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Galeriegründung Vom Premierminister zum Kunsthändler

Frankreichs Ex-Premierminister Dominique de Villepin eröffnet mitten in der Krise mit seinem Sohn Arthur eine Galerie in Hongkong.
30.05.2020 - 08:55 Uhr Kommentieren
Der französische Spitzenpolitiker liebt die Künste. Quelle: Sophie Palmer
Dominique de Villepin

Der französische Spitzenpolitiker liebt die Künste.

(Foto: Sophie Palmer )

Paris Frankreichs ehemaliger Premierminister Dominique de Villepin und sein Sohn Arthur sind ein fotogenes Duo. Beide sind weltgewandt, kunstaffin, verfügen über eine Privatsammlung und ein Beziehungsnetz, das über Kontinente reicht. Mitten in der Covid-19-Krise eröffneten der Politiker und sein Sohn Mitte März ihre Galerieräume in der ehemaligen britischen Kolonie Hongkong.

Die Kunstgalerie „Villepin Art“ befindet sich in der engen Hollywood Road, im Touristenviertel der Sieben-Millionen-Stadt. Dort ziehen Antiquitätenläden immer noch Kunstsinnige an. Ob aber auch die beste Lage einen retten kann, wenn in Coronazeiten der Kunstbetrieb fast zum Erliegen kommt?

Vater Dominique de Villepin setzt sich über die Corona-Einschränkungen hinweg und betont, dass nur europäische Galeristen in Hongkong den Betrieb einstellten; er habe keine Angst, im Gegenteil. Und das obwohl China die ehemalige Kolonie stärker an sich binden will und es Demonstrationen und Unruhen in der Stadt gibt.

„Ich kann nur sagen: Good luck!“, meint Mathias Rastorfer von der Züricher Galerie Gmurzynska. Die Galerie hatte Dominique de Villepin vor zwei Jahren zur Eröffnung einer Ausstellung von Wilfredo Lam als Vernissagen-Redner eingeladen, da der Maler zu dem Favoriten des Ex-Politikers gehört. „Wir bezahlten den Flug und das Hotel“, sagt Rastorfer.

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    Am Telefon erläutert das Vater-Sohn-Duo eloquent die Ausrichtung der Galerie. Sie soll nicht weniger als Kontinente und Kunstbereiche verbinden und definiert sich selbstbewusst als „Brücke der Künste“. Für das Galerieprogramm mit jährlich nur zwei Ausstellungen greift Arthur auf die Künstler zurück, die mit der Familie schon lange verbunden sind.

    Ihr Debut widmen die Quereinsteiger dem derzeit stark gefragten chinesisch-französischen Maler Zao Wou-Ki (1920–2013). Vater de Villepin hat bereits ein Buch über den abstrakten Maler verfasst und für den ersten Band von dessen Werkverzeichnis einen hundert Seiten langen Essay vorangestellt. Das erzählt Thierry Meaudre von der Librairie Lardanchet in Paris.

    Frankreichs Ex-Premier und sein Sohn Arthur haben in Hongkong eine Galerie gegründet. Quelle: Sophie Palmer; VG Bild-Kunst, Bonn 2020 für Zao Wou-ki
    Dominique und Arthur de Villepin

    Frankreichs Ex-Premier und sein Sohn Arthur haben in Hongkong eine Galerie gegründet.

    (Foto: Sophie Palmer; VG Bild-Kunst, Bonn 2020 für Zao Wou-ki)

    Die Eröffnungsschau trägt den etwas hochtrabenden Titel „Freundschaft und Versöhnung“. Warum Aussöhnung? „Es geht um die Versöhnung der Kulturen zwischen Europa und Asien,“ erläutert Vater de Villepin. Zao Wou-Ki kam 1948 nach Frankreich und begeisterte sich für die französischen Dichter. „Aber er lernte auch das abstrakte ‚Action painting‘ der Amerikaner kennen. Entscheidend aber wurde Zao Wou-Ki von Paul Klee beeinflusst, denn durch ihn fand er seine chinesischen Wurzeln wieder.“

    Der ehemalige Premierminister setzt sich gerne für die Kunst ein. Das bestätigt auch der ehemalige Direktor des Düsseldorfer Kunstpalasts, Jean-Hubert Martin: „Dominique de Villepin ist ein ausgezeichneter Kenner der zeitgenössischen Kunst“, urteilt der französische Kunsthistoriker.

    Spitzname DDV

    Politik war bislang das Leben von Dominique de Villepin. Der 1,91 große Mann ist ein brillanter, schlagfertiger Redner. Sein Talent brachte ihm nicht nur in Frankreich viel Erfolg. Nach einer Karriere im diplomatischen Dienst wurde er enger Mitarbeiter von Jacques Chirac, bekleidete von 2002 bis 2007 sukzessive die Ämter Außen-, Innen- und Premierminister.

    Noch heute ist der Franzose mit dem Spitznamen DDV vielen ein Begriff, wurde internationaler Anwalt, Lobbyist und Geschäftsmann. Er hält rund um den Erdball Vorträge, führt Finanz- und Immobilienfirmen. Deren Repräsentanz in Hongkong leitet sein Sohn.

    Ein Gedicht für Anselm Kiefer

    Sohn Arthur de Villepin ist seit Jahren in Hongkong ansässig und nach dem Poeten Arthur Rimbaud benannt. Der Vater stellt sich gern als Dichter und Freund der Poesie dar. Arthur studierte im englischen Bath internationale Beziehungen. Im Telefoninterview mit dem Handelsblatt erzählt er, dass man im Ministerhaushalt Villepin „Künstler, Dichter und Philosophen zum Essen bat, niemals Politiker. Kunst ist für uns lebenswichtig“.

    Der Galerist Thaddaeus Ropac kann das mit einer Anekdote bestätigen: „Als Dominique de Villepin Premierminister war, organisierte er ein exklusives Abendessen für Anselm Kiefer. Unser Gastgeber nahm sich extra ein paar Stunden frei, um zu Ehren des Künstlers ein Gedicht zu schreiben, das er bei Tisch vortrug“. Aus dieser Einladung entstand die Freundschaft zwischen dem Politiker und dem Künstler.

    Die Galerie mitten im Touristenviertel von Hongkong möchte Kontinente und Künste verbinden. Quelle: Winnie Yeung, Visual Voices; VG Bild-Kunst, Bonn 2020, für Zao Wou-Ki
    Villepin Art

    Die Galerie mitten im Touristenviertel von Hongkong möchte Kontinente und Künste verbinden.

    (Foto: Winnie Yeung, Visual Voices; VG Bild-Kunst, Bonn 2020, für Zao Wou-Ki)

    Sohn Arthur möchte in der neuen Galerie ab Herbst die „Zweite Pariser Schule“ mit Werken der gegenstandslos malenden Nachkriegskünstler Hans Hartung und Pierre Soulages zeigen, ergänzt um die jüngeren Positionen von Miguel Barcelo, Yan Pei-Ming und Anselm Kiefer. Befragt nach der Aufteilung der Verantwortlichkeiten, stellt Dominique de Villepin klar: „Ich bin nicht in die kommerzielle Seite der Galerie impliziert“. Was im Klartext heißt, dass er dem Sohn zwar den Steigbügel hält, der 31-Jährige aber eigenverantwortlich handelt.

    Türöffner für Herrscherpaläste

    Weil er für die geplante Ausstellung Leihgaben und Kommissionsware benötigt, erwägt Arthur die Zusammenarbeit mit dem Pariser Galeristen Franck Prazan. Der bestätigt auf Nachfrage einschlägige Pläne, betont aber, dass entsprechende Gespräche erst nach der Covid-19-Krise stattfinden werden.

    Bei Verhandlungen treten die Newcomer gemeinsam auf. Die in Jahrzehnten aufgebauten internationalen Kontakte des Vaters öffnen weltweit die Türen zu Galerien und Herrscherpalästen - zum Beispiel in Katar, wo die über die Kultur entscheidende Scheika Al-Mayassa bint Hamad bin Khalifa Al-Thani den Senior als ihren „zweiten Vater“ bezeichnet. Sie war während ihres Politikstudiums in Paris ein gern gesehener Gast der Familie Villepin.

    Vom Virus des Sammelns infiziert

    In Hongkong hat Arthur den Grundstock zur Verbreitung der „französischen Lebenskunst“ gelegt, eine weitere Ambition der Villepins. Er promotet französische Weine, die er mit Künstleretiketten auszeichnet. Seine Kunsthandels-Erfahrung sammelte er eher im niedrigen Preissektor. Er gründete und leitete die Fotogalerie-Filiale „YellowKorner“ in Hongkong sowie die Galerienkette „Carré d‘Art“. Diese bietet Kunst schon ab 84 Euro an.

    Interessanterweise sieht man auf der Homepage afrikanische Statuen und Masken in der Galerie stehen. Authentische Kultobjekte zur Dekoration oder Touristenware? „Das sind Objekte, die Arthur im Laufe der Jahre erwarb. Ich selbst habe viel Stammeskunst gesammelt, besonders aus Afrika.“ DDV ist in der marokkanischen Stadt Rabat geboren, sein Vater war Manager des Baustoffkonzerns Saint-Gobain und auf verschiedenen Auslandsposten stationiert. Die diplomatische Karriere von Dominique de Villepin fing in Afrika an. „Ich leide unter dem Laster – oder dem Virus – des Sammelns „.

    Mehr: Sammlerporträt: Dem Surrealismus auf der Spur

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