive des Künstlers im Museum Kunstpalast angelaufen. Gleich 90 grafische Arbeiten von Georg Baselitz hat die Galerie Boisserée aus Köln zusammengetragen.

Die Lithografie „Ohne Titel (Santa Lucia)“ ist in der Galerie Breckner zu erwerben. Quelle: Galerie Breckner, VG Bild-Kunst 2019
Norbert Tadeusz

Die Lithografie „Ohne Titel (Santa Lucia)“ ist in der Galerie Breckner zu erwerben.

(Foto: Galerie Breckner, VG Bild-Kunst 2019)

Beck & Eggeling in Düsseldorf verbinden ihre Ausstellung mit neuen Arbeiten von Heribert C. Ottersbach zur Vorstellung des Buches über den Künstler von dem bekannten Kunsttheoretiker und -kritiker Wolfgang Ullrich. Gleichzeitig rücken die Galeristen anlässlich des 35-jährigen Bestehens der Galerie ihre Tätigkeit als Kunstbuchverleger in den Fokus.

Der Kölner Rob Tufnell begeht sein zehnjähriges Jubiläum und verwandelt aus diesem Anlass seine Galerie in ein Antiquariat, das den Büchern der von den 50er- bis 70er-Jahren aktiven Olympia Press gewidmet ist. Bei Martin Kudlek in Köln steht unter dem Motto „Judging the Cover“ dagegen das Buch als Material und Motiv im Zentrum. Breckner und Kudlek sind in diesem Jahr übrigens nicht Teilnehmer der dc open. Es lohnt sich also, einen Blick über das offizielle Programm hinaus zu werfen.

Mehr: Der Düsseldorfer Kunstpalast räumt in einer neuen Ausstellung mit Vorurteilen auf: Kunst aus der DDR war nicht nur staatstragend.

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