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Deutscher Kunsthandel Zu viele Galerien machen zu wenig Umsatz

Deutsche Galeristen bitten in der Coronakrise um einen Hilfsfonds und bessere Rahmenbedingungen. Jetzt kommt aus dem Kulturministerium lang ersehnte Hilfe.
01.10.2020 Update: 01.10.2020 - 20:33 Uhr Kommentieren
Der Kunstpalast konnte die bereits im Haus ausgestellte Serie mit dem Sonderbudget der Stadt Düsseldorf erwerben. Vertreten wird die Künstlerin durch die VAN HORN Galerie. Quelle: VAN HORN; Foto: Henning Krause
Sabrina Fritsch „CMYK“

Der Kunstpalast konnte die bereits im Haus ausgestellte Serie mit dem Sonderbudget der Stadt Düsseldorf erwerben. Vertreten wird die Künstlerin durch die VAN HORN Galerie.

(Foto: VAN HORN; Foto: Henning Krause)

In der Coronakrise flossen bereits Milliarden, um in Schieflage geratene Museen, kulturelle Einrichtungen und die soloselbstständigen Künstler zu stützen. Dass auch ein Großteil der Galerien – das Bindeglied zwischen Künstlern, Museen und Sammlern – angeschlagen durch die Krise manövriert, wurde bislang übersehen.

Doch nun kommt lang ersehnte Hilfe. Ausgerechnet von der Politik, die dem Kunstmarkt mit immer neuen Gesetzen und Auflagen das Leben schwer macht. Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) zweigt 16 Millionen Euro aus ihrem Programm „Neustart Kultur“ für Kosten ab, die den Galerien im Zusammenhang mit Ausstellungs- und Onlinepräsentationen entstehen.

Maximal 35.000 Euro können deutsche Galerien beantragen, wenn sie mindestens drei Jahre alt sind und regelmäßig Ausstellungen veranstalten. „Galeristen sind unverzichtbare Scouts. Sie entdecken Talente, betreuen sie oft ein Künstlerleben lang und sorgen mit Ausstellungen, Katalogen und Messepräsentationen für deren Auskommen.“ Diese Leistung möchte sie unterstützen und dazu beitragen, den für Kultur und Wirtschaft so wichtigen Kunstmarkt in Deutschland zu stabilisieren, begründet Grütters die willkommene, aber überraschende Kehrtwende.

Der Kunsthandel mag es kaum glauben. Gerade hatte er noch irritiert zur Kenntnis nehmen müssen, dass der kürzlich um 2,5 auf drei Millionen Euro erhöhte Ankaufsetat der Bundeskunstsammlung gezielt auch zum Einkauf direkt bei den Künstlern genutzt werden soll. Will die Kulturministerin hier etwas wiedergutmachen?

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    Grütters versucht es zumindest und betritt damit Neuland. „Eine solche Art der Förderung hat es in der Geschichte der Bundesrepublik noch nie gegeben“, kommentierte der Düsseldorfer Galerist Rupert Pfab.

    Die 1998 entstandene Fotoarbeit wurde von der Galerie Beck & Eggeling an den Kunstpalast in Düsseldorf verkauft. Quelle: Beck & Eggeling; VG-Bild-Kunst, Bonn 2020
    Thomas Wrede „Bermudadreieck, Bottrop-Kirchhellen“

    Die 1998 entstandene Fotoarbeit wurde von der Galerie Beck & Eggeling an den Kunstpalast in Düsseldorf verkauft.

    (Foto: Beck & Eggeling; VG-Bild-Kunst, Bonn 2020)

    Der Zeitung „Welt“ gegenüber verriet Grütters, sie unterstütze „jetzt endlich ihr geliebtes ‚Gewerk’“ wie sie den Kunsthandel nennt. Die Regierung würde so die Galerien würdigen, die bisher viel zu sehr auf den kommerziellen Aspekt ihrer Arbeit reduziert worden seien. Mit dem Hilfsprogramm würde ihre großartige Leistung, die sie mit Kunstentdeckungen, Ausstellungen, Publikationen und als lebendige Kulturorte für die gesamte Gesellschaft erbringen, in den Mittelpunkt gerückt.

    Wie notwendig das ist, signalisieren auch die ersten Ergebnisse einer Studie zur aktuellen Situation der Galerien. Vorgelegt hat sie das Institut für Strategieentwicklung (IFSE) in Kooperation mit dem Bundesverband Deutscher Galerien und Kunsthändler (BVDG). Mehr als 40 Prozent Verlust erwarten deutsche Galerien für 2020. Manche befürchten sogar einen vollständigen Zusammenbruch ihres Geschäfts. Ausgewertet wurden 237 von mehr als 450 angeschriebenen Galerien. Insgesamt gibt es in Deutschland etwa 700 professionelle Galerien.

    Sorge um umsatzschwache Galerien

    Claire McAndrew kann in ihrer für die Art Basel und die UBS erstellten Zwischenbilanz zum ersten Halbjahr bereits mit konkreten Zahlen für den internationalen Galeriemarkt aufwarten. Demnach setzten die 795 Galerien für moderne und zeitgenössische Kunst, die nach den Auswirkungen von Covid-19 befragt wurden, im ersten Halbjahr durchschnittlich 36 Prozent weniger um.

    Noch hat in Deutschland nur eine Handvoll Galerien in direktem Zusammenhang mit der Pandemie schließen müssen. Sorgen bereiten jedoch die strukturellen Probleme insbesondere der vielen umsatzschwächeren Galerien. 60 Prozent liegen laut der ‧IFSE-Studie unter Einnahmen von 400.000 Euro. Wobei davon natürlich noch die Umsatzsteuer, der Kommissionsanteil an den Künstler, die Künstlersozialabgabe und die Aufwendungen für Ausstellungen, Publicity und Messeteilnahmen abzuziehen sind.

    Die Installation
    Ulrike Möschel

    Die Installation "o.T. (schwarze Tür)" von 2008 hat das Glasmuseum Hentrich im Museum Kunstpalast Düsseldorf soeben erworben. Zu sehen ist eine Ausstellungsansicht aus dem Kunstpalast von 2008.

    (Foto: Galerie Rupert Pfab; VG Bild-Kunst, Bonn, Foto: Kathrin Ahlt )

    „Prekäre Umsätze und im Verhältnis dazu die hohen Aufwendungen führen am Ende dazu, dass keine oder nicht genug Rücklagen und Investitionsguthaben gebildet wurden“, erläutert Silvia Zörner vom BVDG die Hintergründe für Schließungen. Da hat so mancher Betreiber keine Lust mehr, auf dem schmalen Grat des gerade so Auskömmlichen weiterzumachen.

    Wie angespannt die Lage ist, zeigen die folgenden Zahlen: Das Mittel der Umsätze, der sogenannte „Median“, liegt laut der IFSE-Studie bei nur 250.000 Euro. Das heißt, 50 Prozent der Galerien liegen darüber, zum Teil deutlich, 50 Prozent darunter. Nur etwa 17 Prozent der befragten Unternehmen – das sind mehr als 100 Galerien – erzielen 80 Prozent des gesamten Jahresumsatzes deutscher Galerien.

    Hilfsfonds für Ankäufe

    Eine Lanze müsste demzufolge für jene kleinen bis mittelständischen Unternehmen gebrochen werden. Sie entdecken die Talente, bauen sie jahrelang auf und vermitteln sie in Ausstellungen und Sammlungen. Dass auch sie eine ganze Phalanx von „Zulieferern“ und Dienstleistern miternähren, erläutert die Düsseldorfer Galeristin Daniela Steinfeld von der Galerie Van Horn: Transportunternehmer, Versicherer, Rahmenbauer, Restauratoren, Designer, Programmierer, Drucker und Fotografen sind für sie im Einsatz.

    Steinfeld war es, die im April gemeinsam mit Rupert Pfab einen zweiseitigen Brandbrief an das Land Nordrhein-Westfalen schickte. Auf ein Gespräch warteten sie indes vergebens. Dringend hatten sie um Stützungskäufe gebeten und angeregt, einen Hilfsfonds für Ankäufe durch die öffentliche Hand aufzulegen.

    „Enttäuschend und unverständlich“ findet Pfab das Schweigen angesichts der Tatsache, dass in NRW höchst angesehene Kunsthochschulen, Weltklassekünstler und -museen zu Hause sind. Anders die Stadt Düsseldorf. 220.000 Euro stellte sie im August für den Ankauf von Werken für ihre städtischen Kunstsammlungen aus dem Etat bereit.

    17 Galerien profitierten. „Die Stadt hat sich hier als Kunststadt begriffen und die wichtige Rolle der Galerien für die Kunst- und Stadtgesellschaft verstanden. Beim Land NRW hingegen fehlt es bislang noch an Erkenntnis“, resümierte Pfab.

    „Begrüßenswert“ findet Pfab die Initiativen der Bundeskulturministerin. Nachhaltiger aber fände er es, wenn Monika Grütters die 16 Millionen Euro für Ankäufe freigeben würde.

    Gabe mit Gegenwert

    „Wir geben etwas zurück, und der Staat hätte etwas davon. Die Museen könnten ihre Sammlungslücken schließen, die Galerien machten Umsätze, und die Öffentlichkeit würde die von den Museen erworbene Kunst auch sehen“, argumentiert der Galerist. Außerdem sollte die Staatsministerin ihren Einfluss im Kabinett geltend machen, die Mehrwertsteuer von 19 wieder auf sieben Prozent zu senken. Nur damit werden die deutschen Galerien im europäischen Vergleich wieder wettbewerbsfähig.

    Unterdessen sind Pfab, Steinfeld und weitere nordrhein-westfälische Galeristen dabei, sich zusammenzuschließen, um im Herbst noch einmal mit Nachdruck einen Vorstoß beim Land NRW zu unternehmen. Wenn Kunst und Kultur sichtbar und „wieder erlebbar“ werden sollen, so, wie es der Kulturstärkungsfonds den nordrhein-westfälischen Einrichtungen verspricht, dann dürften Galerien, die mit durchschnittlich sechs Ausstellungen jährlich maßgeblich Mitwirkende in dieser Kulturlandschaft sind, nicht ignoriert werden.

    Die Rolle der Stiftung Kunstfonds

    Wie erst nach Redaktionsschluss bekannt wurde, hat das Bundeskulturministerium die Stiftung Kunstfonds mit der Verteilung der 16-Millionen-Gabe beauftragt. Über die Vergabe soll nach Auskunft von Karin Lingl, Geschäftsführerin der Stiftung, eine zwölfköpfige Jury entscheiden.

    Ideal wäre sicher ein paritätisch aus allen Fachbereichen des Kunstschaffens besetztes Auswahlgremium. Doch laut Lingl wird die Jury mit einer Künstlermajorität ausgestattet – so wie es die Satzung des Kunstfonds für alle entscheidenden Gremien des Kunstfonds vorsieht. Deshalb werden sieben Künstler und fünf weitere Kulturschaffende jurieren, etwa aus dem Museumsfach und der Kritik. Auch der Handel soll dabei sein, vorausgesetzt er hat nicht selbst einen Antrag gestellt. Galerien können sich für die Förderung bis zum 31. Oktober 2020 bewerben.

    Mehr: Steuerpolitik: Hohe Mehrwertsteuer wird deutschen Galeristen zum Nachteil

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