Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Frieze und Frieze Masters Plakative Positionen: Was auf den Londoner Prestigemessen zu sehen ist

Einige wenige Einzelpräsentationen und hohe Preise für Pop-Art: Ein Rundgang über die Frieze und die Frieze Masters, die Prestigemessen in London.
Kommentieren
Zu finden bei „Eigen + Art“. Quelle: Galerie EIGEN + Art/Jules Lister
Ryan Mosley: „Yesterday Past“

Zu finden bei „Eigen + Art“.

(Foto: Galerie EIGEN + Art/Jules Lister)

London Der Eintritt in das Zelt der „Frieze London“-Kunstmesse in London ist ein Eintritt in eine andere Welt. Hier lässt der Flaneur für kurze Zeit den Alltag hinter sich, um in die aktuelle Kunst einzutauchen. Die Frieze hatte von Anfang an den Anspruch, eine Messe zu sein, in der auch die Künstler selbst präsent sind. Die Galerien bemühen sich in diesem Jahr besonders, diesem schon fast vergessenen Anspruch gerecht zu werden.

Der Künstler Ryan Gander kreierte für die japanische Galerie Taro Nasu eine Soloinstallation und war am Eröffnungstag anwesend. Bei der Goodman Gallery aus Südafrika, die unter großem finanziellen Einsatz jetzt Galerieräume in London eröffnet, stellt sich der britisch-afrikanische Yinka Shonibare seinen Fans.

Die Galerie wird seine Arbeiten erst zum Wochenende zeigen, wenn sie den Stand, der sich zur Eröffnung auf William Ken‧tridge konzentriert, umgebaut hat. Das wird auch nötig sein, denn Goodman konnte in den ersten Stunden bereits vier Bronzeskulpturen des Künstlers verkaufen (Auflage: drei, jeweils 300.000 Dollar). Angeheizt haben die Nachfrage die zahlreichen internationalen Museumsausstellungen der letzten Zeit.

Künstler als Lehrer

Krinzinger aus Wien zeigt Wandobjekte von Radhika Khimji, die sich mit Fragen der Identität als Frau und Künstlerin in Oman auseinandersetzen (um 3.000 Euro). Krinzinger kommt eine wichtige Rolle zu, da die Galerie eine der wenigen ist, die künstlerische Positionen aus dem Mittleren Osten vertritt, deren oftmals stille Poesie gemischt mit politischen Themen fast nicht mehr gezeigt wird. Die Expertin Janet Rady bedauert: „Es gibt fast nichts mehr hier zu sehen, niemand kauft mehr Kunst aus dem Mittleren Osten.“

Das visuell stimmige Thema Künstler als Lehrer präsentiert Waddington Custot auf der anderen der beiden Londoner Topmessen, der „Frieze Masters“. Unter dem Titel „Schools of London“ zeigt sie Künstler, die an Londoner Kunsthochschulen lehrten. Die Galerie konnte bereits Arbeiten von Bill Woodrow, Joe Tilsen und Patrick Caulfield (180.000 Pfund) verkaufen.

Lassen sich auf der Frieze London bestaunen. Quelle: AFP
Simphiwe Nzubes Arbeiten „The Spirit People I“ und „The Spirit People II“

Lassen sich auf der Frieze London bestaunen.

(Foto: AFP)

Die Londoner Lisson Galerie, deren Messestände für gewöhnlich wenig kuratorisches Feingefühl zeigen, widersetzte sich ebenfalls dem Druck, das Neueste und Beste der sich gerade im Trend befindenden Künstler zu zeigen. Lisson würdigt stattdessen zwei kürzlich verstorbene Künstlerinnen. Auf der Frieze Masters ehrt sie Susan Hiller (1940–2019) mit einer Installation früher Arbeiten. Hillers Konzeptkunst war wegweisend für eine jüngere Generation von Künstlerinnen. Die Preise liegen zwischen 10.000 und 180.000 Pfund.

Auf der Frieze London erinnert sie an die New Yorkerin Joyce Pensato (1941–2019), deren großformatige Bilder sich über Jahrzehnte mit amerikanischer Popkultur auseinandersetzten. Ihre unverkäuflichen Arbeiten werden im Dialog mit Werken ihres Kollegen Stanley Whitney gezeigt. Die wurden bereits alle verkauft für Preise von 350.000 bis 450.000 Pfund.

Comeback für die Medienkunst

Insgesamt sind Einzelpräsentationen auf der Messe selten. Gagosian stellt eine Ausnahme dar, die Galerie zeigt seit einigen Jahren ausschließlich Solopräsentationen. Sterling Rubys Gemälde, obwohl erschreckend gelb-orange-farbig, finden reißenden Absatz, da er so wenig produziert. Dennoch kann man im Gewirr der vielen Positionen Trends ausmachen.

Medienkunst feiert ein Comeback. Auf der Masters widmet die Galerie Hyundai dem Pionier der Videokunst, Nam June Paik, eine große Auswahl an Arbeiten. Für Preise von 180.000 bis 1,5 Millionen Dollar wechseln sie den Besitzer. Auf der Frieze stellt Esther Schipper in den Mittelpunkt ihres nur Künstlerinnen gewidmeten Stands eine neue Installation von Hito Steyerl, „Power Plants“. Die Pace Gallery stellt den irischen Künstler John Gerrard mit einem Film von 2009 vor. 125.000 Dollar werden erwartet, eine Edition von fünf ist bereits verkauft.

Ein dekorativer Hingucker am Stand der Galerie Thaddäus Ropac. Quelle: the artist Courtesy Galerie Thaddaeus Ropac, VG Bild-Kunst
Alex Katz: „Rosy 1“

Ein dekorativer Hingucker am Stand der Galerie Thaddäus Ropac.

(Foto: the artist Courtesy Galerie Thaddaeus Ropac, VG Bild-Kunst)

Die Präsenz medialer Arbeiten vor allem bei etablierten Galerien hat allerdings weniger mit der Akzeptanz des Mediums zu tun als mit der Entwicklung der Technik. Diese ist nunmehr in der Lage, handliche Wandbilder passgerecht für jede Sammlerwand zu fertigen. Denn an der Marktdominanz des Bildes ist nicht zu rütteln, wie auch die sehr ‧dekorativen Gemälde von Alex Katz bei Gavin Brown und Thaddäus Ropac zeigen. Für Katz’ popartige Bilder müssen 500.000 bis 800.000 Dollar auf den Tisch gelegt werden.

Wer aber kauft Kunst auf einer der Frieze-Messen? Mary Rozell, Leiterin der Kunstsammlung der UBS, flog aus New York ein, betont: „Wir kaufen eher wenig auf Messen, hier informieren wir uns.“

Verschiedene Preislevels

Wie kommen Galerien damit zurecht, dass viele Sammler nur schauen, während das große Geld an die Großgalerien geht? So sprach das Presseteam von Hauser & Wirth schon nach den ersten drei Stunden von einem Rekordjahr, da Arbeiten im Wert von 14 Millionen Dollar verkauft wurden. Eine Antwort: Judy Lybke von Eigen + Art bringt beispielsweise einen Künstler mit, der sich gut verkauft.

Die Rechnung ging auf, fünf Arbeiten von David Schnell ließen sich für jeweils um die 50.000 Euro absetzen. Aber er widmet auch eine ganze Wand den Papierarbeiten von Martin Groß, die mit 2.400 Euro auch Einsteiger ansprechen. Arbeiten in verschiedenen Preiskategorien anzubieten ist eine häufig anzutreffende Strategie.

Doch wie findet man Einsteigerarbeiten? Einfach fragen! Denn die Fokussektion zeigt weder nur junge Galerien noch junge, erschwingliche Kunst. Die Berlinerin Tanja Wagner zeigt die Kanadierin Kapwani Kiwanga, die gerade etliche Museumsausstellungen hat. Ihre Marmorskulpturen unter dem Titel „Glow“ beziehen sich auf ein Gesetz von 1713, das in New York Sklaven untersagte, nach Einbruch der Dunkelheit ohne Kerze oder in Begleitung einer weißen Person unterwegs zu sein. Die minimalistischen Stelen kosten allerdings 38.000 Euro.

„Gekreuzigter Christus (mit Sonne)“ von 1949. Quelle: the artist Courtesy Galerie Thaddaeus Ropac, VG Bild-Kunst
Joseph Beuys

„Gekreuzigter Christus (mit Sonne)“ von 1949.

(Foto: the artist Courtesy Galerie Thaddaeus Ropac, VG Bild-Kunst)

Die Museumsqualität der Arbeiten ist keine Kunst für Anfänger. Allen Galeristen ist klar, dass etwaige Käufer nicht von der Insel, sondern aus dem Ausland kommen. Ein Galerist aus London, betont lapidar: „Die Briten kaufen nicht, das ist ganz klar.“

Das internationale Publikum ist angereist, wie man am Stimmengewirr der Europäer auch auf der Frieze Masters erkennt. Dort geht es zwar etwas ruhiger zu. Gerade mit der Spotlight-Sektion, die historisch-zeitgenössische Positionen ins Auge rückt, zeigen sich die Galerien zufrieden. Aurel Scheibler, seit einigen Jahr schon nicht mehr auf der Insel vertreten, zeigt eine farbintensive Auswahl aus dem Spätwerk von Ernst Wilhelm Nay. Ihm schräg gegenüber widmet Victor Gisler von Mai 36 aus Zürich der kanadischen Künstlergruppe General Idea eine Hommage. Das Kollektiv hatte sich 1994 durch den Aids-Tod von zweien der drei Mitglieder aufgelöst.

Alle diese Galerien erhoffen sich, abseits des Rummels auf der Frieze einem vor allem europäischen Publikum wichtige Werke vermitteln zu können. Dass ein historisches Bewusstsein immer mehr unter dem Vormarsch plakativer Positionen leidet, ist vielen Ausstellern auf der Masters mehr als bewusst.

Zieht bei Trinity Fine Art auf der Frieze Masters Menschenmengen an. Quelle: AP
Sandro Botticellis Männerporträt „Michele Marullo“

Zieht bei Trinity Fine Art auf der Frieze Masters Menschenmengen an.

(Foto: AP)

Das Messepublikum steht Schlange, um „den letzten Botticelli“ zu sehen. Die einzige Arbeit auf dem Stand von Trinity Fine Art ist mit einem veröffentlichten Preis von 30 Millionen Pfund wohl die teuerste Arbeit auf der Masters. Das sagt mehr über die Medienmaschinerie der Messe aus als über die Qualität dieses Altmeisterbildes. Das recht farblose Porträt eines jungen Mannes ist kein bedeutendes Werk des Renaissancekünstlers; aber, wie ein Besucher süffisant bemerkte, „wenigstens ist es echt“. Damit bezog er sich auf den letzten Leonardo, dessen Authentizität nach dem Auktionsverkauf bei Christie’s umstritten bleibt.

Mehr: Die Masterpiece wird von Branchenfremden überrannt: Lesen Sie hier über den Strukturwandel einer Londoner Antiquitätenmesse.

Startseite

Mehr zu: Frieze und Frieze Masters - Plakative Positionen: Was auf den Londoner Prestigemessen zu sehen ist

0 Kommentare zu "Frieze und Frieze Masters: Plakative Positionen: Was auf den Londoner Prestigemessen zu sehen ist"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote