Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Grafik Wie Logos zu Firmenbotschaftern werden

Die Marke ist so wichtig wie das Produkt. Das brachten Deutschlands einflussreichste Grafiker Anton Stankowski und Karl Duschek großen Firmen bei.
19.06.2020 - 03:36 Uhr Kommentieren
Markenzeichen der 1970er- bis 2000er-Jahre Quelle: Meike Gatermann und Stankowski-Stiftung / Zusammenstellung: Gerwin Schmidt, 2019
Grafisches Atelier Stankowski + Duschek

Markenzeichen der 1970er- bis 2000er-Jahre

(Foto: Meike Gatermann und Stankowski-Stiftung / Zusammenstellung: Gerwin Schmidt, 2019)

Berlin Jeder kennt sie: die Logos der Deutschen Bank, der Messe Frankfurt oder der Vereinten Versicherungen. Dass sie alle aus dem Grafischen Atelier Stankowski + Duschek stammen, wissen die wenigsten. Vier Gründe warum sich ein neu erschienenes Buch lohnt und eine gut gemachte Ausstellung am Kulturforum in Berlin mit einem Blick in den Entstehungsprozess lockt.

Wo Marken Geschichte schreiben Die in Stuttgart ansässigen Pioniere des deutschen Grafikdesigns, Anton Stankowski und Karl Duschek, haben Kaufhausketten, Kunsthallen, Supermärkte und Firmen betreut. So viele und so prägend, dass sich ihr Schaffen wie eine kurzgefasste Wirtschaftsgeschichte lesen lässt. Das vermittelt sich in vielen Fotos, Entwürfen und Produkten.

Senior Anton Stankowski (1906 -1998) kannte sich gut aus in der Kunst. Denn er hatte in den 1930er-Jahren Kontakt zu den sogenannten Schweizer Konstruktiven. Bei denen stehen nicht Darstellung oder Narration, sondern Form und Farbe im Mittelpunkt ihrer Bildgestaltung.

1951 eröffnete Stankowski sein eigenes Büro in Stuttgart. Es wurde schnell zu einer der wichtigsten Stimmen in der Werbegrafik der jungen Bundesrepublik. Für IBM entwarf er das Erscheinungsbild. Für SEL, ein schwäbisches Unternehmen für Nachrichtentechnik, entwickelte Stankowski 1954 ein charakteristisches Logo: Strahlenbündel in hellblau, die an das Senden und Empfangen von Funksignalen erinnern.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Verstehen wie Marken wirken Logos sind zwar klein, aber sie haben Macht. Sie prägen das Bild eines ganzen Unternehmens nach außen. Sie fassen mit wenigen Formen zusammen, worum es in der Quintessenz geht. Wenn Logos exzellent sind, verkörpern sie das Wesen eines Unternehmens über viele Jahrzehnte.

    „Eine gute Marke muss knapp wie ein Telegramm sein, Signalwert haben und zeitlos sein“. So umriss Anton Stankowski seinen Anspruch. 1965 beauftragte der Unternehmer Hans Viessmann ihn, ein neues Markenzeichen zu gestalten. Stankowski fand für die Wortmarke die beiden übereinandergestellten Buchstaben „S“ in lebhaftem Orangerot. Das Doppel-S im Firmennamen erinnert bis heute an die Röhren der Heiz- und Kühlsysteme der Klimatechniker.

    Zu einer Zeit als nur Weltmarken wie IBM oder Olivetti Handbücher für ihr gesamtes Corporate Design einsetzten, entwickelte Stankowski 1967 für Viessmann Richtlinienbroschüren. Drucksachen, Geschäftspapiere, Schilder, Beschriftungen, Plakate, Anzeigen sorgten so für eine einheitliches Erscheinungsbild.

    Das erfolgreiche Grafiker-Duo um 1980 Quelle: Meike Gatermann und Stankowski-Stiftung / Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek, Nachlass Stankowski + Duschek
    Anton Stankowski und Karl Duschek

    Das erfolgreiche Grafiker-Duo um 1980

    (Foto: Meike Gatermann und Stankowski-Stiftung / Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek, Nachlass Stankowski + Duschek)

    In Karl Duschek (1947-2011) hatte Stankowski 1972 einen kongenialen Nachfolger gefunden. Wie der Gründer war auch der Mitarbeiter, Geschäftsführer und ab 1981 Partner ein Künstler – gleichfalls mit einer Vorliebe für „Konkrete Kunst“. „Beide gingen das Leben entspannt an, konnten gut querdenken und waren gerne Macher,“ erinnert Meike Gatermann, Duscheks Witwe, an die Basis des gegenseitigen Vertrauens. Logos, Leitsystems und Corporate Identities entwickelte Duschek für alte und neue Kunden. „Finden, vereinfachen, versachlichen, vermenschlichen“, lautete seine Devise.

    Was Quadrate alles verraten Als Karl Duschek zu Anton Stankowski stieß, war das Atelier gerade mit einem neuen Logo für die Deutsche Bank befasst. Das Quadrat verwenden Stankowski + Duschek fortan oft. Als Markenmotiv steht es grundsätzlich zu für Stabilität und Eindeutigkeit.

    Der Schrägbalken im Logo der Deutschen Bank deutet die „zukunftsorientierte Dynamik“ der Geldgeschäfte an. Der Balken wirkt zwar symmetrisch, ist aber asymmetrisch. „Der gestalterische Kniff des Zeichens ist die Position,“ schreibt Christian Rummel, Markenverantwortlicher der Deutschen Bank AG, im Katalog. „Sein Winkel folgt nicht den zu erwartenden 45 Grad, sondern ist um 53 Grad geneigt.“

    Diese Abweichung sei ein „anarchistisches Moment“, das das Atelier gern einfüge, bemerkt Anita Kühnel, die ehemalige Direktorin der Kunstbibliothek, in einem anderen Katalogaufsatz. Das Logo hat sich bewährt. Es ist weltbekannt und immer noch, seit 1974 in Gebrauch.

    Knifflig war die Aufgabe, ein Logo der Konkurrenz zu überarbeiten. Die Firma Walter Landor Ass. aus Kalifornien hatte 1981 der Messegesellschaft in Frankfurt/Mail ein Logo aus vier Quadraten geliefert. Doch der Entwurf vermochte nicht, vollständig zu überzeugen. Die Messe bezog Stankowski + Duschek mit ein. Die fanden die Lösung. Den Weg dorthin veranschaulichen Ausstellung und Buch mit einer Präsentationstafel. Auf ihr sind die elegant mit Größenverhältnissen spielenden Gemälde von Kasimir Malewitsch, Piet Mondrian und Josef Albers abgebildet. Die Idee der Proportion übernahmen die Grafiker, die sich gut auskannten in der Kunstgeschichte, für das heute noch gültige Logo der Frankfurter Messe.

    Ein innerer Bezugsrahmen und wechselnde Größenverhältnisse symbolisieren in dem überarbeiteten Logo die Servicebereitschaft der Messe, ihr flexibles Handeln in geordneten Rahmen. Gebrochene Primärfarben stehen bis heute für Zuverlässigkeit und Flexibilität. Das Beispiel macht deutlich, wie sehr die Stankowski und Duschek Ästhetik immer als Ordnung begriffen.

    Das Logo der Deutschen Bank AG als Lamellenobjekt mit Op-Art-Effekt Quelle: Meike Gatermann und Stankowski-Stiftung / Foto: Dietmar Katz
    Grafisches Atelier Stankowski + Duschek

    Das Logo der Deutschen Bank AG als Lamellenobjekt mit Op-Art-Effekt

    (Foto: Meike Gatermann und Stankowski-Stiftung / Foto: Dietmar Katz)

    Wie Bilder zu Dolmetschern werden Karl Duschek arbeitete mit mathematischen Rastern und Proportionen. 1992 entstand aus der Frankfurter Wertpapierbörse die Deutsche Börse. Für sie entwickelte Duschek eine aufsteigende Aktienkurve aus einem fünfteiligen Band in zwei Blautönen. Hier wird das Bild zum Dolmetscher über das Wesen der Börse: Ein Auf und Ab mit insgesamt steigender Tendenz. Für Hauspostumschläge, Notizzettel und Urkundenpapier setzte Duschek Varianten der abknicken Kurve für das Corporate Design ein.

    Die Kunstbibliothek am Kulturforum der Staatlichen Museen zu Berlin bekam den Firmennachlass 2012 geschenkt. Sie hat ihn erschlossen und wissenschaftlich bearbeitet. 300 Exponate führen in der nach einer Coronapause wiedereröffneten Ausstellung im Kunstforum am Matthäikirchplatz Ideenfindung und Entwurfsprozesse aufs Schönste vor Augen.

    Wer wissen möchte, welche Überlegungen hinter Stankowski + Duscheks Markenzeichen und Erscheinungsbilder standen, sollte zum Begleitbuch greifen. Der Einblick in die Wirtschaftsgeschichte als Designgeschichte ist durchaus unterhaltsam. Auch Rewe war Kunde oder der Stadtstaat Berlin. Seit 1969 nutzt Berlin auf allen grafischen Produkten der Stadt die Wortmarke aus Stuttgart. Bis heute.

    „Das Grafische Atelier Stankowski + Duschek“: Begleitbuch im Kettler Verlag 224 Seiten, 38 Euro im Buchhandel. Die Ausstellung „Marken:Zeichen. Das Grafische Atelier Stankowski + Duschek“ läuft bis 16. August in der Kunstbibliothek am Kunstforum, Matthäikirchplatz 6, Berlin.

    Mehr: Auktionen in New York: Sotheby's und Christie's wollen auch die Top-Lose online versteigern

    Startseite
    Mehr zu: Grafik - Wie Logos zu Firmenbotschaftern werden
    0 Kommentare zu "Grafik: Wie Logos zu Firmenbotschaftern werden"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%