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Gegenwartskunst Sotheby's und Phillips leiden unter sparsamen Sammlern

Die New Yorker Auktionen für zeitgenössische Kunst liefern wenig Rekordpreise. Viele Schätzpreise sind nur schwer zu erreichen.
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Sotheby's versteigert hier gerade das Gemälde „Vignette 19”. Der Maler zählt zu den derzeit begehrten schwarzafrikanischen Künstlern. Rechts hinter dem Pult hängt das Toplos von Clifford Still, links Willem de Koonings Landschaft  „Untitled XXII“ von 1977. Quelle: Sotheby's; VG Bild-Kunst, Bonn
Kerry James Marshall

Sotheby's versteigert hier gerade das Gemälde „Vignette 19”. Der Maler zählt zu den derzeit begehrten schwarzafrikanischen Künstlern. Rechts hinter dem Pult hängt das Toplos von Clifford Still, links Willem de Koonings Landschaft  „Untitled XXII“ von 1977.

(Foto: Sotheby's; VG Bild-Kunst, Bonn)

New York Zwar konnten die Novemberauktionen über fünf Tage insgesamt 1,4 Millionen Dollar realisieren. Aber vor allem auf den wichtigen abendlichen Leitauktionen hielten sich Bieter auffällig zurück. Und Phillips’ Doppelspitze Jean-Paul Engelen und Robert Manley, 20th Century & Contemporary Art, analysierten nach der Abendauktion ihres Hauses am Donnerstag: „Wir beobachten einen zurückhaltenderen und anspruchsvolleren Markt. Käufer greifen aber immer noch bei wirklich herausragenden Werken zu.”

Überall mussten sich Auktionatoren und Spezialisten an den Telefonen in dieser Woche besonders ins Zeug legen, um die sehr beachtlichen Zuschlagsraten von durchschnittlich über 90 Prozent zu erzielen. Es wurde ihnen nichts geschenkt. Das wohl längste Duell der Woche spielte sich am Donnerstagabend in Sotheby’s Auktion für zeitgenössische Kunst ab.

Endloser Bietkampf

Da feilschten Grégoire Billaut, Head of Contemporary Art, und Yuki Terase, Head of Contemporary Art Asia, mit Sitz in Hongkong, um „PH-399” eines der selten angebotenen Gemälde von Clyfford Still. Es hatte zuletzt 1970 die Hände gewechselt. Schließlich, nach gefühlt schier endlosen fünfzehn Minuten, siegte der asiatische Bieter am Telefon bei 24,3 Millionen Dollar mit Aufgeld. Die Taxe hatte bei der Hälfte bis maximal 18 Millionen Dollar gelegen.

Käufer aus dem Fernen Osten waren überhaupt sehr aktiv bei Sotheby’s. Nicht nur die drei Toplose, Beispiele des Abstrakten Expressionismus, angeführt von Willem de Koonings Landschaft  „Untitled XXII“ von 1977, die der New Yorker Handler Robert Mnuchin eingeliefert hatte - Vater des derzeitigen US-Finanzministers Steven Mnuchin - wechselten in den Fernen Osten. Für Mark Rothkos Farbspiel „Blue over Red” von 1953 konnte Patti Wong, Chairman Asia, ihren Klienten am Telefon zum Einsatz bewegen. Er blieb aber der einzige Interessent und erhielt den Zuschlag noch unter der Taxe bei 23 Millionen Dollar. Mit Aufgeld waren das 26,5 Millionen Dollar. 

Außerordentlicher Preisanstieg

Wieder war vor allem Sotheby’s mit allein neun Losen (von angebotenen 50) auf dem bisher vernachlässigten Markt für schwarzamerikanische Künstler aktiv und sehr erfolgreich. Internationale Beteiligung und starke Preise gab es auch für nicht leicht verdauliche Arbeiten wie „Ye Shall Inherit the Earth” (1953), die sich um einen berühmten Justizskandal in den Fünfzigerjahren drehte. Er mobilisierte die schwarze Bürgerrechtsbewegung.

Diese große Kohlezeichnung des einflussreichen kalifornischen Lehrers Charles White war noch im Sommer Teil seiner eindrucksvollen MoMA-Retrospektive; nun stritten sich sechs Bieter bis zum Rekordpreis von 1,8 Millionen Dollar. Die Taxe lag bei 500.000 bis 700.000 Dollar. Auch die Preise des Marktdarlings Kerry James Marshall zeichnen weiterhin Volten. „Vignette 19”, im Entstehungsjahr 2014 für einen Bruchteil bei seinem Galeristen Jack Shainman gekauft, kletterte jetzt auf 18,5 Millionen brutto, immerhin sein zweitbestes Ergebnis. 

von Phillips in New York während der Versteigerung von zeitgenössischer Kunst. Rechts hinter dem Auktionator hängt Basquiats Boxerbild „The Ring”. Quelle: Phillips; VG Bild-Kunst, Bonn
Im Auktionssaal

von Phillips in New York während der Versteigerung von zeitgenössischer Kunst. Rechts hinter dem Auktionator hängt Basquiats Boxerbild „The Ring”.

(Foto: Phillips; VG Bild-Kunst, Bonn)

Bei Phillips wurden am 14. November für 40 Lose 108 Millionen Dollar eingehämmert. Das bedeutet ein Plus von 22 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Als Toplos bestätigte Jean-Michel Basquiats Boxerbild „The Ring” in Rottönen bei 15,03 Millionen mit Aufgeld die Erwartung. Sie wurden von der Kunstberaterin Abigail Asher im Saal bewilligt. Ein solider Gewinn für den Einlieferer, der das Bild im Mai 2012 bei Sotheby’s zu 7,6 Millionen Dollar erstanden hatte. Aber meist umspielten die Hammerpreise das untere Ende der Erwartungen. 

Die wahren Gefechte spielten sich wieder auf dem Mittelmarkt und den überaus erfolgreichen Tagesauktionen ab. Der Mittelmarkt zeige, so Phillips’ Expertin Rebekah Bowling, „exponentielles Wachstum”. Bei Phillips gab es einen 58 Prozent Zuwachs gegenüber dem Vorjahr, und das nicht zum ersten Mal. 

Unscheinbar, aber teuer

Sotheby’s vermittelte erfolgreich das gerade an die Erben des Kunsthändlers Jacques Goudstikker restituierte Frühwerk Vincent van Goghs, „Paysan brûlant de mauvaises herbes”. Ganze 3,1 Millionen Dollar wurden für das eher unscheinbare kleine Format in einer Altmeisterpalette bewilligt. Hier legten das van Gogh Museum und das Drents Museum in der niederländischen Provinz Drenthe zusammen, in der das Werk 1883 entstanden war.

Erfolge bei beiden Häusern feierte die japanisch-amerikanische Bildhauerin Ruth Asawa, deren poetische, elegante Drahtskulpturen sehr gesucht sind. Ihren erstaunlichen neuen Rekord setzte die komplexe dreiteilige Arbeit „Hanging three Separate Layers of Three-Lobed Forms” von etwa 1955 bei 4,09 Millionen Dollar. Noch vor acht Jahren hatte sie am selben Ort gerade einmal 146.500 Dollar gekostet.

Auch Spekulanten kamen auf ihre Kosten: Ein asiatischer Sammler belohnte das Auktionsdebüt des 35-jährigen Kenianers Michael Armitage bei Sotheby’s gleich mit dem 20-fachen der Erwartung, nämlich 1,5 Millionen Dollar, für sein Ölbild „The Conservationists” von 2015. Von Armitage sind derzeit acht Gemälde in seiner „Projects”-Ausstellung im New Yorker MoMA zu sehen.

Umsätze und Zahlen:

Phillips: 20th Century & Contemporary Art Evening Sale (14.11.2019) : 108,1 Millionen Dollar für 40 Lose (von 42 angebotenen)

Verkauf nach Losen: 95 Prozent; Nach Wert: 98 Prozent

Sotheby’s: Contemporary Art (14.11.2019): 270.7 Millionen für 46 Lose (von 50 angebotenen)

Verkauf nach Losen: 92 Prozent; Nach Wert: keine Angaben

Mehr: Impressionismus, Moderne und zeitgenössische Kunst: Lesen Sie hier, wie die Abendauktionen bei Christie's und Sotheby's zu Beginn der letzten Auktionswoche gelaufen sind.

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