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Fotografie Tillmans Suche nach Neuem

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Tillmanns facettenreiches Angebot
Wolfgang Tillmanns: Vor seiner monumentalen abstrakten Fotografie „Freischwimmer“ im K21. Foto: dpa

Wolfgang Tillmanns: Vor seiner monumentalen abstrakten Fotografie „Freischwimmer“ im K21.

Foto: dpa

Die brettspielenden Männer im nächtlichen Schanghai locken den Ausstellungsbesucher nah an sich heran. Ebenso die Farbfotografie „Paper drop (light)“ von 2006 direkt daneben, in der Abstraktion und Gegenständlichkeit in eins fallen. Tillmans hat für diese von Sammlern geschätzte Serie einen Papierbogen einfach umgelegt und aus der Nahsicht von der Seite hineinfotografiert. Das in silbrigem Weiß schimmernde Bild lässt sich deshalb aus der Nähe und aus weiterer Entfernung betrachten.

Abstand verlangt hingegen das Dreierensemble nebenan, das kleine Nachtstück im Hochformat mit seinen unscharfen Farbfeldern ebenso wie die große Landschaft mit Sternenhimmel (beide 2010) und die Sonne. Doch die schwarze, winzige Kreisform an ihrem äußersten Rand, die passierende Venus, darf sich der Betrachter auch von nahem ansehen („Venus transit, second contact“, 2004).
Die Welt der kleinen Dinge und die Welt der großen Dinge lässt Wolfgang Tillmans ins Gespräch kommen; Mikro- und Makrokosmos führen eine Koexistenz, das Persönliche, Intime hängt gleichwertig neben dem politischen Ereignis. Für den Künstler hat die Ausstellung den Charakter eines Labors "zum Studium der Welt in vielen ihrer Facetten".
Ob aber jedes Bild auch für sich alleine bestehen kann? „Nichts, was hier hängt, ist nicht auch als Einzelbild geprüft worden“, erklärt der Künstler selbstbewusst. Seine Zuhörer möchten es ihm kaum glauben. Manche Motive erscheinen ihnen dafür fast zu beiläufig, einfach zu banal.

Vielleicht aber wurde das 1992 aufgenommene Farbfoto von „Alex & Lutz sitting in the trees“ eben deshalb zur Ikone. Ein Mann und eine Frau sitzen fast nackt, nur in einen roten und grünen Mantel gehüllt, in einem Baum. Sie sind nicht schön und nicht schick im herkömmlichen Sinne. Aber sie verkörpern ein Lebensgefühl, sie strahlen Authentizität aus; ähnlich wie Tillmans ungeschminkte Aufnahmen des Models Kate Moss von 1996. Das Bild von Alex und Lutz erscheint im Rahmen einer Modestrecke in der Kultzeitschrift i-D, in der Tillmans in der ersten Hälfte der Neunziger viel veröffentlichen kann.
1993, zur Zeit seiner ersten Ausstellung in der Galerie Buchholz in Köln, ist Tillmans Mitte 20 und gilt als Lifestyle-Fotograf. Ein Ruf, der ihn noch begleitet, als er sich längst als Künstler etabliert hat. „Alex & Lutz sitting in the trees“ kostete damals 400 DM, und Christian Boros, führender Werbeunternehmer aus Wuppertal, ist einer seiner ersten Käufer.

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Tillmann's Sammler honorieren das Besondere
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