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Gillian Wearing Verwandlung mit Silikonmasken

Die britische Konzeptkünstlerin Gillian Wearing will mithilfe von Silikonmasken den Betrachter verunsichern. Die Kunstsammlung NRW zeigt eine Werkschau der Britin. Ihr subtiler Horror geht unter die Haut.
14.10.2012 - 17:22 Uhr Kommentieren
Gillian Wearing: Sixty Minute Silence, 1996, Video (Projektion), Farbe, Ton, 60í, © the artist, courtesy Maureen Paley, London, 2012 Quelle: the artist, courtesy Maureen

Gillian Wearing: Sixty Minute Silence, 1996, Video (Projektion), Farbe, Ton, 60í, © the artist, courtesy Maureen Paley, London, 2012

(Foto: the artist, courtesy Maureen)

Düsseldorf Ein junger Mann im adretten Businessanzug blickt freundlich in die Kamera. In beiden Händen hält er ein weißes Blatt Papier, auf dem von Hand geschrieben steht: "I'm desperate." Spontan will man das als Kommentar zur aktuellen Finanzkrise lesen. Oder ist die eingestandene Verzweiflung doch eher privater Natur? Aber ist der Geschäftsmann überhaupt aufrichtig, oder lügt er und spielt eine inszenierte Rolle?

Es sind solche Fragen zu Identität und öffentlichen Rollen, zu Masken der Existenz, dem Graubereich zwischen privatem und gesellschaftlichem Leben, zwischen Authentizität und Künstlichkeit, die sich durch das ganze Werk der britischen Künstlerin Gillian Wearing ziehen. Tatsächlich ist das Foto-Porträt des scheinbar oder wirklich Verzweifelten beinahe zwanzig Jahre alt. Die heutige Finanzkrise lag noch in weiter Ferne, dafür laborierte man in Großbritannien damals gerade an der Pfund-Krise, an deren Ende das Vereinigte Königreich aus dem Europäischen Währungssystem ausstieg.

Der junge Mann ist Teil einer 600 Fotos umfassenden Porträt-Serie von zufällig ausgewählten Passanten mit dem umständlichen Titel "Signs that say what you want them to say and not Signs that say what someone else wants to say", mit der die britische Künstlerin Gillian Wearing seinerzeit berühmt wurde.

48 dieser kleinformatigen Fotoarbeiten zeigt die Düsseldorfer Kunstsammlung zum Auftakt der Schau, die erstmals das Werk der in Birmingham geborenen Künstlerin in Deutschland mit einer Einzelausstellung würdigt. Wearing wird zur Gruppe der gefeierten "Young British Artists" gezählt, die in den 1990er-Jahren mit einigem Getöse die Kunstwelt eroberten. Ihr insistierender Tonfall unterschied sich jedoch schon damals von den ungleich plakativeren Gesten ihrer Mitstreiter Damien Hirst oder Tracey Emin. Wohl auch deshalb ist der Marktwert von Wearings Werken nie in derart schwindelnde Höhen geklettert wie etwa die Fabelpreise Damien Hirsts. Großformatige Fotos von ihr erreichten in kleiner Auflage bislang laut Artnet Auktionspreise von bis zu 45 000 Dollar.

Wearings Arbeiten sind höchst subtil komponiert, sie schillern irritierend zwischen dokumentarischer Genauigkeit und verfremdender Inszenierung. Und verstören damit umso nachhaltiger, zumal Wearing ihre Arbeiten nicht mit Kommentaren versieht und den Betrachter mit seiner Deutung allein lässt.

Erst beim langen Betrachten werden Veränderungen deutlich
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