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Festival Bregenzer Festspiele – Zwischen Kommerz und Kultur

Mit „Carmen“ zieht das Festival am Rande des Bodensees die Massen an, „Beatrice Cenci“ dagegen ist ein politisches Signal. Die Rechnung der Intendantin geht auf.
23.07.2018 - 21:00 Uhr Kommentieren
Von den traditionsreichen Konkurrenten Bayreuth und Salzburg wird der Emporkömmling aufmerksam beobachtet. Quelle: dpa
Bregenzer Festspiele

Von den traditionsreichen Konkurrenten Bayreuth und Salzburg wird der Emporkömmling aufmerksam beobachtet.

(Foto: dpa)

Wien Vom See ins Opernhaus: In Bregenz ist das möglich. Der malerische Bodensee-Strand und die imposante Seebühne mit den überdimensionalen Händen, die Spielkarten durcheinanderwirbeln, liegen nebeneinander.

Nicht nur die einmalige Lage unterscheidet die Bregenzer Festspiele von den Konkurrenten in Salzburg und Bayreuth, sondern auch der Spagat zwischen Kommerz und Kultur.

Die weltgrößte Seebühne mit fast 9.000 Sitzplätzen muss schließlich bis 20. August gefüllt werden. Das ist kein leichtes Unterfangen in einer Stadt mit nur knapp 30.000 Einwohnern. Ballungsräume wie München, Stuttgart und Zürich liegen zudem nicht gerade um die Ecke.

Die seit 2015 amtierende Intendantin Elisabeth Sobotka setzt daher kompromisslos auf Populäres. Im zweiten Jahr wird „Carmen“, die beliebte Oper von Georges Bizet, unter freiem Himmel gegeben. Aus Budgetgründen können es sich die Bregenzer Festspiele nicht leisten, jedes Jahr eine neue Oper zu inszenieren.

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    Das Wetter ist der große Unsicherheitsfaktor

    „Carmen“ funktioniert: „Wir haben bereits 95 Prozent der Tickets auf der Seebühne verkauft“, freut sich eine Sprecherin. Insgesamt sollen in dieser Saison 210.000 Eintrittskarten allein für „Carmen“ abgesetzt werden, sofern das unkalkulierbare Wetter im alpinen Vorarlberg keinen Strich durch die Rechnung macht.

    Bereits im vergangenen Jahr ging die Rechnung von Sobotka auf, die sich einst als Grazer Opernchefin einen Namen in der Fachwelt gemacht hat. Die Auslastung 2017 lag nach Angaben der Festspiele bei fast 100 Prozent. Allein zu „Carmen“ strömten 199.000 Besucher. Mit insgesamt 262.000 Gästen erzielten die 1946 gegründeten Bregenzer Festspiele das zweitbeste Ergebnis ihrer Geschichte.

    Zum Vergleich: Die Salzburger Festspiele wollen in dieser Saison 224.000 Tickets verkaufen.

    In Salzburg und Bayreuth wird der Emporkömmling Bregenz aufmerksam beobachtet. Die beiden Traditionsfestivals, die von ihrem Gründungsmythos und ihrem großzügigen Budget zehren, blicken stets ein wenig von oben herab auf die Volksoper am Bodensee.

    Die Salzburger Festspiele haben mit knapp 61 Millionen Euro fast dreimal so viel Geld zur Verfügung wie Bregenz. Doch das Festival im Dreiländereck Österreich–Deutschland–Schweiz holt künstlerisch durchaus auf.

    Denn Bregenz bringt in diesem Jahr die vergessene Oper „Beatrice Cenci“ des deutschen Exilanten Berthold Goldschmidt im Festspielhaus zur Aufführung.

    Der Hamburger Komponist, der 1935 vor den Nazis nach England floh, schrieb ein bislang sehr selten aufgeführtes Werk über eine römische Adelige, die als 22-Jährige wegen des von ihr angestifteten Mordes an ihrem Vater Francesco Cenci hingerichtet wurde.

    Der aus dem schwäbischen Rottweil stammende Regisseur Johannes Erath inszeniert die 1949 entstandene und erst 1988 konzertant aufgeführte Oper über Machtmissbrauch, Skrupellosigkeit und Brutalität in gewaltigen, ausdrucksstarken Bildern, die von der Israelin Gal James als imposante Beatrice Cenci noch verstärkt werden.

    „Es geht darum, in einer Welt, die korrupt zu sein scheint, Werte wie Menschenwürde, Zivilcourage und Respekt hochzuhalten, um unsere Menschlichkeit nicht zu verlieren. Es geht um Selbstjustiz, wenn man das Gefühl hat, dass keine Gerechtigkeit mehr existiert, und um die Frage, ob Todesstrafe erlaubt ist“, sagte Erath der österreichischen Nachrichtenagentur APA.

    Bei der Premiere wurde der Regisseur samt Ensemble, Chor und Wiener Symphonikern mit tosendem Applaus belohnt. Die Auswahl einer Oper eines vergessenen politischen Flüchtlings aus Deutschland ist ein nicht zu übersehender Fingerzeig an die rechtskonservative Regierung in Österreich.

    Von ihren Kritikern wird der Rechtskoalition in Wien aufgrund ihrer umstrittenen Migrations- und Sozialpolitik eine Verrohung der Gesellschaft vorgeworfen. „Beatrice Cenci“ erscheint daher manchem Gast wie eine Parabel auf ein zukünftiges System, in dem Anstand, Humanität und Menschenwürde unter die Räder kommen könnten.

    Österreichs Kanzler Sebastian Kurz macht um Bregenz einen großen Bogen. Europas jüngster Regierungschef zieht den Auftritt bei der Konkurrenz in Salzburg vor. Am Rande der Festspiele trifft er am kommenden Freitag die britische Premierministerin Theresa May und den tschechischen Ministerpräsident und Milliardär Andrej Babis.

    Eine klare Ansage des Präsidenten

    Die Regierung in Österreich versucht nach einem guten halben Jahr an der Macht, mehr Einfluss auf Kultur und Medien auszuüben. Davor warnte Österreichs Bundespräsident Alexander Van der Bellen bei der Eröffnung der Bregenzer Festspiele. „Die Gesellschaft schlechthin muss es aushalten, dass Kunst frei ist“, sagte der frühere Grünen-Chef. Das war eine klare Ansage an die eigene Regierung.

    Der Spagat zwischen Kommerz und Kultur scheint den Bregenzer Festspielen zu gelingen. Für 2019 hat Intendantin Elisabeth Sobotka bereits wirtschaftlich vorgebaut. Auf der Seebühne wird „Rigoletto“ von Giuseppe Verdi zu sehen sein. Die Oper ist seit ihrer Uraufführung vor über 160 Jahren ein Publikumsmagnet und damit ein sicherer Umsatzbringer für das Festival.

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