Grisebach-Benefizauktion Anschub fürs Exilmuseum – Bernd Schultz' Privatsammlung erzielt 6,5 Millionen Euro

Die Versteigerung der Privatsammlung des Kunsthändlers Bernd Schultz erzielte eine ordentliche Bilanz. Der Erlös kommt der Exilkunst zugute.
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Auktionator Stefan Körner stellt bei der Versteigerung der Sammlung des Kunsthändlers Bernd Schultz ein Werk den Sammlern vor. Quelle: dpa
Versteigerung der Sammlung von Bernd Schultz

Auktionator Stefan Körner stellt bei der Versteigerung der Sammlung des Kunsthändlers Bernd Schultz ein Werk den Sammlern vor.

(Foto: dpa)

BerlinBrutto 6,5 Millionen Euro: das ist die stattliche Auktionsbilanz von rund 300 Zeichnungen der Sammlung Bernd Schultz. Als „großen Baustein für die Gründung des Museums“ bezeichnet der Gründer des Auktionshauses Grisebach diesen Betrag, der in seinem Haus erlöst wurde.

Schultz spendet die Zuschlagssumme und den Erlös weiterer Kunstverkäufe dem in Berlin geplanten Exilmuseum. Zusammen mit den Nachverkäufen wird das einen Betrag zwischen sechs und sieben Millionen Euro ergeben.

Breites Interesse, das sich in starken Telefongeboten, reger Internetbeteiligung, auch in Geboten aus dem dicht gefüllten Saal niederschlug, würzte die Sitzungen. Deutlich wurde, dass diese Auktion und die in 8.000 Exemplaren gedruckten Kataloge ein starkes Bewusstsein für die Zeichnung wecken konnten. Über 90 Prozent der ausgebotenen Werke gingen an Privatsammler.

Schon im Parcours der Abteilung Alter Kunst gab es viele Überraschungszuschläge, angefangen von den brutto 12.500 Euro, die eine dramatische Federzeichnung „Allegorie auf den Untergang der Malerei“ durch Gebote eines deutschen Museums (Nachfolger von Jacques de Gheyn III, Taxe 2.000) erzielte, bis zu den brutto 70.000 Euro (Taxe bis 40.000), die ein norddeutscher Sammler für ein miniaturhaftes Bleistiftporträt Friedrich des Großen von Adolph Menzel einsetzte.

Auch ein markantes Knabenporträt des Zürichers Martin Zeller konnte mit 42.500 Euro dank Schweizer Privatgebot seine Schätzung stark überrunden. Mit 56.250 Euro wurde von einem Berliner Sammler eine Baumlandschaft des Amsterdamers Adam Pynacker bedacht, die auf maximal 30.000 Euro angesetzt war.

Teuerstes Los dieser Abteilung wurde mit 356.250 Euro Henri de Toulouse-Lautrecs Ölzeichnung „Snobisme ou Chez Larue“ von 1897, die 2015 bei Koller bei ähnlichem Schätzpreis zurückgegangen und noch 2000 in der Galerie Pels-Leusden mit 800.000 Dollar beziffert war. Der jetzige Zuschlag ist Spiegel eines auch für die Graphik des französischen Fin de Siècle-Malers gültigen Preisverfalls.

Angemessene 118.750 Euro bewilligte ein Schweizer Sammler für die Degas-Skizze eines von hinten gesehenen Reiters. Der Londoner Handel setzte 87.500 Euro für ein Frauenporträt in Bleistift von Jean-Auguste-Dominique Ingres mit der Provenienz des Händler-Sammlers Jean Krugier ein. Denselben Preis erzielte Antoine Watteaus feine Rötelzeichnung eines sitzenden jungen Mannes durch Pariser Handelsgebot.

Glanzpunkt der Auktion: Käthe-Kollwitz-Zeichnungen

In der Sektion moderner und zeitgenössischer Werke lief es trotz einiger Ausfälle (Picasso, Corinth, Kokoschka) exzellent. Zu den Glanzpunkten der Auktion gehörten fünf Zeichnungen von Käthe Kollwitz, von denen vier an denselben rheinischen Privatsammler gingen: „Tod wird als Freund erkannt“ für 62.500 Euro, das Selbstbildnis im Profil von 1923 für 125.000 Euro, der „Märzfriedhof“ für 56.250 Euro und die emotional aufwühlende Kohle- und Bleistiftzeichnung „Abschied“ von 1910 zum Spitzenpreis von 437.500 Euro. Das Kölner Kollwitz-Museum sicherte sich für 125.00 Euro das Kreideblatt „Der Tod greift nach den Kindern“.

Schon das erste Los dieser Auktion, Edvard Munchs Lithographie „Die Brosche. Eva Mudocci“, war ein Selbstläufer. Es schnellte durch Gebote eines norddeutschen Sammlers von 40.000 auf 143.750 Euro. Für die Bleistiftzeichnung einer Perserin von Henri Matisse bot ein Schweizer Sammler 250.000 Euro. In Berliner Privatbesitz wandert ein 1920 datiertes Kreide-Selbstporträt von Oskar Kokoschka für 362.500 Euro. Das ausdrucksstarke Blatt war 1996 in der Galerie Pels-Leusden mit 340.000 D-Mark beziffert.

Die bewegende Totenklage einer Mutter erzielte mit 437.500 Euro den höchsten Zuschlag. Quelle: Grisebach
Käthe Kollwitz „Abschied“

Die bewegende Totenklage einer Mutter erzielte mit 437.500 Euro den höchsten Zuschlag.

(Foto: Grisebach)

Weniger euphorisch wurden die Arbeiten von Lovis Corinth bewertet. Immerhin erlöste ein spätes Blumenaquarell 125.000 Euro, und der Bremer Händler, der 1990 ein Selbstbildnis in Kreidetechnik für 145.000 D-Mark angeboten hatte, erwarb es jetzt für 62.500 Euro zurück. Von Picassos Aquatinta-Porträts seiner Lebensgefährtin Françoise Gillot ging eines zurück, das andere, die „Femme‧ à la fenêtre“, wurde für 187.500 vom New Yorker Handel übernommen.

Imposant sind die 231.250 Euro, die ein Berliner Sammler in eine Aktzeichnung von Alberto Giacometti investierte. Das 1959 datierte Blatt hatte 2013 bei Christie’s 110.000 Pfund (damals knapp 130.000 Euro) eingespielt. Einen Aufschwung für Ernst Wilhelm Nay bescherten zwei Aquarelle der fünfziger und sechziger Jahre, die für 112.500 Euro und 72.500 Euro in deutsche Privatsammlungen wanderten.

Von den drei Umrisszeichnungen von Andy Warhol fand nur eine, dafür aber für starke 50.000 Euro, einen Käufer. Es ist die „Hand mit Zeichenfeder“, eine auf dem Katalogdeckel prangende Ikone dieser für einen hohen Zweck aufgelösten Sammlung.

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