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Grisebach Kunstauktionen Der neue Abteilungsleiter will Kunst zum Erlebnis machen

Georg Ottomeyer ist Grisebachs neuer Mann für die „Orangerie“. Dieses Auktionsformat bietet einen Mix von der Antike bis zum Design von heute.  
13.08.2020 - 07:52 Uhr Kommentieren
Georg Ottomeyer übernimmt im Auktionshaus Grisebach die „Orangerie“, die Abteilung für die angewandte und die Alte Kunst. Foto: Grisebach GmbH Quelle: Grisebach
Neuer Experte

Georg Ottomeyer übernimmt im Auktionshaus Grisebach die „Orangerie“, die Abteilung für die angewandte und die Alte Kunst. Foto: Grisebach GmbH

(Foto: Grisebach)

München Seit Juli leitet Georg Ottomeyer, 36 Jahre alt, die „Orangerie“ im Berliner Auktionshaus Grisebach. Was ambitionierte Boutiquebesitzer unter dem Begriff Concept Store verstehen, überträgt Grisebach in dieser Sparte auf Antiquitäten und Kunst. Das Berliner Versteigerungshaus mischt dabei erlesene Kunst gattungsübergreifend zu Auktionen mit weitem Spektrum, die einen roten Faden haben: Jedes Los ist ein Stilbekenntnis.

Für die ambitionierten Orangerie-Auktionen Objekte mit Geschichte und Geschichten aufzutreiben ist eine Herausforderung. Doch Ottomeyer trägt einen prominenten Namen.

Dass Grisebach sich für Georg Ottomeyer entschied, hat gewiss nicht nur mit dem Stallgeruch zu tun. Als Sohn von Hans Ottomeyer, Ex-Museumsdirektor in Kassel und Berlin, Autor von Möbel-Standardwerken sowie gefragter Juror auf Kunstmessen, hat der Junior bereits als Kind erste Lektionen im Analysieren von Kunstwerken bekommen.

Der Kunsthistoriker bringt noch weitere Qualitäten mit, die sich wohl jedes Auktionshaus wünschte: Er ist charmant und kommunikativ. Ottomeyer hat neben einem positiv-kritischen Blick auf den Kunstmarkt jahrelange praktische Erfahrungen im Umgang mit Kunst. Für die BR-Sendung „Kunst und Krempel“ hat er hinter den Kulissen recherchiert.

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    Als Partner des Kunstsachverständigenbüros „Poschinger, Ottomeyer, Fuchs und Partner“ sind Werke aller Gattungen und Epochen durch seine Hände gegangen. Und aus dem pleitegegangenen Livestream-Auktionshaus Auctionata hat er noch eine andere Erkenntnis mitgenommen: „Den Kunstmarkt kann man nicht skalieren durch extremes Investment von Fremden, wenn das eigene Konzept schwach ist.“

    Die Bauhaus-Versteigerung im letzten Jahr war ein Erfolg. Hier Freischwinger von Mies van der Rohe, Schachfiguren von Josef Hartwig und eine Lithografie von Laszlo Moholy-Nagy. Foto: Denise Bodden Quelle: VG Bild-Kunst Bonn 2020 für J. Hartwig und M. van der Rohe
    Themen-Auktion

    Die Bauhaus-Versteigerung im letzten Jahr war ein Erfolg. Hier Freischwinger von Mies van der Rohe, Schachfiguren von Josef Hartwig und eine Lithografie von Laszlo Moholy-Nagy. Foto: Denise Bodden

    (Foto: VG Bild-Kunst Bonn 2020 für J. Hartwig und M. van der Rohe)

    Ottomeyers Vorgänger Stefan Körner hatte die Sparte in sieben Jahren zu einem Solitär in der deutschen Auktionslandschaft gemacht. Eleganz, Kühnheit und ästhetischer Aufbruch verbinden zum Beispiel eine Venus des Renaissance-Malers Hans Rottenhammer mit einem Paar Beistelltische von George Nelson aus den Fünfzigern oder dem Nachlass des sehr elitären 20er-Jahre-Silberschmieds Emil Lettré – jedes Los ein Höhepunkt für den Kenner.

    Nicht zu unterschätzen: Die grafisch aufwendigen Orangerie-Kataloge wurden mit Essays aus prominenter Feder und Fotostrecken zum mondän-intellektuellen Werkzeug der Warenpräsentation.

    Kostspieliges Prestigeobjekt

    Für Grisebach ist die „Orangerie“ Erfolgsmodell und Prestigeobjekt zugleich. Es liegt nahe, den eingeschlagenen Kurs auch mit Georg Ottomeyer fortzusetzen. Und zwar nicht allein wegen der drei bis vier Millionen Euro Umsatz, die die unumstritten kostspielige „Orangerie“ jährlich einbringt. Sie ist auch ein Marketinginstrument für das auf moderne und zeitgenössische Kunst spezialisierte Haus.

    „Wir erreichen dadurch Sammler aus der Modebranche, aus dem Architekturbereich, Designkenner, die alle auch im Bereich der Bild-Kunst Interesse zeigen und mit denen wir auf diese Weise Beziehungen aufbauen,“ sagt Geschäftsführerin Diandra Donecker dem Handelsblatt.

    Georg Ottomeyer vergleicht seine Sparte übrigens mit einem Schnellboot, das sich flink und wendig zwischen Gattungen und Genres bewegen kann. Die Auktion „Bauhaus for ever!“ im letzten Jahr hat gezeigt, wie erfolgreich man Fotografie, Design, Grafik, Stoffentwürfe und Eierkocher aus Jenaer Glas unter einem gemeinsamen Motto vermarkten kann. „Ich stehe hundertprozentig hinter dem Format ‚Orangerie‘, aber es wird eine andere Handschrift bekommen und meine persönliche Sicht auf die Kunst wiedergeben“, bekennt er im Gespräch.

    Abgesehen von der unternehmerischen Seite ist die „Orangerie“ für ihn „eine Inszenierungsfläche und ein Konversationsstück“, in der Kunst neu erlebt und bewertet werden kann. Dass viele Auktionen mit Alter Kunst und Antiquitäten heute schwache Umsätze generieren, ist für Ottomeyer schnell erklärt: Sie verkaufen heute im selben Stil das, was vor dreißig Jahren gesammelt wurde.

    Themen-Auktionen sollen deshalb unter seiner Leitung an Bedeutung gewinnen. „Denn in einer Welt der sich verdichtenden Daten und Bilder stellen die kuratierten Angebote den roten Faden für Qualität und Bedeutung dar und offenbaren neue Zusammenhänge sowie neue Sammlertrends.“ Momentan beschäftigt ihn die Akquise für die Herbst-Orangerie Ende November. Denn so wichtig die theoretischen Überzeugungen sind, über den Erfolg entscheidet letztlich die Begehrlichkeit des Angebots.

    Mehr: Auktionen bei Grisebach: Telefonbieter sorgen für Jagdfieber

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