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Fürstliche Sammlungen Ausstellung in der Wiener Albertina zeigt die Schätze der Fürsten von Liechtenstein

Die Fürsten von Liechtenstein gehören zu den potentesten Sammlern weltweit. Die Adligen erwarben viel, mussten in Krisenzeiten aber auch veräußern.
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Mit seiner „Venus vor dem Spiegel“ (um 1615) bewies der Künstler einmal wieder, wie virtuos er Hautpartien malen konnte. Quelle: © LIECHTENSTEIN. The Princely Collections, Vaduz–Vienna
Peter Paul Rubens

Mit seiner „Venus vor dem Spiegel“ (um 1615) bewies der Künstler einmal wieder, wie virtuos er Hautpartien malen konnte.

(Foto: © LIECHTENSTEIN. The Princely Collections, Vaduz–Vienna)

WienMit spektakulären Neuerwerbungen haben die Fürsten von Liechtenstein in den letzten 15 Jahren immer wieder den Kunstmarkt belebt. Diese Ankäufe und das 300-jährige Gründungsjubiläum des Fürstentums sind der Anlass einer imposanten Ausstellung in der Wiener Albertina. Sie führt mit über 100 Exponaten die splendide Sammellust der Landesherren vor Augen. Es ist eine Sammelpolitik, die auch von Kunstverkäufen geprägt ist.

Die Sammelleidenschaft der Fürsten hat historische Wurzeln. Schon vor 400 Jahren haben die damaligen Reichsgrafen bedeutende Kunstwerke angekauft und in den folgenden Generationen wuchs der Bilder- und Skulpturenschatz, aber auch die Kunstgewerbesammlung zur bedeutendsten Privatkollektion Alter Kunst neben dem Kunstbesitz der englischen Könige.

Zäsur in der NS-Zeit

Schon gegen Ende des 16. Jahrhunderts war die Sammlung so berühmt, dass der in Prag residierende Kaiser Rudolph II. mit  Karl I. von Liechtenstein Kunstkammerstücke tauschen wollte und Künstler zu ihm sandte, um wichtige Gemälde kopieren zu lassen. Die lebensgroßen Bronzen „Christus im Elend“ und „Der heilige Sebastian“ des in Prag tätigen Manieristen Adrian de Vries, die zu den Höhepunkten der Wiener Ausstellung gehören, wurden schon in den ersten beiden Jahrzehnten des 17. Jahrhunderts von Karl I. angekauft. Als Hauptkäufer wichtiger Gemälde von Rubens und van Dyck trat Fürst Johann Adam Andreas I. (1662 – 1712) in Erscheinung. Er bediente sich bei seinen Ankäufen der Antwerpener Kunsthändlerdynastie Forchoudt, die in Wien eine Dependance hatte.

Auch in den folgenden zwei Jahrhunderten war die Sammelleidenschaft der Fürsten ungebrochen. Der Generalkatalog der Gemälde von 1878 nennt 1451 Bilder. Eine große Zäsur brachte das Jahr 1938, als die in Wien ausgestellte und 1896 von dem Berliner Museumschef Wilhelm von Bode katalogisierte Sammlung in die Emigration ins restaurierte Schloß in Vaduz wanderte.

Das Gemälde „Die Steuereintreiber“ entstand während der Finanzkrise der 1520er-Jahre in Antwerpen. Quelle: © LIECHTENSTEIN. The Princely Collections, Vaduz–Vienna
Quentin Massys

Das Gemälde „Die Steuereintreiber“ entstand während der Finanzkrise der 1520er-Jahre in Antwerpen.

(Foto: © LIECHTENSTEIN. The Princely Collections, Vaduz–Vienna)

Durch den Zweiten Weltkrieg erlitt das Fürstentum große Verluste. Ein beträchtlicher Teil der Ländereien und Güter in Böhmen und Mähren wurde von der tschechoslowakischen Regierung annektiert. Diese Verluste und der wirtschaftliche Niedergang der österreichischen Besitzungen machten eine Konsolidierung durch Kunstverkäufe nötig.

Unter größter Geheimhaltung wurden internationalen Museen Gemälde angeboten. Einer der wichtigsten Abnehmer war in den 1950er-Jahren die Nationalgalerie Kanada, die zehn Gemälde, darunter Werke von Rembrandt, Rubens, Memling und Filippo Lippi übernahm. Die Washingtoner Nationalgalerie erwarb einen Rubens, einen Gentileschi und zwei Chardins. Der größte Privatabnehmer war in dieser Zeit der Mailänder Verleger Mario Crespi, der einen Botticelli, vier Veduten Canalettos und eine Ansicht von Bellotto erwarb.

Millionen für Leonardo da Vinci

Als die ersten Verkäufe bekannt wurden, rissen die Angebote von Sammlern und Museen nicht ab. Sie konzentrierten sich auf das wichtigste Gemälde der Sammlung: das Porträt der Ginevra de Benci, das einzige Gemälde Leonardo da Vincis, das sich bis dato noch in Privatbesitz befand. Erst 1967 war Fürst Franz Josef II. bereit, sich von diesem Paradestück seiner Galerie zu trennen. Die Washingtoner Nationalgalerie erwarb es für die damals unerhörte Summe von 5 Millionen Dollar (22 Millionen DM).

Ein weiteres Hauptwerk der Sammlung war das 1969 für 12 Millionen DM an die Bayerische Staatsgemäldesammlung verkaufte Ganzköprer-Porträt des Barons van Heythuyzen von Frans Hals.

Ab Mitte der 1970er Jahre begann der regierende Fürst Hans Adam II. die Sammlung kontinuierlich zu erweitern. Das ist nicht zuletzt dem finanziellen Erfolg der LGT Bank zu danken, die im Besitz der fürstlichen Familie ist. Die Ankäufe kunsthistorisch herausragender Objekte steigerten sich nach dem Jahr 2000.

Das um 1616 entstandene Porträt der Clara Serena Rubens gehört zu den großartigsten Kinderporträts der europäischen Kunstgeschichte. Es zeigt die älteste Tochter des Künstlers im Alter von fünf Jahren. Quelle: © LIECHTENSTEIN. The Princely Collections, Vaduz–Vienna
Peter Paul Rubens

Das um 1616 entstandene Porträt der Clara Serena Rubens gehört zu den großartigsten Kinderporträts der europäischen Kunstgeschichte. Es zeigt die älteste Tochter des Künstlers im Alter von fünf Jahren.

(Foto: © LIECHTENSTEIN. The Princely Collections, Vaduz–Vienna)

Teuerste Erwerbung war das 2004 bei Christie's für 19 Millionen Pfund (24 Millionen Euro) ersteigerte „Badminton Cabinet“, ein mit Halbedelsteinen eingelegtes italienisches Prunkmöbel. Ein Jahr zuvor hatte der Fürst bei Sotheby's für 2,9 Millionen Pfund das Halbporträt eines Mannes von Frans Hals ersteigern lassen, das jetzt in der Ausstellung hängt, aber nur  ein schwacher Ersatz des 1969 veräußerten Ganzporträts des Haarlemer Künstlers ist.

Zur langen Liste der Neuerwerbungen der letzten 15 bis 20 Jahre gehört Sansovinos Bronze Johannes des Täufers, die Fürst Hans-Adam II. 2001 bei dem Londoner Händler Benjamin Katz erwarb, nachdem die schwarz patinierte Plastik ein Jahr zuvor, dem Umkreis von Sansovino zugeschrieben, für 377f000 Pfund versteigert worden war. Ein jüngerer Ankauf ist auch das Jacob Jordaens-Gemälde „Wie die Alten sungen“, das 2009 bei Piasa in Paris für 2,6 Millionen zugeschlagen wurde und von der Pariser Galerie Heim anschließend mfür 4,2 Millionen Euro angeboten wurde.

Wiener Meister des 19. Jahrhunderts

In der Reihe imposanter Gemälde Wiener Meister des 19. Jahrhunderts, die eine starke Gruppe innerhalb der Sammlung bilden, figuriert Friedrich von Amerlings „Mädchen mit Strohhut“, das 2008 im Wiener Dorotheum 1,3 Millionen Euro erlöste. Ein ausgesprochenes „Schnäppchen“ war dagegen Wilhelm von Schadows Porträt seines jungen Stiefbruders Felix Schadow, eine Ikone der Berlin/Düsseldorfer Malerschule, die 2007 bei Sotheby's 102.000 Pfund erzielte.

Zu den Neuankäufen gehört auch das Tafelbild gieriger Steuereintreiber von Quentin Massys, das 2008 vom regierenden Fürsten erworben wurde, nachdem es bei Sotheby's rund 2 Millionen Pfund erzielt hatte und ein Bronzerelief des von Michelangelo beeinflussten Florentiner Bildhauers Pierino da Vinci, das der Herzog von Devonshire für 10 Millionen Pfund angeboten hatte.

Noch im Jahr 2010 fand im Wiener Gartenpalais eine Ausstellung „Der Fürst als Sammler“ statt, in der vor allem Skulpturen, Handzeichnungen, Möbel und Kunstgewerbe die Hauptrolle spielten. Hier stand ein Roentgen-Sekretär, den die Galerie Neuse 2008 für 2,8 Millionen Euro angeboten hatte, neben seltenen Berliner Barock-Tapisserien, Bronzen des Renaissance-Protagonisten L'Antico neben Prunkservicen der Porzellanmanufakturen Wien und Sèvres.

Das Porträt der zweijährigen Prinzessin Marie Franziska von Liechtenstein (1836-1909) gehört zu den Glanzstücken der 19. Jahrhundert-Malerei. Quelle: © LIECHTENSTEIN. The Princely Collections, Vaduz–Vienna
Friedrich von Amerling

Das Porträt der zweijährigen Prinzessin Marie Franziska von Liechtenstein (1836-1909) gehört zu den Glanzstücken der 19. Jahrhundert-Malerei.

(Foto: © LIECHTENSTEIN. The Princely Collections, Vaduz–Vienna)

Auch auf dem Gebiet des Kunstgewerbes wird systematisch weitergesammelt. Im letzten Jahr ließ der Fürst bei Lempertz ein exzeptionelles Tee- und Kaffeeservice für zwei Personen der Berliner KPM im ägyptischen Stil für 60.000 Euro ersteigern.

An solchen Erwerbungen sieht man, dass sich Auktionsaktivität und im Handel abgesicherte Käufe wirkungsvoll ergänzen. Zu den von Fürst Hans-Adam II. frequentierten Kunsthändlern gehören Daniel Katz in London, die Wiener Galerie Sanct Lucas, Rudigier in München, Bednarczyk in Wien, Neuse in Bremen und Simon Dickinson in London.

Bei Dickinson hatte der Fürst 2006 ein Infanten-Porträt des spanischen Hofmalers Alonso Coello erworben, das der britische Staat anschließend mit Exportsperre belegte. Der Fürst sagte daraufhin eine für 2010 geplante Ausstellung der Sammlung Liechtenstein in der Londoner Royal Academy ab.

Die Sammlung auf Wanderschaft

Mit berechtigtem Stolz hat der kunstsinnige Fürst immer wieder auf seine Ankaufspolitik verwiesen, die ihn zu einer der wichtigsten Stützen des Kunstmarkts neben dem Getty Museum und der Emirate in Qatar und Dubai machen. Im  Jahr 2004 eröffnete mit großer Fanfare das Liechtenstein Museum im Gartenpalais im 9. Wiener Gemeindebezirk.

Hier wurde ein breiter Einblick in die Sammlung von Gemälden, Skulpturen und Möbeln der Renaissance und des Barock geboten. Das nicht weniger imposante Stadtpalais wurde für die Biedermeier-Sammlung hergerichtet.

Als die mit bis zu 200.000 Personen allzu hoch erwarteten  Besucherzahlen im Gartenpalais von 168.000 auf 45.000 sanken, entschloss sich der Fürst 2012, das Haus nur noch für Gruppen und Empfänge zu öffnen. Der Publikumswirksamkeit der Sammlung hat das keinen Abbruch getan, denn sie geht immer wieder auf noble Wanderschaft. Zuletzt im Jahr 2016 war sie in Bern und Aix-en-Provence ausgestellt. Das Spannende an diesen Auftritten ist, dass sich um berühmte Hauptwerke immer wieder Neuankäufe gruppieren, die als Stärkung des Kunstmarkts zu werten sind.

Die Ausstellung „Rubens bis Makart. Die fürstlichen Sammlungen Liechtenstein“ läuft bis zum 10. Juni in der Wiener Albertina, der Katalog kostet 32,90 Euro an der Museumskasse

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