Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Fotokunst Abenteuer auf dem Asphalt

Auf der Straße spielt das Leben. Das haben Fotografen früh erkannt und für die Nachwelt die skurrilsten Dinge festgehalten. Eine Ausstellung mit Leihgaben aus der DZ Bank.
  • Johannes Wendland
Kommentieren
Arnold Odermatt: Buochs, Schwarzweißfoto, 1958 (Ausschnitt) Quelle: VG Bild-Kunst, Bonn 2011

Arnold Odermatt: Buochs, Schwarzweißfoto, 1958 (Ausschnitt)

(Foto: VG Bild-Kunst, Bonn 2011)

BerlinWenn der Schweizer Künstler Beat Streuli Menschen auf der Straße fotografiert, erwischt er sie stets im „Off“. Die meist großformatigen, aufwändig abgezogenen Bilder zeigen in sich gekehrte, abwesende Passanten. Sie laufen zügig von A nach B und man sieht ihnen an, dass sie vielleicht schon das nächste Vorhaben im Kopf haben. Es sind Metropolenbewohner. Das signalisieren auch die Titel von Streulis Bildern. Sie tragen nicht die Namen der (anonymen) Dargestellten, sondern die der Orte: „New York City“, „Chicago“, „Zürich“.

Streulis Bilder wirken zunächst wie bloße Schnappschüsse, verführen aber auf eigenartige Weise zu längerem Betrachten. Die scheinbar beiläufigen Beobachtungen im Straßenleben werden zu aussagekräftigen Porträts der Großstädte und ihrer Bewohner. Klar, dass sie in einer Ausstellung nicht fehlen dürfen, die „Road Atlas“ heißt und 150 Fotografien von 26 Künstlerinnen und Künstlern zum Thema Straße versammelt. Zu sehen ist die Ausstellung jetzt in den Opelvillen Rüsselsheim, anschließend an weiteren Stationen.

Auf den Straßen von Harlem

Die Ausstellung befragt die Fotogeschichte seit 1940 auf das Motiv der Straße. Helen Levitts bestechende Schwarzweiß-Aufnahmen aus den Ghettostraßen Harlems von 1940 stehen am Anfang der Zusammenstellung, die mit ihrer Qualität punkten kann. Sie zeigen Kinder, die in den noch weitgehend autofreien Straßenschluchten zwischen Mietskasernen aus Backstein spielen, Frauen beim Einkaufen oder Nachbarn, die im Gespräch vertieft sind. 

Überraschend nahe an diesen Motiven sind die Aufnahmen aus den frühen Jahren der DDR von Ursula Arnold und Arno Fischer. Auch hier ist sind die Straßen noch ein Ort der Kommunikation, so trist und grau sie erscheinen mögen. Erst die Übernahme des öffentlichen Raums durch das Auto scheint diese kommunikative Funktion der Straße zurückgedrängt zu haben.

Ästhetische Unfälle

Wohin das führen kann, zeigt die Ausstellung in mehreren Positionen. Drastisch sind die oft skurrilen Bilder von Unfällen und Kollisionen, die der Schweizer Polizeifotograf Arnold Odermatt ursprünglich ohne künstlerische Absicht aufnahm. Die Bilder wurden erst Ende der 1990er Jahre von der Kunstwelt entdeckt. Es sind wunderbare Kommentare zu den Auswüchsen der Auto-Mobilität, die an modernekritische Filme der 1960er-Jahre wie „Traffic“ von Jacques Tati oder „Weekend“ von Jean-Luc Godard erinnern.

Die Katastrophe ist auch das Thema des Japaners Ryuji Miyamoto. Er fotografierte nach dem verheerenden Erdbeben 1995 von Kobe. Die Stadtautobahn auf Stelzen ist abgeknickt, der sonst so selbstverständliche mobile Verkehrsstrom der modernen Metropole unterbrochen. Ganz anders erscheint die Straße in den Aufnahmen der Berliner Fotografin Stefanie Schneider, die in verblichenen Farben dem ‚American Dream’ von jungen Menschen auf den staubigen Straßen Kaliforniens nachträumt.

Fotografische Schätze der DZ Bank

Will McBride, Thomas Struth, Stephen Shore, Aernout Mik – die Rüsselsheimer Ausstellung versammelt große Namen der Fotografie. Das ist ihrer Leihgeberin zu verdanken, der Fotosammlung der DZ Bank, die zu den bedeutendsten Unternehmenskollektionen der bildenden Kunst überhaupt zählt. Die 1993 von der damaligen DG Bank begonnene Sammlung umfasst heute rund 6.000 Arbeiten von 600 Künstlern. Bestandteile daraus sind regelmäßig im Art Foyer der DZ Bank in Frankfurt zu sehen. Ein Teil der Sammlung wird künftig im neuen Erweiterungsbau des Frankfurter Städel gezeigt.

 „Road Atlas – Straßenfotografie aus der DZ Bank Kunstsammlung“ bis 16.10. in den Opelvillen, Rüsselsheim. Die Ausstellung gastiert im Sommer 2012 im Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus, im Frühjahr 2013 in der Kunsthalle Erfurt und im Sommer 2013 in der DZ Bank in Frankfurt am Main. Der Katalog erschien im Hirmer Verlag, München. Er kostet 34,90 Euro.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

0 Kommentare zu "Fotokunst: Abenteuer auf dem Asphalt"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%