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Frankfurter Kunstsaison-Start Wo Kaviar auf DDR-Pop trifft

Beim 25. Saisonstart setzen die Frankfurter Galerien auf Kontraste. Neben Bewährtem erlauben sie manche Wiederentdeckung – etwa Pop Art von Hans Ticha.
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Hindernislauf, 1975, Öl/ Leinwand, 155 x 120 cm Quelle: Galerie Hanna Bekker vom Rath, VG Bild-Kunst
Hindernislauf

Hindernislauf, 1975, Öl/ Leinwand, 155 x 120 cm

(Foto: Galerie Hanna Bekker vom Rath, VG Bild-Kunst)

Frankfurt Max Ernst geht immer. Die Gemälde und Skulpturen des Dadaisten und Surrealisten erzielen Spitzenpreise. Was läge also näher, als ihn gleich im Dutzend auszustellen, zusammen mit den Werken von Sohn, Enkelin und Musen? Genau darauf setzt „Die Galerie“ im Nordend. Sie hat wie rund 30 andere Galerien am vergangenen Wochenende den 25. Frankfurter Saisonstart eingeläutet, eine Ausstellungs- und Veranstaltungsreihe, mit der sich die Galerien gemeinsam vermarkten.

Ernsts Magie ist in Werken wie „Les jeunes et les jeux twistent“ von 1964 spürbar (Listenpreis 1,3 Millionen Euro), einer abstrakten Darstellung grünblauer Reliefstrukturen, die je nach Betrachtungswinkel an tanzende Figuren oder gewachsene Natur erinnern. Sohn Jimmy Ernst ist mit expressiven Farbexplosionen vertreten, etwa „Orange & Black“ von 1974 (18.800 Euro), Freundin Leonor Fini mit kleinformatigen Radierungen von Ballettkostümen (ab 550 Euro) und Enkelin Amy Ernst mit repetitiven, vieldeutigen Bildcollagen (um 5.000 Euro). Max Ernsts langer Schatten schwebt über der Schau, der ein beherzter ordnender Griff gutgetan hätte.

Pop-Art im Osten

Neu und überraschend ist der Blick, den die „Galerie Hanna Bekker vom Rath“ auf eine fast unbekannte Episode der Kunstgeschichte wirft: Pop-Art in der DDR. Mit Hans Ticha, geboren 1940, erhält ihr größter lebender Vertreter die verdiente Aufmerksamkeit. Ticha versteht sich nicht als politischer Künstler. Doch natürlich ist Malerei politisch, die inmitten des real existierenden sozialistischen Realismus ironisch-subversive Kommentare zum DDR-Alltag auf die Leinwand bannt; im Arbeiter-und-Bauern-Staat durfte der gelernte Illustrator sie nicht ausstellen.

Bilder wie der „Hochrufer“ (18.000 Euro), „Siegen lernen“ oder „Wohle des Volkes“ (beide 16.000 Euro), alle aus den 1980er-Jahren, spielen mit optischen Versatzstücken eines Roy Liechtenstein, etwa den berühmten Rasterpunkten, finden aber zu einem ganz eigenen Stil voller rund geschliffener, voluminöser Figuren, die mit dem Beklatschen und Lobpreisen des selbst ernannten Friedensstaates vollauf ausgelastet erscheinen. Auch die Freiheit nach dem Mauerfall liefert Ticha Anschauungsmaterial, das es zu entlarven gilt.

Den vielleicht strengsten Kontrapunkt zu vergangenen Säulenheiligen und gefälliger Gesellschaftskritik setzt die „Galerie Bärbel Grässlin“. Sie widmet dem in Köln lebenden, 1947 geborenen Georg Herold mit „Oben Ohne“ einen fokussierten Blick. Herold arbeitet, in der Tradition von Joseph Beuys stehend, mit roher Materie: Holz, Backstein und – Kaviar. Seine Werke, darunter die Dachlattenskulptur „Holz ohne Raum“ (25.000 Euro), „And I know my name is rabbit“ (80.000 Euro) oder „Brown Betelgeuze“ von 1989 (180.000 Euro), sind farbarm und rätselhaft, bleiben jedoch im Gedächtnis.

In den neueren Arbeiten, etwa den neongrünen Kaviarbildern von 2019, bricht sich eine Gegenwart Bahn, die Lust auf das heutige Schaffen Herolds macht. Hoffentlich wird es vor der 50. Galeriesaison zu sehen sein.

Mehr: Neue Kunstmesse in Frankfurt: Lesen Sie hier, wie die Galerieszene der Main-Metropole wieder attraktiver wird.

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