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Grünes Gewölbe „Wir sind kein Banksafe“ – Reaktionen auf den Kunstdiebstahl von Dresden

Der größte Kunstraub der modernen Geschichte bewegt nicht nur Sachsen. Selbst der Chef des New Yorker Metropolitan Museum hat sich bereits geäußert.
Update: 26.11.2019 - 04:43 Uhr Kommentieren
Grünes Gewölbe – Reaktionen auf den Kunstdiebstahl von Dresden  Quelle: dpa
Einbruch Grünes Gewölbe Dresden

Zwei Mitarbeiter der Spurensicherung vor dem Residenzschloss mit dem Grünen Gewölbe hinter einem Absperrband. In Dresdens Schatzkammer Grünes Gewölbe ist am frühen Morgen eingebrochen worden.

(Foto: dpa)

Dresden, Düsseldorf Bestürzung, Kopfschütteln, ungläubige Gesichter: Vor den Türen des Dresdener Residenzschlosses stehen am Montagmorgen zahlreiche Besucher vor verschlossenen Türen. Ein Schild am Eingang weist darauf hin, dass das Museum aus „organisatorischen Gründen“ geschlossen bleibt. Die Nachricht dahinter ist ein Schock: Es gab einen spektakulären Kunstdiebstahl in Dresdens weltberühmter Schatzkammer – dem Grünen Gewölbe.

Teile von drei Juwelengarnituren ließen die unbekannten Diebe mitgehen. Ihr Wert lässt sich finanziell gar nicht beziffern, hieß es. Nach Angaben der Staatlichen Kunstsammlungen wurden die Vitrinen nicht vollständig leergeräumt. Eine genaue Übersicht gab es bis zum Abend jedoch nicht.

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Als das ganze Ausmaß gegen Mittag bekannt wird, stehen manchem Beschäftigten der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) Tränen in den Augen. „Das ist wie in einem schlechten Film. Ich hätte nie gedacht, dass ich so etwas mal erleben muss“, sagt eine Mitarbeiterin. Betroffenheit auch in Gesichtern derjenigen, die wenig später das Unerklärbare erklären müssen.

„Ich brauche Ihnen nicht zu sagen, wie schockiert wir sind, auch von dieser Brutalität des Einbruchs“, sagt SKD-Generaldirektorin Marion Ackermann. Es handle sich um einen „unschätzbaren kunsthistorischen und kulturhistorischen Wert“. August der Starke habe sich ja immer im Wettbewerb befunden mit Ludwig XIV.

Mit solchen Garnituren habe er den Sonnenkönig hinter sich lassen wollen. Die besondere Bedeutung liege darin, dass die Garnituren als Ensembles erhalten blieben. Ackermann spricht von Sachsens Staatsschatz des 18. Jahrhunderts.

Eine Einschätzung, die Innenminister Roland Wöller (CDU) wohl teilt. Er spricht von einem bitteren Tag für das kulturelle Erbe in Sachsen, Regierungschef Michael Kretschmer (CDU) sieht alle Sachsen als Opfer des Einbruchs. „Man kann die Geschichte unseres Landes, unseres Freistaates nicht verstehen, ohne das Grüne Gewölbe und die Staatlichen Kunstsammlungen Sachsens.“

Polizei vermutet „gut geplantes“ Verbrechen

Kulturstaatsministerin Monika Grütters sieht in dem Einbruch „ein hochkriminelles und offensichtlich generalstabsmäßig durchgeführtes Verbrechen und möglicherweise ein Auftragswerk“. Sie hoffe auf einen schnellen Fahndungserfolg, sagte die CDU-Politikerin Grütters den Sendern RTL/N-TV. „Ein solcher Raub trifft die Kulturnation Deutschland ins Herz. Das sind ja Stücke von hoher nationaler identitätsstiftender Wirkung.“

Spektakulärer Kunstraub im Grünen Gewölbe

Auch die Dresdener Polizei geht von einer „gut geplanten“ Tat aus. Die beiden Täter seien über ein Fenster eingestiegen, hätten die Vitrine zerstört und den Raum auf gleichem Wege wieder verlassen, sagte der Leiter der Polizeidirektion Dresden, Jörg Kubiessa, am Montagabend im ZDF. Das habe alles insgesamt wenige Minuten gedauert. Er gehe von „gut geplanten Handlungen“ aus, „vielleicht auch im Bereich einer Bande“.

Diese Darstellung deckt auch der Ausschnitt eines Überwachungsvideos, den die Polizei am Montagabend veröffentlicht hat. Darauf ist zu sehen, wie zwei Einbrecher mit Taschenlampen in das Juwelenzimmer im Residenzschloss kommen. Einer von ihnen, mit Kapuze auf dem Kopf, schlägt mit einer Axt auf die Scheiben der Vitrine ein und versucht, sie aufzubrechen.

Dabei haben die bestehenden Sicherheitsvorkehrungen wohl dafür gesorgt, dass nicht noch mehr Stücke entwendet wurden. „Aus der einen Vitrine mit drei Garnituren sind noch relativ viele Werke verblieben“, sagte die Generaldirektorin Ackermann im ZDF. „Die Täter konnten nicht alles mitnehmen, weil alle Objekte auch einzeln befestigt waren, sie waren mit Stichen vernäht mit dem Untergrund.“

Ackermann sprach von einem „sehr komplexen“ Sicherheitssystem im Residenzschloss. „Es sind mehrere Alarme ausgelöst worden, beim Einbruch selbst, durch die Bewegungsmelder im Raum, beim Aufbrechen der Vitrine, und die Polizei ist beim ersten Alarm informiert worden“, sagte die Museumschefin. Das Sicherheitskonzept werde nun erneut gecheckt. „Es muss sicher geprüft werden, wie die Sicherheit noch gesteigert werden kann.“

„Museen sind öffentliche Institutionen, wir wollen öffentliche Häuser sein, die natürlich Besucherinnen und Besucher ansprechen möchten“, sagte der Präsident des Deutschen Museumsbundes, Eckart Köhne, der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. „Wir sind eben kein Banksafe. Und das bringt ein gewisses Risiko mit sich.“

Bei der Sicherung der Bestände spiele bauliche Sicherheit eine große Rolle, sagte Köhne, der auch Direktor des Badischen Landesmuseums in Karlsruhe ist. Dabei arbeiteten die Museumsträger jeweils zusammen mit Bauämtern, Baubehörden und zuständigen Stellen. „Da ist es schon so wie bei einem Eigenheim, dass man natürlich auch nicht alle zwei Jahre ein Update machen kann. Aber hundertprozentige Sicherheit ist einfach nicht zu kriegen.“

Derweil gibt es nicht nur aus Deutschland schockierte Reaktionen: Der Direktor des New Yorker Metropolitan Museums, das derzeit einige Werke aus der berühmten Schatzkammer ausgeliehen hat, zeigte sich ebenfalls betroffen. „Wir sind erschüttert, von diesem Diebstahl zu hören“, sagte Max Hollein am Montag in New York laut einer Mitteilung an die Deutsche Presse-Agentur. „Das Met und sicher die gesamte Museumswelt hofft darauf, dass diese überaus wichtigen Werke sofort und sicher zurückkommen.“

Für die Täter dürfte es ohnehin schwer werden, die gestohlenen Teile auf dem internationalen Kunstmarkt zu veräußern. Sie sind schlicht zu bekannt. Damit einher geht jedoch auch eine Sorge, die unter anderem Generaldirektorin Ackermann umtreibt. Die Diebe könnten die Garnituren zerstören, um an die Steine heranzukommen. Dann wäre der Kunstschatz endgültig verloren.

Mehr: Der geschätzte Wert der aus dem Grünen Gewölbe in Dresden gestohlenen Steine liegt bei bis zu einer Milliarde Euro. Dennoch sind die Stücke zugleich so gut wie wertlos.

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