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Fotokunst in Frankfurt Britenhumor trifft auf Börsenwelt

Seit 20 Jahren sammelt die Deutsche Börse Fotokunst. Der für seinen Humor bekannte britische Fotograf Martin Parr organisierte die Jubiläumsschau.
Update: 18.02.2019 - 14:54 Uhr Kommentieren
Ohne Titel, aus der Serie “Neon Tigers”, Shanghai, 2001 Quelle: courtesy of the artist
Peter Bialobrzeski

Ohne Titel, aus der Serie “Neon Tigers”, Shanghai, 2001

(Foto: courtesy of the artist)

Frankfurt Es ist eine Fotografiesammlung mit über 1.800 Arbeiten von 126 internationalen Künstlern. Darunter Klassiker von Diane Arbus und Walker Evans bis zu den Werken von aufstrebenden Talenten wie Mike Brodie oder Geert Goiris. Eine Sammlung, die jedem Museum gut stünde.

Aufgebaut hat sie seit 1999 Anne-Marie Beckmann für die Deutsche Börse. Anders als in Museen, wo der Großteil der Kunst im Depot verschwindet, ist die Art Collection Deutsche Börse im Atrium, auf den Gängen und in den Büros der Firmenzentrale in Eschborn zu 90 Prozent dauerhaft sichtbar.

Die Art Collection Deutsche Börse will das menschliche Dasein in allen seinen Facetten in den Blick nehmen. Ein bewusst gewählter Gegenpol zur algorithmengetriebenen Bildschirmtätigkeit der Mitarbeiter.

Künstler zeigen quasi als Frühindikatoren in Porträts, Stillleben, Landschaften, aber auch in Reportage- und Kriegsfotografie, „wie sie die durch gesellschaftliche und politische Entwicklungen bedingten Veränderungen in der Welt wahrnehmen“, sagt Anne-Marie Beckmann, Direktorin der Deutsche Börse Photography Foundation.

Zum 20-jährigen Jubiläum hat die Chefin einem Gastkurator die Sammlung anvertraut. In dem britischen Fotografen Martin Parr hat Beckmann die Idealbesetzung eines Kurators gefunden. Nicht nur, dass er selbst Fotografie (und Kitschobjekte) sammelt. Parr führt auch eine Stiftung und kuratiert dort regelmäßig Ausstellungen, unter anderem um junge Positionen vorzustellen.

Martin Parrs Fotos sind auch in der Deutsche Börse Collection vertreten, nicht aber im facettenreichem Sammlungsquerschnitt „We love Photography“. Wer je Parrs Bilder von sonnenverbrannten Briten am Strand gesehen hat, weiß: Der Mann hat Humor.

Und so mischt er seiner persönlichen Auswahl auch die komischen Aufnahmen von Arnold Odermatt oder Wilhelm Schürmann bei. Etwa „Frau Hoppe und ihre Tochter“, die Schürmann an einer Bushaltestelle warten sah und die wie Zwillinge daherkommen: beigefarbener Regenmantel, helle Handtasche und Pumps, Dauerwelle und Brille. Wer länger hinschaut, erkennt, dass die Ältere das Sagen hat.

Posieren mit Aktentasche

Ausgewählt hat Parr 130 Bilder von 36 Fotografen und sie auf zwei Etagen zu Schwerpunkten verdichtet. So fächert er zum Beispiel das Thema Jugendkultur kontrastreich auf. Die in die postsozialistische Armut gestoßenen Jugendlichen in Boris Mikhailovs Serie „Case History“ treffen auf die unsicheren Highschool-Teenager von Joseph Szabo.

Die Identitätssuche junger Afrikaner lässt sich an den Porträts von Malick Sidibé ablesen. Er hat in den 1960er-Jahren in Bamako, Mali, ein Studio betrieben und seinen Kunden für Bilder vom sozialen Aufstieg westliche Statussymbole ausgeliehen: Hüte und edle Aktentaschen, Sonnenbrillen und Kleidung.

Peter Bialobrzeski hat die riesigen Metropolen Asiens festgehalten. Gigantische Betonburgen, so raffiniert beleuchtet, dass die „Tigerstädte“ anziehend und nicht abstoßend rüberkommen. Der Südafrikaner Pieter Hugo schaut mit Porträts von Darstellern hinter die Brüchigkeit von Billigfilmwelten, der Brite Simon Roberts nähert sich den Weiten Russlands und den Menschen dort.

Die sanft farbigen Aufnahmen Norfolks erstaunen den Betrachter. Der Nigerianer reist in Kriegsgebiete und irritiert, weil er Erwartungen unterläuft. Ein zerstörtes afghanisches Teehaus etwa taucht Bialobrzeski, so Beckmann, „in eine frühmorgendliche Licht- und Farbstimmung, wie wir sie von dem französischen Barockmaler Claude Lorrain kennen“.

Solches Hintergrundwissen liefern eine kostenlose Broschüre und – nach Anmeldung – Führungen unter www.deutscheboersephotographyfoundation.org. Zugänglich ist die Ausstellung auch bei der „Nacht der Museen“ am 11. Mai und bei „Kunst privat“ am 25. Mai.

„We love Photography“ läuft bis 24. Mai im Eschborner Deutsche-Börse-Gebäude, Frankfurt, Mergenthalerallee 61

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