DC Open Galerien in Düsseldorf und Köln starten in die Herbstsaison

Zum zehnten Mal eröffnet die DC Open die Herbstsaison der Galerien in Düsseldorf und Köln. Das ambitionierte Programm lockt aber eher Sammler aus der Region als die internationale Kunstszene.
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Bei Philipp von Rosen in Köln. Quelle: Philipp von Rosen Galerie, Köln
Nic Hess – „Mit und ohne Bart“

Bei Philipp von Rosen in Köln.

(Foto: Philipp von Rosen Galerie, Köln)

Köln, DüsseldorfDas Rheinland hatte seine künstlerisch produktivste Zeit zwischen 1960 und den 1980er-Jahren. Hier lebten innovative Künstler, hier entstanden Galerien und Messen, hier erwärmten sich Sammler wie Unternehmer für erfrischend neue Formen der Kunst.

Doch der Spirit des an einem Strang-Ziehens ließ nach, beide Metropolen am Rhein wurden Konkurrenten. Erst 2009 erwachte der Gemeinschaftssinn wieder – unter ökonomischem Druck. Die Galerien tun sich seitdem für die „DC Open“ mit langen Öffnungszeiten, Shuttleservices und einem gemeinsamen Eröffnungsfest zusammen. 55 Galerien aus den Rheinstädten warten zum Zehn-Jahre-Jubiläum mit besonderen Ausstellungen auf.

Das von den Organisatoren der DC Open vollmundig beschriebene internationale Zielpublikum haben die Kölner jedoch bislang nicht gesichtet. „Neun Jahre lang kam das internationalste Publikum aus Gelsenkirchen“, bringt es ein Kunstfreund humorvoll auf den Punkt. Aber im katholischen Rheinland könne man ja fromme Wünsche äußern.

Mit großen Namen und einer originellen Fragestellung verschaffen Sies + Höke in Düsseldorf den Skulpturen von Konrad Lueg, Sigmar Polke und Gerhard Richter einen originellen Kontext. Polke etwa hat die Klingen einer Schere zu Damenbeinen im Laufschritt geformt.

Um Positionen zur zeitgenössischen Skulptur geht es auch bei Ute Parduhn am Kaiserswerther Markt. Während Berta Fischer und Ursula Ott lichtdurchlässige Folien und Glas für ihre Skulpturen verwenden, setzten Thomas Schütte mit Keramik und Bronze und Paloma Varga Weisz mit Holz klassische Werkstoffe ein (bis 16.11.).

Eine Arbeit aus der Schau „Salon Tactile“ bei Cosar HMT. Quelle: COSAR HMT
Erika Hock

Eine Arbeit aus der Schau „Salon Tactile“ bei Cosar HMT.

(Foto: COSAR HMT)

Das raumgreifend Taktile von Skulpturen nimmt auch Erika Hock in der Galerie Cosar HMT auf. Hock, die in Köln arbeitende Künstlerin, hat diesmal Fadenvorhänge nach ihren Vorgaben färben lassen, die sie gestaffelt hintereinandermontiert. Diese Wand- und Raumobjekte sind eigentlich Bilder, ihre Preise liegen zwischen 3500 bis 8500 Euro. Sie reagieren aber auf den kleinsten Luftzug und vermitteln, dass letztendlich alles stets im Fluss ist (bis 27.10.).

Aber es gibt – allerdings nur vereinzelt – auch Malerei. Eine sehr subtile Spielart fährt die Galerie Van Horn auf (bis 2.11.). Hier zeigt die an der Düsseldorfer Akademie ausgebildete Künstlerin Sabrina Fritsch, die jüngst mit zahlreichen Preisen geehrt wurde, reliefartige Gemälde der Serie „Skin“. Die Oberfläche imitiert Haut durch Farbe, Schnitte und Schrunden.

Etwas mehr als 50 Jahre nachdem Kölner Kunsthändler das Format Kunstmesse erfunden haben, die heutige Art Cologne, geht in Köln die Angst um. „Wir kämpfen ununterbrochen gegen den Besuchermangel“, beschreibt Philipp von Rosen die Lage. Für ihn ist die Teilnahme an der DC Open schon deshalb obligatorisch und mit 1500 Euro Gebühr auch nicht übermäßig teuer. „Ich kann allerdings nicht behaupten, dadurch je eine Arbeit mehr verkauft zu haben“, schränkt der Galerist ein.

Priska Pasquer knüpft mit ihrer Gruppenschau „Triple Expansion“ an die Zeit der späten sechziger Jahre an, als der Konzeptkünstler Sol LeWitt (Jg. 1928) die radikale Erweiterung des Kunstbegriffs vorantrieb. Bei der jüngeren Generation fiel sein Credo von der Idee als „einer Maschine, die Kunst macht“, auf fruchtbaren Boden, jedoch unter gewandelten politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Rahmenbedingungen.

Davon zeugt das mit LeWitt in einen Dialog gebrachte Werk von Jane Benson und Elena Bajo, beides Künstlerinnen, die Mitte der Siebziger geboren wurden. Kostenpunkt: zwischen 8000 Euro etwa für Bajos Skulptur „The Cosmic Artisan“ und 150.000 Euro (bis 24.11.)

Intellekt und Witz sind auch in der Galerie Rob Tufnell am Ursulaplatz im Spiel. Unter den Künstlern der Gruppenschau „Lebens-Ansichten des Katers Murr nebst fragmentarischer Biographie des Kapellmeisters J. Kreisler in zufälligen Makulaturblättern“ finden sich die deutsche Konzeptkünstlerin Hanne Darboven, der englische Satiriker William Hogarth (1697 – 1764) und der britische Videokünstler Mark Leckey.

Wie man mit Angst umgeht

Bei Philipp von Rosen gastiert der Schweizer Künstler Nic Hess „Mit und ohne Bart“. Die Einladungskarte zeigt ein Selbstporträt im Waschbecken, auf dem die abgeschnittenen Haare des einst Bärtigen ein filigranes Eigenleben außerhalb seines rosig fleischfarbenen Gesichts entfalten (bis 3.11.).

Wenn es um Bücher geht, versteht der französische Künstler Raphaël Denis keinen Spaß. Er erinnert in der Galerie Kudlek mit einem stählernen Regal voller verkohlter Buch-Statthalter an historische Bücherverbrennungen und plädiert für Wachsamkeit vor einem erneuten Verlust an Menschlichkeit und Wissen (bis 20.10.).

Auch Sandro Parrotta gibt einem Künstler eine Bühne, der politisch Stellung nimmt. Der Brite Edmund Clark erhielt Zugang zu einem Haus, in dem ein Mann festgehalten wurde, der im Verdacht stand, an terroristischen Aktivitäten beteiligt zu sein. Ergebnis ist eine raumgreifende, aus Hunderten von Fotografien und Dokumenten zusammengesetzte Installation, die anschaulich macht, wie eine Gesellschaft mit der Angst nach Anschlägen umgeht (bis 10.11.).

Poetischer verklausulieren Claire Morgan (bei Karsten Greve) und Monika Sosnowska (bei Gisela Capitain) ihre Botschaften. Bei Greve ist es Morgans ebenso ästhetische wie traurig anmutende Arbeit mit Tierpräparaten, die in filigranen Faden-Konstruktionen hängt (bis 27.10.).

Gisela Capitain wartet mit jüngsten Werken von Monika Sosnowska auf. Angeregt wurden die „Urban Flowers“ von einer Reise nach Bangladesch. Wie eingefrorene Blumen aus Stein tauchten sie in der dortigen Stadtlandschaft auf. In der Galerie entstand eine Art Garten aus diesen Gebilden (bis 20.10.).

Die Künstler, die Christian Lethert und die Galerie Boisserée vorstellen, lassen ästhetische Spannungen aus dem Ungegenständlichen erwachsen: Lethert mit den postminimalistischen Skulpturen der in Bangladesh geborenen Britin Rana Begum (Jg. 1977) und den monochromen Farbtafeln von Winston Roeth, Boisserée mit den Früchten von Sean Scullys leidenschaftlicher Auseinandersetzung mit der Radierung. Im Studio werden Fotofreunde mit detailgesättigten Kuba-Aufnahmen von José Maria Mellado ausgebreitet (alle bis 27.10.).

Das Angebot der 31 teilnehmenden Kölner Galerien lässt – auch in Sachen Internationalität – keine Wünsche offen. Kaum vorstellbar, dass dieses ambitionierte Stück Kulturarbeit einmal nicht mehr da sein könnte und das Geschäft mit der Kunst zu einer auf Effizienz gebürsteten Angelegenheit wird.

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