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Digitaler Kunstmarkt Social Media für Kunstliebhaber: Die Vorteile der neuen App „Archie’s Nose“

Die bekannten Sammler Mario von Kelterborn und Ivo Wessel haben eine Applikation entwickelt. Damit lässt sich eine Sammlung managen und eine Probehängung testen.
20.08.2020 - 16:33 Uhr Kommentieren
Mit einer neuen App lässt sich Kunst verkaufen oder die eigene Sammlung managen. Quelle: Unsplash/Patrick Tomasso
Kunst auf dem Smartphone

Mit einer neuen App lässt sich Kunst verkaufen oder die eigene Sammlung managen.

(Foto: Unsplash/Patrick Tomasso)

Düsseldorf Was hat der Dackel von Andy Warhol mit Videokunst zu tun? Archie hieß er, und sein weltberühmtes Herrchen meinte, er hätte die beste Spürnase für Meisterwerke gehabt. Das gefiel zwei Spürnasen aus Deutschland, die selbst mit Leidenschaft Medienkunst sammeln und gerade einen Namen für ihre neu entwickelte App suchten: der in Frankfurt lebende Unternehmensgründer Mario von Kelterborn und der Berliner Software-Entwickler Ivo Wessel.

„Archie’s Nose“ tauften die beiden Kunstfreunde ihre Applikation, die in der Art eines sozialen Netzwerks Kunst und Freunde zusammenbringen soll. „Wir wollten nicht die einmillionste App oder Website sein, die mit dem Wort ‚art’ beginnt“, erklärt von Kelterborn die unkonventionelle Namensidee. Marktführer „Artsy“ verkauft Kunst, „Independent Collectors“ vernetzt nur Sammler.

Bei „Archie’s Nose“ treffen sich Künstler, Galeristen, Sammler, Kuratoren und Enthusiasten und geben sich gegenseitig Empfehlungen.

Unter den Städten, die im Herbst das kurze zweite Halbjahr mit gemeinsamen Eröffnungen im September einläuten, ist auch die Mainmetropole. Hier findet von 3. bis 6. September die „Frankfurt Art Experience“ statt. An diesem ersten Kunsthöhepunkt geht die neue App auf Sendung.

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    „Ein Netzwerk ist wichtig“, findet von Kelterborn. „Das gibt es so bisher nicht.“ Hinzu komme, dass die Kunst nicht annähernd da ist, wo sie gesellschaftlich hingehört. „Obwohl global die Menschen reicher werden, steigen die Käufe von Gegenwartkunst seit Jahren nicht mehr an“, beobachtet der Sammler. Sehr viele Galerien würden am wirtschaftlichen Minimum operieren und darunter.

    „Ich will aber nicht glauben, dass Menschen uninteressierter werden“, ist der ehemalige Berater für Finanzprodukte überzeugt. „Es liegt, denke ich, an der Vermittlungsarbeit.“ Da müsse viel mehr getan werden, und zwar gezielt. „Archie’s Nose löst dieses Dilemma“, versprechen die App-Entwickler selbstbewusst.

    Die Applikation kombiniert das Potenzial eines Social Network mit einem persönlichen digitalen Assistenten. Der kann nicht nur den Sammlungsbestand diskret managen. Da alle Inhalte mit Schlagworten versehen sind, kann sie der Nutzer auch noch nach Jahren binnen Sekunden abrufen. Wie eine Art lebenslanges Tagebuch für die Kunsterlebnisse. Damit ist die App nach Auffassung von Kelterborn auch Facebook und Instagram überlegen, wo man nur nach Usern suchen kann.

    „Archie's Nose“ startet zum Frankfurter Galerienwochenende. Informationen zu dort präsentierten Künstlern lassen sich per QR-Code abrufen und auch später noch einsehen. Quelle: M.v. Kelterborn/Ivo Wessel
    Die neue App

    „Archie's Nose“ startet zum Frankfurter Galerienwochenende. Informationen zu dort präsentierten Künstlern lassen sich per QR-Code abrufen und auch später noch einsehen.

    (Foto: M.v. Kelterborn/Ivo Wessel)

    Zweieinhalb Jahre Arbeit und ein sechsstelliger Geldbetrag stecken in der Entwicklung. Verständlich, dass die beiden App-Erfinder mit „Archie’s Nose“ auch Geld verdienen wollen. Deshalb soll sie nicht nur, wie anfänglich angedacht, Plattform für den Austausch von Enthusiasten sein. Sie will auch das Kaufen und Verkaufen von Kunst unterstützen. Etwa indem sie mit der Funktion „Simulate Artwork“ eine Test-Hängung von Werken ermöglicht, die für einen Kauf in Frage kommen. Oder indem sie das Auktionshaus, den Versicherer oder die Biennale sichtbar macht.

    Oder indem Galerien über einen QR-Code im Schaufenster oder in Veröffentlichungen – wie jetzt zum Saisonstart in Frankfurt – Werkinfos und Preisliste der aktuellen Ausstellung zur Verfügung stellen. Für Kelterborn ist das von großem Vorteil. „Selbst diejenigen Kunstliebhaber, die erst einmal nichts kaufen, können sich das später noch einmal ansehen.“

    Weitgehend kostenlos

    Auf sehr lange Sicht soll der Zugang zu „Archie’s Nose“ kostenlos sein. Von kommerziellen Marktteilnehmern wird jedoch, je nach Größe des Unternehmens, ein Entgelt verlangt. Für Galerien liegen die Kosten im Hunderter-Bereich. Teurer wird es für internationale Unternehmen und Großgalerien, die unabhängig vom Aufenthaltsort des Users repräsentiert sein wollen.

    Die neue App verwaltet auch die eigene Sammlung. Quelle: M.v. Kelterborn/Ivo Wessel
    „Archie's Nose“: Mehr als nur Freunde treffen

    Die neue App verwaltet auch die eigene Sammlung.

    (Foto: M.v. Kelterborn/Ivo Wessel)

    Im Kern wollen Wessel und von Kelterborn das Beste von Facebook, Instagram, Linkin, TripAdvisor und Evernote in einer App zusammenführen und eine echte Community aufbauen, aber ohne dass Daten verkauft werden. User sollen offen miteinander umgehen. Und zwar konzentriert und nicht ausufernd wie eigentlich alle Social Media-Plattformen, sagt von Kelterborn. „Aufmerksamkeit und Zeit sind wichtige Ressourcen. Sie sollten sinnvoll eingesetzt werden.“

    Mehr: Der Kunstmarkt ist im Umbruch

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