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Frühjahrsauktionen in New York Comeback der Prestigeauktionen: Attraktive Offerten halten Bieter in Atem

Der Markt ist auf dem Weg zurück zu alter Stärke. Sotheby's und Christie's setzen mit ihren Abendauktionen über 800 Millionen Dollar um.
13.05.2021 - 12:58 Uhr Kommentieren
Das zwischen 1917 und 1919 entstandene Querformat  “Le Bassin aux Nymphéas” wurde erst bei 70,35 Millionen Dollar zugeschlagen (Ausschnitt). Quelle: dpa
Claude Monet

Das zwischen 1917 und 1919 entstandene Querformat  “Le Bassin aux Nymphéas” wurde erst bei 70,35 Millionen Dollar zugeschlagen (Ausschnitt).

(Foto: dpa)

New York Endlich, nach einem sehr schwierigen Jahr: „Der Markt ist zurück in guter Form“, verkündete Sotheby’s Starauktionator Oliver Barker am Mittwoch Abend mit verständlicher Begeisterung. Er hatte gerade in einer überaus dynamischen und animierten Tour-de-Force, wieder per Live-Stream, Kunst zu insgesamt 597 Millionen Dollar an den Mann gebracht.

Toplos wurde bei Sotheby’s Claude Monets zwischen 1917 und 1919 entstandenes spätes Querformat „Le Bassin aux Nymphéas“, das minutenlang vier Bieter aus New York, London und Hongkong in Atem hielt. Erst bei 70,4 Millionen Dollar fiel der Hammer für Grégoire Billault, Leiter der Abteilung Contemporary Art und seinen Kunden.

Beim Konkurrenten Christie’s sorgte vor allem ein zwei Meter hohes, rotgrundiges Gemälde von Jean-Michel Basquiat für das millionenschwere Fundament der High-End-Auktion. Basquiat ist einer der derzeit begehrtesten Künstler, ein um Identitätsfragen kreisender schwarzer Maler.

Mindestens fünf Bieter aus Asien und den USA katapultierten „In This Case“ (1983) schnell über den Ausruf bei 40 Millionen Dollar hinaus. Der Hammer fiel erst bei 93,1 Millionen Dollar mit Aufgeld, Basquiats zweithöchstem Auktionspreis. Das Bild wurde von Giancarlo Giammetti, Mitgründer des Modehauses Valentino, verkauft. Beim letzten Auktionsauftritt im Jahr 2002 hatte es noch zu einer knappen Million Dollar die Hände gewechselt.

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    „Das Verhältnis von Angebot und Nachfrage hat sich endlich wieder eingependelt“, so resümierte auch Christie’s CEO Guillaume Cerutti am Vorabend zum Start der wichtigen Frühjahrsauktionen von Impressionismus bis Gegenwart. Das war im vergangenen Jahr noch ganz anders, als eine immer noch starke Nachfrage auf zögerliche Einlieferer traf.

    Das fast zwei Meter hohe Gemälde „In This Case“ (1983) kam schnell über den Ausrufpreis bei 40 Millionen Dollar hinaus und erzielte 93,1 Millionen Dollar mit Aufgeld. Quelle: Timothy A. Clary/AFP; VG Bild-Kunst, Bonn 2021
    Jean-Michel Basquiat „In This Case“

    Das fast zwei Meter hohe Gemälde „In This Case“ (1983) kam schnell über den Ausrufpreis bei 40 Millionen Dollar hinaus und erzielte 93,1 Millionen Dollar mit Aufgeld.

    (Foto: Timothy A. Clary/AFP; VG Bild-Kunst, Bonn 2021)

    Christie’s eröffnete die Auktionswoche am Dienstagabend mit einem ganz neuen Konzept. Mit der  Auktion „21st Century“ wollte man auf die globale Begeisterung vor allem für ganz junge Kunst antworten. Am Donnerstagabend folgte  „20th Century“ mit 51 Werken vom Impressionismus bis in die 1970er Jahre.

    Da dürfen offenbar auch NFTs (non-fungible token) nicht fehlen. Angeboten wurden neun in einem Los zusammengefasste „CryptoPunks: 2,532, 58, 30, 635, 602, 768, 603 und 757“. Deren Algorithmus entwickelte das Softwareunternehmen Larva Lab vor drei Jahren, also zur Frühzeit der Blockchain-Bewegung.

    NFT mit gepixelten Köpfen

    „Die CryptoPunks sind Alpha und Omega der CryptoArt-Bewegung und die einzigen NFTs, die einer Abendauktion würdig sind“, erklärt Noah Davis. Der junge Experte für Post-War & Contemporary Art bei Christie’s hatte auch die viel beachtete Beeple-Auktion im März orchestriert.

    Erwartet wurden für die gepixelten Köpfchen höchstens 9 Millionen Dollar. Aber in nur knapp vier Minuten wurden sie von vier internationalen Bietern bis auf 16,9 Millionen Dollar mit Aufgeld katapultiert. Der Käufer hat die Wahl, wie er bezahlt: in einer Digitalwährung oder in Dollar.

    Eifrigen Wettbewerb von den Bietern aus 29 Ländern gab es, wie zu erwarten, vor allem um einige junge Stars. Jonas Woods kühne und farbenfrohe Stillleben an der Grenze zur Abstraktion machen seit etwa zehn Jahren international Furore. Mindestens fünf Telefone bewarben sich nun um sein Großformat „Two Tables with Floral Pattern“ (2013). Es setzte beim Mehrfachen der Taxe zu  6,5 Millionen Dollar mit Aufgeld den neuen Rekord.

    Unter Christie’s insgesamt 39 Losen, überwiegend figurative Kompositionen, gab es nur zwei Rückgänge. Der Abend spielte 211,2 Millionen Dollar brutto ein, die komfortabel über der unteren Erwartung lagen. Kunden aus dem asiatischen Raum sicherten sich neun Lose (oder 24 Prozent des Angebots), darunter Jean-Michel Basquiats Xerox-Collage zu 13,2 Millionen Dollar, und zwei studiofrische Gemälde von Joel Mesler für 226.436 Dollar und von Dana Schutz für 2,4 Millionen Dollar.

    57 Prozent des Angebotenen blieben in Nordamerika, und 19 Prozent werden nach Europa reisen. Von den elf gesetzten Rekorden wurde fast die Hälfte von schwarzen Künstlern beansprucht, darunter Mickalene Thomas (1,5 Millionen Dollar), Lynette Yiadom Boakye, El Anatsui und Rashid Johnson  (je 1,95 Millionen Dollar).

    Sotheby’s konterte am Mittwoch mit Basquiats oft ausgestelltem, aber marktfrischen Großformat „Versus Medici“ aus dem begehrten Jahr 1982. Darin verarbeitete er Eindrücke einer Italienreise. Ein Duell zwischen Telefonbietern in London und New York endete taxgerecht bei 50,82 Millionen Dollar.

    Den Puls des Marktes gefühlt

    Sotheby’s entschied sich dagegen zum ersten Mal, das gesamte Spektrum von Impressionismus bis Gegenwartskunst an einem Abend anzubieten. Hier wurden von insgesamt angebotenen 83 Losen nur sechs nicht verkauft. Achtzehn Werke kletterten über 10 Millionen Dollar und acht reichten über die 20 Millionen Dollar-Marke  hinaus.

    Elf Rekorde wurden gesetzt. Das Angebot an „Contemporary Art“, das auf abgesicherte Positionen setzte, wurde sogar zu 100 Prozent und über der Höchsterwartung abgegeben. „Heute Nacht haben wir den Puls des Marktes genommen, und er rast deutlich. Sammler aus der ganzen Welt bewarben sich heftig um das gesamte Spektrum der Kunst aus dem  20. und 21. Jahrhundert“, so Brooke Lampley, Sotheby’s Chairman und neuer Worldwide Head of Sales for Global Fine Art.

    Das satirische Gemälde „George Washington Carver Crossing the Delaware: Page from an American History Textbook“ (1975) überrundete mit 15,3 Millionen Dollar seinen ohnehin schon ehrgeizigen Schätzpreis. Quelle: Cindy Ord/Getty Images North America/AFP; VG Bild-Kunst, Bonn 2021
    Robert Colescott

    Das satirische Gemälde „George Washington Carver Crossing the Delaware: Page from an American History Textbook“ (1975) überrundete mit 15,3 Millionen Dollar seinen ohnehin schon ehrgeizigen Schätzpreis.

    (Foto: Cindy Ord/Getty Images North America/AFP; VG Bild-Kunst, Bonn 2021)

    Ein asiatischer Bieter war bei Claude Monets seltenem Blumenstillleben „Fleurs dans un pot“ von 1878 zu 10,4 Millionen Dollar erfolgreich. Auch den Wettbewerb um den weiblichen Akt von Pierre-Auguste Renoir (um 1892), der einst in der Sammlung der legendären französischen Modeschöpferin Jeanne Lanvin hing, machten vier Hongkonger Agenten unter sich aus.

    Erst bei  4,25 Millionen Dollar (Taxe 1/1,5 Millionen Dollar) konnte Nicholas Chow, Chairman Asia, seine Bieternummer heben.  Auch Pablo Picassos Darstellung von Françoise Gilot als „Femme assise en costume vert“ (1953) wird bei 20.9 Millionen Dollar nach Asien reisen. Geschätzt war das Bildnis auf 14 bis 18 Millionen Dollar.

    Für eine der größten Überraschungen des Abends sorgte Robert Colescotts bekannte Satire auf Emanuel Leutze berühmtes Historiengemälde „Washington Crossing the Delaware“ (1851) im Metropolitan Museum of Art. Das oft ausgestellte  „George Washington Carver Crossing the Delaware: Page from an American History Textbook“ (1975) mit schwarzamerikanischer Besatzung schien mit der sehr ehrgeizigen Taxe von 9/12 Millionen Dollar nach den Sternen zu greifen. Colescotts Auktionspreise reichten nie über  912.500 Dollar hinaus.

    Aber Kayla Carlsen, Sotheby’s Chefin der Abteilung American Art, konnte erst bei erstaunlichen 15,3 Millionen Dollar zwei Mitbewerber abhängen. Als Käufer offenbarte sich kurz darauf das Lucas Museum for Narrative Art in Los Angeles, das vom Produzenten George Lucas und seiner Frau, der Investorin Melody Hobson gebaut und ausgestattet wird. Es soll 2023 eröffnen.

    Langes Gefecht um Banksy

    „Das Bild ist genau, was das Lucas Museum sucht“, so Direktorin Sandra Jackson-Dumont zum Magazin ARTnews, ”die ungehemmte Demontage von Oben und Unten. Es überbrückt Pop-Kultur und Geschichte.” 

    Auch bei Sotheby’s trieb die Akzeptanz von Digitalwährung Preisblüten. Um  Banksys Spraygemälde „Love is in the Air“ (2005) gab es sicher das längste Gefecht des Abends. Vier Bieter, zwei von ihnen waren mit Agenten in Hongkong verbunden, hoben es unter Applaus auf 12,9 Millionen Dollar. Die Taxe hatte bei höchstens 5 Millionen gelegen. Jackie Wachter, Sotheby’s Vertreterin in Kalifornien, konnte schließlich  zugreifen.

    Mehr: Non Fungible Token: Eine pfiffige Idee zum Gelddrucken oder innovative Kunst?

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