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Foto-Festival Das sind die Highlights beim Photo Weekend in Düsseldorf

Bei der achten Ausgabe des Foto-Festivals zeigen mehr als 50 Institutionen, Galerien und Off-Räume Lichtbildnerei. Ein Rundgang.
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„Empfang des Verbands weiblicher Unternehmer“, 1965. Quelle: © Nachlass Volker Krämer
Volker Krämer

„Empfang des Verbands weiblicher Unternehmer“, 1965.

(Foto: © Nachlass Volker Krämer)

DüsseldorfIn Düsseldorf soll endlich ein Fotozentrum entstehen – und das seit Jahren schon. Schließlich leben und arbeiten einige der international erfolgreichsten Fotokünstler in der Stadt, die von dort aus wirkende Becher-Schule ist längst Kunstgeschichte, und weiter wachsen interessante Erben der Düsseldorfer Fotokunst nach. Aber noch immer gibt es kein verbindliches Konzept.

Das kreative Grundklima definiert sich alle Jahre neu, nicht ohne Konflikte. Vom NRW-Forum und dessen langjährigem Betreiber Werner Lippert gingen starke Impulse aus, er organisierte große Ausstellungen in den Grenzbereichen zur Werbefotografie oder zum Kino und erfand 2012 das Photo Weekend.

2013 zog Lippert sich zurück, die Galeristin Clara Maria Sels übernahm die Photo-Weekend-Organisation und baute das Festival aus. 2015 wurde Alain Bieber die künstlerische Leitung des NRW-Forums übertragen – erste Pläne, dort das ersehnte Fotozentrum zu etablieren, versandeten. Bieber inszenierte Selfie-Ausstellungen, eine Pizza-Schau und manches, was medienwirksam fortschrittlich klang, aber wenig Publikum anlockte.

Alles auf Anfang

2017 kam es zum Streit, Bieber sollte zum neuen Chef des Photo Weekend bestellt werden, die Szene spaltete sich. 2018 gab es zwei konkurrierende Foto-Festivals, das neue mit durchwachsener Bilanz. Eine Provinzposse. Dann kündigte Bieber für das Frühjahr 2020 eine Düsseldorf-Biennale mit dem Schwerpunkt Fotografie an. Nun ist auch dieser Plan gescheitert, zumal Biebers Vertrag 2020 ausläuft, sollte er nicht verlängert werden.

Also alles auf Anfang: Das Photo Weekend findet statt und bietet erneut eine fast unübersehbare Fülle an, die jeder selbst entdecken muss.

Einer der Höhepunkte des langen Wochenendes ist unzweifelhaft die Schau „Fotografinnen an der Front. Von Lee Miller bis Anja Niedringhaus“ im Kunstpalast. In asketisch-strenger Ausstellungsarchitektur sind in monografisch sortierten Kojen 140 Fotografien von acht Fotografinnen zu sehen. In den Jahren von 1936 bis 2011 entstanden, dokumentieren sie die Gräuel des Krieges – vom Zweiten Weltkrieg über Vietnam, die Balkan-Krise und Nicaragua bis hin zu noch andauernden Krisen in Palästina, im Irak und in Afghanistan.

Seit den 1930er-Jahren war die Kriegsfotografie keine rein männliche Domäne mehr. Die deutsch-jüdische Fotografin Greta Taro etwa – die Lebensgefährtin des ungleich bekannteren Robert Capa – war die erste Kriegsfotografin überhaupt, sie hielt die Grausamkeiten des Spanischen Bürgerkriegs fest und war auch die erste Kriegsfotografin, die im Einsatz umkam, mit nur 27 Jahren.

Die US-Amerikanerin Lee Miller fotografierte im Auftrag des Modemagazins „Vogue“ (!) Ereignisse des Zweiten Weltkriegs und gehörte zu den Bildberichterstattern, die direkt nach der Befreiung der Konzentrationslager Dachau und Buchenwald vor Ort waren.

Ein tragisches Beispiel ist die deutsche Fotografin Anja Niedringhaus, die ab den 1990er-Jahren vom Balkan bis zu den Kriegen im Irak, in Afghanistan und Libyen unterwegs war und 2014 in Afghanistan erschossen wurde. 2017 haben die „Freunde des Kunstpalastes“ 74 Aufnahmen von Anja Niedringhaus für die Museumssammlung angekauft, von denen nun ausgewählte zu sehen sind.

Die acht Fotografinnen repräsentieren acht Perspektiven auf den Krieg, die von deutlicher politischer Parteinahme und Anklage über den Blick der Anteilnahme – besonders hinsichtlich des Leids der Zivilbevölkerung – bis hin zu bewusster Distanz und kompositorischer Strenge reichen. Eindrucksvoll.

Krise vor der Haustür

Einen dokumentarischen Blick auf das Alltägliche, aber in historischer Distanz bietet die Galerie Breckner mit „Volker Krämer. Mensch Düsseldorf“. Krämer arbeitete in den 1960er-Jahren als Pressefotograf für die „Rheinische Post“ und hielt gesellschaftliche Ereignisse in der Stadt mit einem untrüglichen Gespür für den richtigen Moment fest.

Eine aktuelle politische Krise vor der Haustür dokumentiert der Düsseldorfer Fotograf Max Brugger: Unter dem Titel „heading towarts dystopia“ sind bei neospektiv Fotos zu sehen, die bei der Besetzung des Hambacher Forsts entstanden. Auch Brugger hat sich einer gewissen Distanz zum Geschehen verschrieben und beleuchtet pointiert die verschiedenen Positionen des Konflikts. Ein China-Schwerpunkt darf sich unter anderem in der Julia Stoscheck Collection, im Haus der Universität und im Konfuzius-Institut entfalten.

Düsseldorf Photo Weekend 8.3. 18.00 – 21.00, 9.3. 12.00 – 20.00, 10.3. 12.00 – 18.00 Uhr

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