Lewis Hamilton

Der Rennfahrer als Model für seine Tommy x Lewis Kampagne.

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Formel-1-Pilot im Interview „Mode ist Energie“ – Rennfahrer Lewis Hamilton über sein zweites Leben als Stil-Ikone

Der Formel-1-Rennfahrer über sein Faible für Fashion und hässliche Schuluniformen, das frühe Vorbild seiner Mutter und Outfit-Tipps für echte Kerle.
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Sein Job besteht eigentlich darin, mit einem sehr schnellen Auto regelmäßig im Kreis zu fahren. So begann Lewis Hamilton seine erste Karriere, die ihn mittlerweile zu vier Weltmeistertiteln in der Formel 1 und zu einem Jahresgehalt von geschätzt 40 Millionen Pfund führte. Aber auch wenn er zuletzt bei Mercedes seinen Vertrag verlängert hat – der 33-jährige Brite bereitet schon sein nächstes Leben vor. Und darüber spricht er im Zweifel weit lieber als über Fahrfehler oder Konkurrenten wie Sebastian Vettel.

Mister Hamilton, woran erkennt man Ihre Handschrift in der ersten Modekollektion, die bei Tommy Hilfiger dieser Tage unter Ihrem Namen erscheint?
Am Logo natürlich. Das Logo ist quasi das Aushängeschild. Es ist auffällig. Und ich hoffe natürlich, dass es auch cool und kühn wirkt. So jedenfalls ist mein eigenes Empfinden für Mode, eine echte Mischung aus Tommys Mode-DNA und etwas völlig Neuem. Es soll sich komplett abheben, eine eigenständige Linie eben. Das ist mir wichtig.

Was bedeutet Tommy Hilfiger für Sie überhaupt in puncto Unternehmertum, Schnelligkeit oder Instinkt?
Wenn es um Tommy geht, denke ich persönlich vor allem an Familie. Tommy ist über viele Jahre eine Stil-Ikone geworden – und geblieben. Seine Marke ist sportlich, jung und mutig zugleich.

Warum ziehen sich Männer noch immer so langweilig an – verglichen mit den Frauen, die doch deutlich mehr Spaß an Mode und Farben zu haben scheinen.
Ich wage mal, es so zu formulieren: Frauen sind da einfach selbstbewusster. Vielleicht haben sie auch einfach mehr Wahlmöglichkeiten. Es gibt so viele Outfits, die Frauen einfach besser stehen. Und sie können selbst so manches Herren-Outfit besser tragen. Bei Männern ist das eine Sache der Psychologie: Nicht alle trauen sich in Fragen der Mode, ein Risiko einzugehen. Und wenn sie es doch mal tun, ernten sie häufig Kritik. Mit dem Ergebnis, dass sie sich lieber wieder unauffälliger kleiden, um nicht angegriffen zu werden.

Kennen Sie das persönlich?
In meiner Jugend ist mir das oft passiert, oh ja! Sehr oft.

Erinnern Sie sich an einen bestimmten Moment?
Das war eher eine längere Phase – und das ging auch von meinen Eltern aus. Meine Mutter war richtig cool, wenn es um Mode ging. Mein Vater eigentlich überhaupt nicht. Null. Er hat überhaupt kein Modeempfinden. Darüber hat er wohl auch nie nachgedacht. Vielleicht hat das mit seiner Generation zu tun. Oder damit, wo wir aufgewachsen sind. Ich habe ihm gerade einen maßgeschneiderten Anzug anfertigen lassen. Seine Reaktion war: „Wow!“

Was war das für ein Anzug?
Dreiteilig und mehrfarbig. „Ich fühle mich super“, sagte mein Vater. Und ich darauf: „Jetzt weißt du, was Mode ist.“ Sie gibt einem die Möglichkeit, die eigene Persönlichkeit auszudrücken. Mein Dad fühlt sich in diesem Anzug jetzt richtig gut. Ich konnte seine Energie spüren. Das ist es, was Mode bedeutet: Sie ist Energie.

Was empfehlen Sie jungen Männern generell? Was darf in keinem Kleiderschrank fehlen – wenn man mal von Ihren Hilfiger-Teilen absieht?
Man kann nie genug Jacken haben. Eine Jacke ist mit allem kombinierbar. Ein langer, modischer Mantel funktioniert auch immer, und mit einer Jeansjacke machst du nichts falsch. Ich finde, man sollte auch immer ein Teil haben, in dem man sich besonders wohlfühlt. Ich persönlich mag Jeans. Es liegt nicht jedem, sich ständig modisch auszuprobieren. Ich sage den Leuten, traut euch einfach mal was, probiert was Neues aus. Aber vor allem: Fühlt euch gut in dem, was ihr tragt!

Bequem darf’s auch sein?
Klar, unbedingt. Du solltest dich eben richtig wohlfühlen, wenn du morgens aus dem Haus gehst. Frauen schaffen das. Sie verlassen morgens das Haus und fühlen sich gut. So jedenfalls versuche ich das heute auch. Früher trug ich lange nur Schwarz, in der Hoffnung, nicht aufzufallen.

Hatten Sie selbst früher modisch irgendwelche Vorbilder?
Die meisten waren Musiker und Künstler. Ich schaute früher Fernsehsendungen mit Kindern, die sich ihre Klamotten frei aussuchen konnten. Schon das war eine Sensation für mich. Ich selbst musste Schuluniform tragen, was ich gehasst habe.

Wieso – das macht doch auch alle gleich …
… gleich hässlich. Ich weiß nicht, wer meine Schuluniform entworfen hat, aber sie war ein Horror. Der Blazer: blau-violett. Der Schnitt: schrecklich. Die Krawatte: potthässlich. Alles hing an mir runter wie ein nasser Sack. Ich konnte den Kram auch mit nichts kombinieren und hatte nicht das Geld, mir richtig gute Qualität zu kaufen. Wenn ich dann nach Hause kam, schaute ich Musikvideos und wollte mich anziehen wie die vielen Stars, die darin auftraten. Deren Looks waren super cool.

Wo versorgten Sie sich dann abseits Ihrer Schuluniform mit Kreativerem?
Wir hatten ein paar Secondhandläden in der Stadt. Dort fand ich immer mal wieder spannende Vintage-Klamotten. Die habe ich dann versucht, so umzufunktionieren, dass sie richtig cool aussehen. Bis ich Anfang zwanzig war, habe ich ja kaum Geld verdient. Ich hatte wenig zur Verfügung, weil der Rest für meine Autoversicherung und andere Sachen rund ums Rennfahren draufging. Als ich dann zur Formel 1 kam, fing ich an zu entdecken und zu experimentieren. Es geht ja nicht nur darum, teure Marken zu kaufen, sondern darum, wie man Sachen kombiniert. Dabei habe ich sicher auch nicht alles richtig gemacht.

Was waren Ihre verrücktesten Modesünden?
Oh Mann, ich habe modisch schon so viele Fehler gemacht – wie auch im Leben. Wenn ich mich nur an manche Outfits erinnere, die ich in meiner Jugend trug! Beim Rumexperimentieren hat manches funktioniert und manches eben nicht. Aber ich hab’s wenigstens probiert. Darauf kommt es letztlich an.

Mal ehrlich: Wer legt Ihnen morgens das Outfit ans Bett? Eine Stylistin? Die PR-Abteilung von Mercedes? Eine Freundin?
Ich habe keine Freundin. Das mach ich schon selbst. Eine Bekannte von mir ist aber Stylistin. Und weil ich keine Zeit zum Einkaufen habe, übernimmt sie das für mich.

Rennfahrer und Stil-Ikone – Lewis Hamilton und die Mode
Rennfahrer trifft Designer
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Lewis Hamilton gemeinsam mit dem US-Designer Tommy Hilfiger (r.): „Für mich wie ein Praktikum“.

Fotoshooting
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Lewis Hamilton als Model für seine Tommy x Lewis Kampagne.

Der Rennfahrer
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Lewis Hamilton nach seinem „Heimsieg“ im britischen Silverstone 2017.

Die Mode-Ikone
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Lewis Hamilton gemeinsam mit Vogue-Chefin Anna Wintour beim Finale in Wimbledon.

„Eine gewisse Aufbruchstimmung“
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Hamilton (r.) gemeinsam mit dem It-Girl Kendall Jenner, Designer Virgil Abloh und dem Schauspieler Ansel Elgort (v.l.).

„Die Modebranche ist ein hartes Business“
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Hamilton mit dem Kampfsportler Conor McGregor und der Modemacherin Donatella Versace bei den Fashion Theatre Awards in London 2017.

Wie läuft das ab?
Ich schaue mir die neuen Looks online an, wenn ich unterwegs bin zwischen den Rennen. Dann sage ich: „Kannst du mir dieses oder jenes mal beschaffen?“ Ich schicke ihr ständig neue Bilder. Wir treffen uns regelmäßig. Sie hat dann einen Koffer voll mit neuen Sachen dabei. Fast die Hälfte lasse ich zurückgehen. Teile, die ich ausprobiert habe und die mir nicht gefallen. Der Rest kommt in mein Gepäck. Dann bin ich wieder für einen Monat unterwegs. So stelle ich meine Looks zusammen.

Sie bestellen nicht selbst?
Nein, nein. Dafür ist gar keine Zeit während der Rennsaison. Sie besorgt die Sachen für mich.

Haben Sie ein Vorbild, wenn es um Männermode geht?
Oh ja! Pharrell Williams!

Warum gerade der „Happy“-Sänger?
Er zieht sich so an, wie ich das auch gern möchte.

Für einen Formel-1-Piloten ungewöhnlich: Sie sind auch mit Designern befreundet wie Donatella Versace. Wen zählen Sie noch zu diesem Kreis?
Ein guter Freund ist für mich sicher auch Virgil Abloh …
… der neuerdings die Männermode von Louis Vuitton steuert.
Genau. Und auch Stella McCartney zähle ich dazu.

Und, wann werden Sie mit so viel Unterstützung Ihre ganz eigene Marke starten?
Mit Tommy Hilfiger fange ich ja dieser Tage schon damit an. Die Modebranche ist ein hartes Business. Ich weiß längst noch nicht alles über das Geschäft, bin aber dabei zu lernen. Insofern ähnelt die Arbeit mit Tommy für mich einem Praktikum. So manch einer würde doch seine Schwiegermutter verkaufen für diese Chance, sich innerhalb einer so großen Organisation entwickeln und dabei lernen zu können. Ich nutze die Gelegenheit, um mir Grundlagen anzueignen, auf die ich dann selbst einmal bauen kann.

Gibt es eigentlich Parallelen zwischen Renngeschäft und Modebranche?
Eine wichtige Gemeinsamkeit ist sicher, dass beide ein großes Team vorhalten, das auf einen einzigen Augenblick hinarbeitet: Bei uns ist es das Rennen, bei der Mode das Defilee. Kaum läuft eine aktuelle Schau, denkt man in der Welt der Mode schon wieder zwei Schritte voraus. So wird in unserem Team auch bereits das Auto für die nächste Saison entworfen.

Und wo sind die Unterschiede?
In der Formel 1 gibt es bislang wenig Bewusstsein für Mode. Tommy und ich wollen das ein bisschen ändern. Und ich erlebe durchaus eine gewisse Aufbruchstimmung. Sportler und Sportlerinnen sind so modebewusst wie nie zuvor.

Na ja, Fahrer wie Sebastian Vettel oder Kimi Räikkönen würden wir jetzt nicht als Fashionistas bezeichnen.
In der Formel 1 bin ich sicher der Einzige, der sich wirklich für Mode begeistert. Dazu stehe ich. Aber es gibt ja auch Spitzensportler in anderen Bereichen, etwa Tennis, Basketball oder – ganz besonders – im Fußball. Viele zeigen sich mittlerweile bei Modeschauen und Events und achten durchaus darauf, wie sie aussehen. Sportler und Sportlerinnen waren lange Zeit Randfiguren der Mode. Jetzt treten sie viel stärker ins Scheinwerferlicht. Auch wir sind jetzt Teil der Mode. Das ist doch cool.

Beim diesjährigen Wimbledon-Finale feuerten Sie nicht nur Serena Williams an, sondern saßen auch direkt neben „Vogue“-Chefredakteurin Anna Wintour.
Anna ist natürlich eine Ikone.

Wie kam’s zu diesem Treffen?
Es war Zufall. Wir sprachen in erster Linie über das Match. Sie spielt selbst viel Tennis. Wir sind beide mit Serena gut befreundet, die mich eingeladen hatte zum Finale. Ich wusste allerdings nicht, dass ich neben Anna sitzen würde.

Waren Sie nervös?
Eher ziemlich zurückhaltend für meine Verhältnisse. Man möchte ja nicht aufdringlich sein. Das wäre ja so, als ob sich jemand neben mich setzt und über die Formel 1 reden will. Ich möchte aber nicht dauernd darüber diskutieren, was ich beruflich mache. Und vielleicht möchte sie auch nicht immer über Mode reden.

Wie bringen Sie selbst diese beiden Welten eigentlich unter einen Hut?
Für mich ergänzen sich Sport und Mode wunderbar, nicht nur weil Tommy Hilfiger ja eine sportliche Marke ist. Er entwirft stilvolle Freizeitkleidung.

Welcher Designer sollte der Formel 1 elegantere Renn-Overalls schneidern?
Da würde ich mir unbedingt Virgil Abloh wünschen. Aber dazu gibt es wohl immer noch zu viele Akteure in meiner Branche, die nach Möglichkeit nicht auffallen wollen.

Sie haben zuletzt Ihren Vertrag mit Mercedes bis zum Jahr 2020 verlängert. Wie sieht generell Ihr Exit-Plan aus?
Ich habe keinerlei Ausstiegsplan, auch wenn ich schon seit meinem achten Lebensjahr Rennen fahre. Jetzt bin ich 33 und kann noch locker weitermachen, bis ich 40 bin. Ich weiß wirklich nicht, was ich in zwei Jahren mache. Vielleicht werde ich noch mal Weltmeister. Oder ich starte dann mein eigenes Modelabel. Alle scheinen irgendwie darauf zu warten. Das sind aber Projekte, die ziemlich viel Zeit in Anspruch nehmen. Für beides einhundert Prozent zu geben – das funktioniert nicht.

Sie sind auch mit vielen Popstars befreundet. Wo würden Sie eher neu starten: in der Mode oder in der Musik?
Ganz klar: in der Mode. Natürlich habe ich für beide Felder schon mal eine persönliche Bestandsaufnahme gemacht. Und ich werde sicher auch immer Musik machen. Aber Mode liegt mir einfach mehr. Ich könnte da ewig aktiv sein.

Mister Hamilton, vielen Dank für das Interview.

Dieser Text ist entnommen aus dem Handelsblatt Magazin N°5/2018. Das komplette Handelsblatt Magazin als PDF downloaden – oder gedruckt mit dem Handelsblatt vom 7. September 2018 am Kiosk erwerben.

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