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David Eager Maher

Sky Garden, 2018, Öl auf Papier, 41 x 42 cm.

(Foto: Jarmuschek + Partner )

Empfehlungen für Sammler Diese neun jungen Künstler verändern den Kunstmarkt – mit ihrem Stil und ihren Preisen

Ein Galerienrundgang der besonderen Art: Unsere Autorinnen Sabine Spindler und Susanne Schreiber stellen neun viel versprechende Künstler vor, deren Preise noch erschwinglich sind.
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MünchenAnfang des neuen Jahrtausends waren Maler wie Nobert Bisky, Daniel Richter und David Schnell die jungen Aufsteiger ihrer Generation. Fast 20 Jahre später hat sich das Kunstmarktkarussell weitergedreht. Künstler wie Lisa Kränzler, Viktoria Strecker und Tobias Nink etwa haben ihre ersten Museums-Ausstellungen bestritten und werden inzwischen von arrivierten Galerien vertreten. Sie bewegen sich zwischen Tradition und Provokation, zwischen Malerischem und Digitalem, zwischen Innovation und Reflektion.

Die Auswahl zeigt, dass interessante Kunst auch jenseits von Auktionsrekorden und Millionenpreisen existiert. Wie der Markt sie in 20 Jahren bewerten wird, hängt von vielen Faktoren ab.


Jim Thorell: Tanz der Gedanken

Haevy quilted drake, 2019, Öl und Acryl auf Leinwand, 150 x 200 cm. Quelle: Galerie Setareh
Jim Thorell

Haevy quilted drake, 2019, Öl und Acryl auf Leinwand, 150 x 200 cm.

(Foto: Galerie Setareh)

Alles fließt in Jim Thorells flirrenden, dschungelartigen Gemälden. Zwischen Cyberspace, Graffiti und einer explosiven Verknüpfung abstrakter Chiffren und Zeichen bewegt sich der Stil des Schweden, der gerade zwischen Wien und Gent begeistert aufgenommen wird. Seine Bildfindungen sind wie ein Tanz der Gedanken: bewegt, assoziativ und voller Wendungen. Kleine Kabinettstücke sind das nicht. Deswegen steuert der ehemalige Schüler von Daniel Richter preislich auf die 10.000 Euro zu. Die Galerie Setareh bietet in ihrer aktuellen Ausstellungen den „Haevy quilted drake“ für 8.800 Euro an.

Viktoria Strecker: Organisch strukturiert

zip (Kopf), 2018, PLA-Filament, 45 x 60 x 30 cm. Quelle: Galerie Engelage & Lieder
Viktoria Strecker

zip (Kopf), 2018, PLA-Filament, 45 x 60 x 30 cm.

(Foto: Galerie Engelage & Lieder)

Ihre Kunst ist intuitiv, experimentell und ästhetisch eine Reise in die Sphären des Verborgenen. Viktoria Strecker zeichnet von jeher abstrakte Formen, die sie zu organisch strukturierten Gebilden verbindet. Das Innovative in ihrem Werk: Sie überträgt ihre phantasievollen Kreationen von der flachen Zeichnung mit einem 3-D-Pen in die konstruktive Räumlichkeit.

David Behning, Inhaber der Galerie „Engelage & Lieder“ bewundert die Fähigkeit der 33-jährigen Künstlerin, „jede Art von Material auf ganz natürliche, fast spielerische Art und Weise in sehr stimmige Formzusammenhänge zu bringen“. Die Preise für dreidimensionale Arbeiten liegen je nach Größe zwischen 2.400 und 9.000 Euro. Das hier abgebildete Wandobjekt kostet 3.400 Euro.

Tobias Nink: Autonome Kunstwerke

N.N., 2017, Beton, Aufl. 3 Exemplare, 57 x 13 x 13 cm. Quelle: Galerie Holtmann
Tobias Nink

N.N., 2017, Beton, Aufl. 3 Exemplare, 57 x 13 x 13 cm.

(Foto: Galerie Holtmann)

Während andere Bildhauer seiner Generation mit ihren Installationen subtil auf das Chaos in der Welt verweisen, offeriert Tobias Ninks Werk ein Tableau der Ordnung. Der ehemalige Meisterschüler von Tony Cragg, Jahrgang 1985, sucht im Konstruktiven, Rhythmischen und Ornamentalen ausrangierter Möbel sein gestalterisches Vokabular.

Fern aller früheren Funktionen entstehen autonome Kunstwerke, die uns – als Holzskulptur, in Beton oder Bronze gegossen - vertraut und fremd zugleich erscheinen. Die Galerie Heinz Holtmann, die die abgebildete Betonskulptur für 3.000 Euro anbietet, ahnte schon vor Jahren, dass Tobias Nink einen unverbrauchten Geist in die Kunst einbringt.

Anna Vogel: Graphische Elemente

Small, Pigmentprint, Unikat, 30 x 40 cm. Quelle: Anna Vogel/Galerie CONRADS
Anna Vogel

Small, Pigmentprint, Unikat, 30 x 40 cm.

(Foto: Anna Vogel/Galerie CONRADS)

Realität hat für Anna Vogel eine doppelte Ebene. Und die Fotografie ist nicht nur ein Abbild. Die einstige Meisterschülerin von Andreas Gursky bricht die glatte Oberfläche auf, verfremdet analog und digital und überlagert; sie benutzt graphische Elemente und kratzt und ritzt sogar.

Ihre Motive, wie den Minensucher im syrischen Kriegsgebiet, lädt sie im Internet herunter, kompiliert sie zum Teil mit eigenen Sequenzen und überzieht die Szenerie mit einem milchigen Lack. Drei Einzelausstellungen hat die Galerie Conrads der Düsseldorfer Künstlerin bereits gewidmet. Nicht nur, weil ihre Bilder in die Tiefe gehen, sondern weil sie das Potenzial hat, ein authentisches Werk zu schaffen. Der kleinformatige Abzug „Small“ kostet 3.500 Euro.

Hedwig Eberle: Expressive Abstraktion

Ohne Titel, 2017, Acryl und Tusche, 69,6 x 49,9 cm. Quelle: Galerie Jahn & Jahn
Hedwig Eberle

Ohne Titel, 2017, Acryl und Tusche, 69,6 x 49,9 cm.

(Foto: Galerie Jahn & Jahn)

Eine zarte Wildheit zieht sich durch das Werk von Hedwig Eberle. Die Galerie Jahn und Jahn entdeckte ihre malerische Kraft schon vor zehn Jahren. Sie zeigt sich bei aller Zurückhaltung in expansiver Farbigkeit und gestischen Ausbrüchen. Was das Werk der heute 42-Jährigen so spannend macht? In ihren Sujets sind Landschaften und Figuren in Ansätzen erkennbar, die dann aber in einer expressiven Abstraktion aufgelöst werden. Ihre großformatigen Gemälde haben mittlerweile die Preisgrenze von 10.000 Euro überschritten, eine Chance sind ihre Papierarbeiten wie die abgebildete zum Preis von 2.500 Euro.

David Eager Maher: Gewagte Allianzen

Sky Garden, 2018, Öl auf Papier, 41 x 42 cm. Quelle: Jarmuschek + Partner
David Eager Maher

Sky Garden, 2018, Öl auf Papier, 41 x 42 cm.

(Foto: Jarmuschek + Partner )

„David Eager Maher ist ein zeichnerisches Talent mit malerischen Denkvermögen“, sagt sein Galerist Kristian Jarmuschek. Und der gebürtige Dubliner versteht es bestens, in seinen surrealen, teils rätselhaften Sujets die gängige Ordnung auf idyllische Weise zu stören. Natur und Zivilisation gehen auf seinen Bildern teils gewagte Allianzen ein, deren magische Anziehungskraft nicht zu übersehen ist. Möglicherweise ein Resultat seines einjährigen Studiums an der Hochschule für Bildende Künste in Leipzig. Auf der „paper positions“, einer Spezialmesse für Arbeiten auf und aus Papier, begeisterte Jarmuschek + partner mit seinen Arbeiten. Der Preis für „Sky Garden“ beträgt 3.000 Euro.

Hell Gette: Wilder Strich

You killed Me first, Öl auf Leinwand, 2019, 120 x 90 cm. Quelle: Galerie Golestani
Hell Gette

You killed Me first, Öl auf Leinwand, 2019, 120 x 90 cm.

(Foto: Galerie Golestani)

Die 33-jährige Hell Gette stellt die Regeln für die Landschaftsmalerei neu auf. Sie mixt digitale Erfahrungen wie Handyfotografie, Videospiele und den gesamten kunsthistorischen Pool der Moderne, wenn in ihren pastos gemalten Bildern der Himmel orange, die Palmen blau und die Monster grasgrün sind. „Es sind komplexe und intelligente Bilder, in die sie dann viel hineinlegt: von collagierten Elementen, präzise angelegten Farbflächen und -verläufen bis hin zum wilden, ungestümen Strich“ , sagt ihr Galerist Roozbeh Golestani. Eine Leinwand wie „You killed Me first“ ist derzeit für 4.200 Euro zu haben.

Lisa Kränzler: Radikale Textkunst

und sie begriff, Schreibmaschinentext, Marker auf Papier, Unikat, 20 x 20 cm. Quelle: Galerie Gebr. Lehmann
Lisa Kränzler

und sie begriff, Schreibmaschinentext, Marker auf Papier, Unikat, 20 x 20 cm.

(Foto: Galerie Gebr. Lehmann)

Die Literaturszene feiert Lisa Kränzler seit ihrem Roman „Coming of Carlo“ für ihre unverwechselbare Sprachwucht. Dabei hat die 35-jährige, die sich selbst als „schreibender Maler“ bezeichnet, noch eine ganz andere künstlerische Seite. Sie benutzt Skalpell, Tesafilm, Textmarker und Lacke, um aus einem Schreibmaschinen-Text ein Bild zu imaginieren. Die Galerie Gebr. Lehmann beschreibt Lisa Kränzlers Kunst als eine faszinierende Erfahrung, wie Text und Motivik miteinander verschmelzen können. Ihre Collagen und Gemälde sind so radikal, provokant und schonungslos wie ein Akt der Offenbarung. So etwas kann man auf keiner Akademie lernen. Die kleine Papierarbeit „und sie begriff“ kostet 500 Euro, größere graphische Blätter bis 4.000 Euro.

Marc von der Hocht: Ein eigener Sound

Vega, 2018, Email-Lack auf Aluminium, 76 x 40 x 24 cm. Quelle: Galerie Semjon Contemporary/VG Bild-Kunst 2019
Marc von der Hocht

Vega, 2018, Email-Lack auf Aluminium, 76 x 40 x 24 cm.

(Foto: Galerie Semjon Contemporary/VG Bild-Kunst 2019)

Mit seinen flächigen, intensiv farbigen Abstraktionen könnte Marc von der Hocht als Nachfahre der Konstruktivisten Wassily Kandinsky und El Lissitzky aus dem frühen 20. Jahrhundert gelten. Aber, so sein Galerist Semjon Semjon: „Seine Werke haben einen eigenen Sound, man hört förmlich den rhythmischen Herzschlag unserer Zeit.“ Der Einfluss von moderner Architektur, Hochglanz-Design und der Dynamik digitaler Formelemente ist nicht zu übersehen. 2.400 Euro kostet die Installation „Vega“. Und sein Galerist ist überzeugt: „Die Kraft, die Frische, die intellektuelle Vielschichtigkeit in seinem Werk zeigen mir, dass der Künstler gerade erst einmal losgelegt hat.“

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