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Diandra Donecker Eine 30-Jährige ist die neue Chefin im Auktionshaus Grisebach

Verbindlich, natürlich, selbstbewusst: Diese Eigenschaften zeichnen die Nachfolgerin von Florian Illies im Auktionshaus Grisebach aus.
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Diandra Donecker ist die neue Chefin im Auktionshaus Grisebach Quelle: Villa Grisebach
Steile Karriere

Diandra Donecker ist Partnerin und Mitgeschäftsführerin bei Grisebach.

(Foto: Villa Grisebach)

BerlinSteil ist ihre berufliche Karriere verlaufen. Diandra Donecker war mit Ende 20 bereits Leiterin der Abteilung Fotografie beim Berliner Auktionshaus Grisebach. Nun, mit 30, ist Donecker noch eine Stufe weiter nach oben gerückt.

Als Nachfolgerin des zum Rowohlt-Verlag gewechselten Florian Illies ist sie seit Jahresbeginn Sprecherin der vierköpfigen Grisebach-Geschäftsführung. In einem Alter, in dem andere noch im Modus Praktikum verharren, trägt die junge Frau mit dem lässig hochgesteckten Haar bereits Verantwortung für ein 1986 gegründetes Auktionshaus mit 60 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von rund 52 Millionen Euro.

Diandra Donecker ist überragend, nicht wegen ihrer Körpergröße von eins einundachtzig. Heraus sticht vielmehr, wie sie ihr Magisterstudium mit einer ganzen Serie von handverlesenen Gastaufenthalten zu kombinieren wusste.

Immer an Topadressen: im Metropolitan Museum New York, im British Museum und bei Katrin Bellinger, deren Kunsthandlung für museale Zeichnungen von den Räumen Konrad Bernheimers aus agierte Erfahrungen im Auktionswesen schließlich sammelte die Kunsthistorikerin zuerst bei Karl & Faber und später bei Christie’s.

Grisebach-Gründer Bernd Schultz dürfte überrascht und enttäuscht gewesen sein, als Mitgeschäftsführer und Sprecher Florian Illies das Auktionshaus 2018 verließ, um die Leitung des Rowohlt Verlags zu übernehmen. Statt nun einen anderen Endvierziger zu suchen, wagt der 77-Jährige Schultz einen radikalen Schritt. Er beruft die hauseigene Fotografie-Expertin und überspringt damit fast eine Generation.

„Donecker ist eine Erscheinung. Sie hat Persönlichkeit“, sagt Rupert Keim. In seinem Haus bei Karl & Faber war sie laut seiner Auskunft die beste Praktikantin, die je angeheuert hatte. Ihre Natürlichkeit, ihre Liebe zu Kunst, Job und Leben spürt tatsächlich ganz unmittelbar, wer das Gespräch mit Donecker sucht.

In ihrem Büro in der Villa Grisebach strahlen die Wände in Weiß, noch fehlt die Kunst. Denn die Akquise für die Maiauktionen steht erst am Anfang. Ohne Attitüde erzählt die charmante Geschäftsführerin, dass sie zwar nicht aus Deutschlands größter Sammlerfamilie stamme. Aber dass es in ihrer Familie Künstlerinnen, Künstler und Kunsthistoriker gebe. Dass selbst der Vater, der in der Wirtschaft arbeite, Fotografie studiert habe.

Die gebürtige Frankfurterin trägt unauffälligen Schmuck, kein Make-up, nur orangeroten Nagellack zum lang schwingenden blauen Kleid. Sie spricht druckreif über die Beziehungen zu ihren Mentoren, die sie in den zahlreichen Praktika aufbauen konnte: „Mit diesen Experten bin ich heute noch in Kontakt.“

Die Kunsthändlerin ruht ganz in sich, lässt sich von einem falschen Namen oder fehlendem Wissen beim Kunden nicht irritieren. Was sie gut kann und fortgesetzt tut, ist, Menschen für Kunst zu begeistern. Nicht akademisch trocken, sondern lebendig und ganz frei.

Ihr Ziel ist das gute Gespräch, gern auch über das Lieblingsbuch des potenziellen Verkäufers, das beide das Geschäftliche einen Moment vergessen lässt. Sie versteht es, sich einzufühlen, und weiß, dass die finanzielle Transaktion auch eine emotionale Seite hat.

Diandra Donecker sieht sich selbst eher als Arbeiterin denn als Wissenschaftlerin: „Ich liebe Organisation, Strukturieren, strategisches Denken und hänge auch gerne mal selbst Bilder auf.“ Schon im Praktikum bei Martin Graessle, damals Direktor der Kunsthandlung Katrin Bellinger, fand sie Gefallen am Handeln. „Eine Arbeit hat einen wissenschaftlichen und einen gesellschaftlichen Wert, Stichwort kulturelles Gedächtnis, aber sie hat auch einen Marktwert. Das fand ich nie despektierlich. Sondern sogar gut für die Vermittlung. Denn es gibt einen Unterschied zwischen der hervorragenden Qualität und der etwas schwächeren.“

Was hat die Studentin 2014 als Volontärin im Metropolitan Museum gelernt, was ihr heute noch nützt? „Als Inspiration habe ich mitgenommen, dass dort intensiv Networking und Teamgeist gepflegt werden. Einen Förderer oder Sammler trifft man hier auf einen Kaffee oder dort bei einem Empfang. Es geht um mehr als das Geschäft. Es geht um konstante Kommunikation, auch nach Büroschluss.“

Freundliche Gesten

Grisebach-Kunden dankt sie mit einem Lunch für eine großartige Einlieferung. Anderen schreibt sie Briefe oder Karten, „weil es etwas anderes ist, die Handschrift zu sehen, als die E-Mail zu lesen“.
Diandra Donecker ist zu klug, um sich nach vier Wochen mit einer eigenen Programmatik herauszuwagen aus dem Schatten ihres Vorgängers.

Ihre Replik ist typisch: „Es ist zunächst nicht mein Ansatz, zu fragen, was kann ich ändern? Sondern: Wo kann ich Gutes schärfen?“ Sind diese Schärfungen vorgenommen, könne man im nächsten Schritt Neues implementieren.
So wie Donecker die Kunst liebt, so verehrt sie auch den vor Ideen sprühenden Grisebach-Patriarchen. Gründer Bernd Schultz wird in Berlin gern „Regierender Bürger“ genannt, weil er als bestens vernetzter Kulturbürger so manches Versäumnis der Politik hat ausgleichen können.

Das junge Gesicht bei Grisebach soll natürlich auch die jüngere Generation an das Haus binden. Aber wie spricht man Menschen in der Firmen- und Familiengründungsphase an? „Das Erste ist der angstfreie Zugang. Denn der Einstieg beginnt nicht mit 100.000, sondern mit wenigen Hundert Euro.“ Wichtig sind ihr da die Veranstaltungen des Salons mit Künstlergesprächen und die Ausstellungen nebenan in der ebenerdigen Fasanenstraße 27. Dort treffen etwa Farbabstraktionen von Georg Karl Pfahler auf Kleider und Taschen der venezianischen Modemarke Roberta di Camerino.

Das Aktionshaus hat eine neue Chefin. Quelle: Villa Griesebach
Villa Griesebach

Das Aktionshaus hat eine neue Chefin.

(Foto: Villa Griesebach)

Donecker: „Wir begreifen uns als Treffpunkt, als Wohnzimmer für Berlin auch für diejenigen, die erst mal gar nicht kaufen, sondern sich nur informieren möchten mit unseren anspruchsvollen Katalogen.“ In den „Third-Floor-Katalogen“ finde der Einsteiger Kunst zu Preisen zwischen 300 und 3 000 Euro.“

„Im Wohnzimmer“ komme er leicht mit Expertin Friederike Valentien ins Gespräch. Bei einem Glas Wasser erfährt der Einsteiger beispielsweise, was das Besondere ist an einem schrillfarbigen Streifenbild von Günter Fruhtrunk. „Wenn ein potenzieller Kunde mit einem meiner Kollegen spricht, vermittelt sich viel Herzblut und Leidenschaft“, sagt Donecker, „der Zuhörer schmilzt dahin bei so viel Kenntnis und Kulturgeschichte.“

Viel Zuneigung bringt Diandra Donecker der Fotografie entgegen. Dass sie nicht selbst versteigert, liege nur daran, dass sie die Abteilung nicht gleichzeitig leiten, die Hoffnungen des Einlieferers kennen und dann noch kühlen Kopfes versteigern könne. Das würde sie emotional überfordern.

Bei der Frage zu ihrer Einschätzung der Lage des Kunstmarktes in Deutschland äußert sie sich verhalten kritisch: „Er hat die letzten sieben Jahre eine Wachstumsphase erlebt.“ Doch die hohe Mehrwertsteuer, das Folgerecht und das Kulturgutschutzgesetz erlebt sie „wie ein zu eng geschürtes Korsett“.

Der Deutsche Kunstauktionsmarkt hat am europäischen Auktionsmarkt 2018 bisher lediglich einen Anteil von vier Prozent. „Und gleichzeitig sind wir ein ökonomisch potentes Land, und wir haben die vielen weltweit erfolgreichen Künstler, Akademien und Kunstvereine.“

Für die negativen Auswirkungen des Kulturgutschutzgesetzes auf den Markt hat sie Beispiele aus eigener Erfahrung: „Wir haben leider schon einige Einlieferungen ablehnen müssen, weil die Eigentümer die jetzt vorgeschriebenen Ausfuhrgenehmigungen aus dem ursprünglichen Herkunftsland nicht vorlegen können.“

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