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Grünes Gewölbe in Dresden Größter Kunstdiebstahl der modernen Geschichte – „Wir sind schockiert von der Brutalität“

Der geschätzte Wert der aus dem Grünen Gewölbe in Dresden gestohlenen Steine liegt bei bis zu einer Milliarde Euro. Dennoch sind die Stücke zugleich so gut wie wertlos.
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Grünes Gewölbe in Dresden: Der größte Kunstraub der Geschichte
Weltbekannt für seine Schätze

Das Juwelenzimmer des Grünen Gewölbes im Dresdener Residenzschloss.

Düsseldorf, Berlin Hollywood kennt den Plot: Kurz vor dem Karriereende wird der Held noch einmal mit einem besonders kniffligen oder gefährlichen Fall konfrontiert. Professor Dirk Syndram ist 64 Jahre alt. In einer normalen Berufslaufbahn stände nächstes Jahr die Pensionierung an.

Als Museumsleiter ist in der verbleibenden Zeit normalerweise wenig Spektakuläres zu erwarten. Doch Syndram ist Direktor des Grünen Gewölbes und der Rüstkammer der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden sowie Schlossdirektor im Dresdener Residenzschloss.

Am frühen Montagmorgen wurde in das Grüne Gewölbe eingebrochen. Drei Juwelengarnituren wurden gestohlen – es ist der wohl größte Kunstraub der modernen Geschichte. Aus der ruhigen Restarbeitszeit wird definitiv nichts. Zu den gestohlenen Preziosen sagt Syndram: „Das ist ein unschätzbarer kultureller Wert und Weltkulturerbe.“

Zwei Diebe verschafften sich Zugang zum Grünen Gewölbe in der Dresdener Schatzkammer, das für seine Kunstschätze weltbekannt ist. Dort lagern Gold und Edelsteine, Porzellan, Kunstwerke aus Bernstein, Schnitzereien aus Elfenbein.

Die Einbrecher legten zuerst die Alarmanlagen lahm, stiegen durch ein Fenster am Theaterplatz ein, zertrümmerten Vitrinen und stahlen die Juwelengarnituren aus dem 18. Jahrhundert mit rund 100 Einzelstücken. „Wir sind schockiert von der Brutalität des Einbruchs“, sagte Marion Ackermann, Generaldirektorin der Kunstsammlung Dresden und Syndrams Chefin.

Der geschätzte Wert der gestohlenen Steine liegt laut Medienberichten bei bis zu einer Milliarde Euro. Aber die Stücke sind zugleich so gut wie wertlos, weil unverkäuflich.

„Die besondere Bedeutung und Qualität liegt darin, dass diese Ensembles als solche überliefert sind“, sagte Ackermann. Sie hoffe, dass durch die große Bekanntheit der Stücke diese eigentlich unverkäuflich sind. Ihre „Schreckensvorstellung“: Die Diebe könnten die Kunstwerke zerstören, um an die Edelsteine zu kommen und sie umzuschleifen.

Ackermanns Karriere in der Museumsszene ist steil. Mit bereits 38 Jahren wurde sie 2003 die jüngste Chefin eines größeren Museums in Deutschland, des Kunstmuseums Stuttgart. Mit 44 wechselte sie nach Düsseldorf und leitete dort die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen.

Dort kam sie mit ihren Konzepten und Ausstellungen gut an, suchte den Kontakt mit den Besuchern und führte eine wöchentliche Gesprächsreihe ein. Laut französischen Medien kam sie 2013 in die engere Wahl für die Leitung der Modernen Kunst im Centre Georges-Pompidou in Paris. Einer ihrer Konkurrenten war Max Hollein, der sich auch nicht durchsetzte – und heute das Metropolitan Museum in New York führt.

Dirk Syndram, Direktor des Grünen Gewölbes, Leitender Oberstaatsanwalt Klaus Rövekamp, Marion Ackermann, Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, und Jörg Kubiessa, Polizeipräsident Polizeidirektion Dresden (v. l.). Quelle: dpa
Erschütterte Akteure

Dirk Syndram, Direktor des Grünen Gewölbes, Leitender Oberstaatsanwalt Klaus Rövekamp, Marion Ackermann, Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, und Jörg Kubiessa, Polizeipräsident Polizeidirektion Dresden (v. l.).

(Foto: dpa)

Der Vertrag von Ackermann wurde in Düsseldorf 2014 vorzeitig um sieben Jahre verlängert. Doch den erfüllte sie nicht, keine zwei Jahre später wechselte sie nach Dresden, um dort als Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen anzufangen.

Die Aufgabe war reizvoll: Zur Kunstsammlung gehören 15 Museen mit insgesamt 500 Mitarbeitern, darunter Sammlungen im Residenzschloss oder im Zwinger. Eine ihrer Aufgaben: die internationale Ausrichtung der Kunstsammlungen fortzusetzen.

Ihr weltweites Netzwerk war einer der Gründe, warum sie den Job in Dresden bekam. Das sei eine gute Voraussetzung für die Tätigkeit in einer Stadt, die „zurzeit ein nicht unerhebliches Problem hat, Weltoffenheit zu zeigen“, sagte bei ihrer Ernennung Sachsens Kunstministerin Eva-Maria Stange.

Wichtig sei ihr der Ankauf von Kunstwerken, sagte Ackermann beim Amtsantritt. Dafür wollte sie in Dresden den Unterstützerkreis ausbauen: „Im Geldbeschaffen war ich immer ganz gut.“ Die Aufgabe hat jetzt mit dem Diebstahl eine ganz neue Dimension bekommen.

Mehr: Einbruch in das Grüne Gewölbe in Dresden – Polizei geht von zwei Tatverdächtigen aus

Spektakulärer Kunstraub im Grünen Gewölbe

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  • Ich würde mir vom Handelsblatt wünschen, dass der Unterschied zwischen Diebstahl und Raub dem Journalisten bekannt wäre.