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Deutsche Bildhauer in London Minimalismus und Industrieproduktion

Der eine lässt Seifenblasen aus Stahlrohlingen wachsen, der andere konfrontiert organisches Material mit einem von Menschenhand unberührten Purismus. In London sind deutsche Bildhauer zu entdecken, die auch in Deutschland mehr Beachtung verdient hätten.  
21.07.2015 - 17:40 Uhr Kommentieren
Die Skulptur
Halb Hochaltar, halb Umkleidekabine

Die Skulptur "Prop 2" von Andreas Schmitten bei Blain/Southern. Quelle: Blain/Southern, Foto: Peter Mallet

London Der britische Bildhauer Tony Cragg hat Düsseldorfer Kunst nach London gebracht. Als einer, der seit den siebziger Jahren in Deutschland lebt, kann der ehemalige Professor der Düsseldorfer Kunstakademie und Begründer des Wuppertaler Skulpturenparks Waldfrieden als Wahldeutscher gelten. In einer von ihm kuratierten Sommerschau im Londoner Headquarter der Galerie Blain/Southern präsentiert er nun drei deutsche Künstler, die alle ihren Abschluss in der Düsseldorfer Kunstakademie gemacht haben. Es ist eine Art von Austauschauktion für die große Ausstellung des britischen Bildhauers Lynn Chadwick, die Craggs Stiftung  in Waldfrieden zeigt. Blain/Southern hat mit der Übernahme des Chadwick-Nachlasses eine globale Vermarktungsoffensive begonnen.

Die deutschen Künstler verdienen Cragg zufolge mehr Aufmerksamkeit, als sie zur Zeit in Deutschland haben. Es sind, in der Reihe ihres Alters, Gereon Lepper (geb 1956), Mathias Lanfer (geb. 1961) und, eine Generation jünger,  Andreas Schmitten (geb 1980).

Plastikformen wie Seifenblasen

Lanfer, der einzige, der bei Cragg selbst in die Schule ging,  ist der plastischste der drei und steht Cragg geistig wohl am nächsten. Er zeigt drei kontrastreiche Sockelskulpturen. Unförmige, unpolierte Stahlrohlinge, die in einem Schrotthaufen gefunden sein könnten, halten perfekte Plastikformen aus weißlichem PMMA, einer Art Acrylglas. Wie Seifenblasen wachsen sie, in einem organischen Prozess geblasen, aus Metallrahmen heraus. Organisches und Technisches, Leichtigkeit und Gewicht, Wachstum und Mechanik, Luft und Schwerkraft verbinden sich in diesen schönen, stimmigen, wehmütig an Art Déco-Leuchten erinnernden Skulpturen zu einem stimmigen Dialog (10.000 oder 12.500 Pfund) 

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    Andreas Schmitten:
    Relief mit bayerischem Element

    Andreas Schmitten: "Charade", 2015. Quelle: BlainSouthern, Foto: Peter Mallet

    Andreas Schmitten, der jüngste, kombiniert Stoffe und Plastikformen. Seine auf Glanz polierten Wandkästen erinnern an Damien Hirst, in ihnen stehen nebeneinander Stoffrollen, die Farb- und Texturkontraste schaffen wie Anselm Reyle Streifenbilder, die in die dritte Dimension fortschreiten - auch ein bayerischer Nationalfahnenstoff ist zu entdecken. Auch Schmitten akzentuiert diese Stofflächen mit industriell gefertigten Plastikformen. Das Können der deutschen  Mittelstandsindustrie hält Einzg in die deutsche Kunst und konfrontiert organisches Material mit einem von Menschenhand unberührten Purismus. Das ehrgeizigste Werk, die Installation „Prop No.2“ besteht aus einem halbrunden Paravent aus gefaltetem Stoff, der eine starre Plastikform wie eine Gottheit schützend umgibt, halb Hochaltarm halb Umkleidekabine (80.000 Pfund)

    Oppositionelle Kräfte

    Von Gereon Lepper, dem ältesten, werden zwei Arbeiten aus den frühen neunziger Jahren gezeigt. Sie gehen hinter die Form- und Designobsession der jüngeren Plastiker zurück und suchen nach metaphysischer Bedeutung und höherem Sinn. Star der ganzen Schau ist „Der Apparat fast unbewegt“, eine Art überdimensionierter Go-Kart, den zwei starke Ventilatoren oder Propeller in Bewegung setzen würden, wären sie nicht so oppositionell montiert, dass sie sich die Energie gegenseitig aufhebt. Das Gerät wird alle acht Minuten mit riesigem Windgetöse angeworfen und kostet als teuerste Arbeit 90.000 Pfund.

    Pius Fox in der Galerie Heide
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