Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Halbjahresbilanz der Pariser Auktionshäuser Das Gros der seltenen Oldtimer geht nach Deutschland

Die Auktionshäuser in Paris stellen sich auf einen Brexit ein: Seltene Autos lassen sich am besten an die Nachbarn jenseits des Rheins verkaufen.
Kommentieren
Den roten Alfa Romeo Berlinetta konnte Artcurial für 16,7 Millionen Euro versteigern. Quelle: Art Curial
Oldtimer

Den roten Alfa Romeo Berlinetta konnte Artcurial für 16,7 Millionen Euro versteigern.

(Foto: Art Curial)

ParisDie Pariser Auktionshäuser setzten im ersten Halbjahr 2019 insgesamt wie im Vorjahr rund 622 Millionen Euro um. Den höchsten Umsatz, nämlich 201 Millionen Euro, verbuchten die 66 im Gebäude Hôtel Drouot zusammengeschlossenen Auktionshäuser. Drouot-Präsident Alexandre Giquello (Binoche-Giquello) betont: „Das Hôtel Drouot ist eine Arbeitsbasis, kein Versteigerungshaus.“ Der Umsatz steigt dank 19 renovierten Versteigerungssälen, einem verbesserten Angebot und dem exklusiven Restaurant von Alain Ducasse. „Das ist ein starkes Signal für unseren Beruf“, meint Giquello.

Dem Auktionshaus Binoche-Giquello gelang der höchste Zuschlag im Hôtel Drouot: 3,3 Millionen Euro für ein Tafelbild mit fein arrangiertem Blumengesteck von Ambrosius Bosschaert dem Älteren.

Auch der Europa-Direktor des französischen Auktionshauses Artcurial, Martin Guesnet, äußert sich positiv zur Halbjahresbilanz von 123 Millionen Euro, die „auf Augenhöhe“ mit Sotheby’s stehe, wie es der geborene Deutsche Guesnet formuliert. Sotheby’s bilanziert auch die Luxuslimousinen-Auktion von RM Sotheby’s und kommt insgesamt auf 155 Millionen Euro in Paris. Artcurial Motorcars punktet mit dem Spitzenzuschlag von 16,7 Millionen Euro für einen Alfa Romeo Berlinetta von 1939, den ein in Paris anwesender US-Bieter ersteigerte.

Dieser gönnte sich auch den zerbeulten Rennwagen Serenissima Spyder von 1966, das einzige noch existierende Exemplar von nur zwei gebauten, das ihn weitere 4,2 Millionen Euro kostete. Das Gros der Sammlerautos geht nach Deutschland, „wo wir einen wichtigen Kundenstamm haben, der die interessanteste Käufergruppe darstellt“, sagt Martin Guesnet.

Sotheby’s höchsten Zuschlag erzielte ein Tribal-Art-Objekt, nämlich eine Baulé-Maske von der Elfenbeinküste aus der riesigen Sammlung des Händlers Marceau Rivière. Sie spielte allein 4,7 Millionen Euro ein. Demnächst könnte es spannend werden, wenn die Sotheby’s-Aktien an den Kreditkaiser Patrick Drahi übergehen, während Artcurial die Flugzeugherstellerfamilie Dassault im Hintergrund hat und François Pinault via Christie’s am Kunstmarkt mitmischt. Damit werden drei französische Milliardäre an den entscheidenden Markthebeln sitzen.

Ambrosius Bosschaert der Ältere: Die
Der Höchstzuschlag

Ambrosius Bosschaert der Ältere: Die "Blumen in einem Römer vor einer Landschaft" (Ausschnitt) kosteten 3,3 Millionen Euro.

(Foto: Douot/Christian Baraja)

Übrigens rangiert Christie’s mit mageren 84 Millionen Euro hinter Sotheby’s und Artcurial, zumindest was die transparenten Auktionsergebnisse betrifft. Privatverkäufe bleiben unveröffentlicht. Viel Medienecho gab es für die von Yves Saint Laurent für Catherine Deneuve entworfene Garderobe, die „nur“ eine Million Euro zur Bilanz beiträgt, aber unschätzbare kostenlose Werbung nach sich zog. Die restlichen, individuell agierenden Pariser Versteigerer Tajan, Piasa, Pierre Bergé & Associés setzten zusammen rund 35 Millionen Euro um.

Ein Marktfaktor sind auch die Pariser Niederlassungen der englischen Häuser Bonhams und Phillips, die für ihre Kunden kleine Ausstellungen ausrichten. Im Brexit-Fall könnten sie jedoch auch Ware einlagern, um Zollformalitäten und Besteuerung zu reduzieren.

Michael Sherman, Phillips-Kommunikationschef, meint, die Paris-Präsenz sei zwingend, weil es „bedeutende Museen und Galerien gibt und signifikante Sammler hier Wohnungen haben“. Auch finde Phillips hier viele außergewöhnliche Kunst- und Design-Werke zur Einlieferung. Bonhams setzte mit der Pariser Auktion „Collector’s Motor Cars“ etwa 16 Millionen Euro um.

Schätze vom Dachboden

Schon die verstorbene Sotheby’s-Chefin Laure de Beauvau-Craon verkündete ihr Leben lang, Frankreich sei der „Dachboden“ Europas, wo nach wie vor unglaubliche Objekte auftauchten. Tatsächlich fand man 2014 bei Toulouse ein Gemälde, das der führende französische Altmeisterexperte Eric Turquin dem Maler Caravaggio zuordnet. „Judith und Holofernes“, zuerst auf 30 Millionen Euro, dann auf 100 bis 130 Millionen Euro geschätzt, reiste weltweit; begleitet von einem Katalog mit den Argumenten für und wider die Zuschreibung.

Schließlich annullierte der Toulouser Versteigerer die Veranstaltung zwei Tage vor der Auktion mit der Erklärung einer Privattransaktion, angeblich mit dem Hedgefonds-Manager und Sammler Tomilson Hill. Der nicht veröffentlichte Preis lag wohl weit unter der Erwartung. Wahrscheinlich gab es nur einen ernsthaften Interessenten. Für eine Auktion braucht man jedoch mindestens zwei.

Zur Stärkung des Pariser Markts und im Hinblick auf den Brexit bauen die Kunsttransport- und Lagerfirma André Chenue und die bis jetzt halbstaatliche Flughafenbetreibergesellschaft ADP am Flughafen Le Bourget für 2020 ein Kunstlager. Eigentlich plante man einen Zollfreihafen, was insofern nahelag, nachdem Chenue 2017 die Schweizer Transportfirma National Le Coultre vom „König der Zollfreihäfen“ Yves Bouvier übernommen hatte.

Aus juristischen Gründen aber gibt es keine Zollfreilager in Frankreich. ADP und Chenue planen ähnliche zusätzliche Dienstleistungen wie der Genfer Zollfreihafen. Britische Galerien könnten in Le Bourget nach dem Brexit ihre Objekte zwischen den Kunstmessen in der EU ohne administrativen Aufwand für Ein- und Ausfuhr einlagern.

Mehr: E-Autos sind im Trend. Auch Oldtimer lassen sich auf den elektrischen Antrieb umrüsten.

Startseite

Mehr zu: Halbjahresbilanz der Pariser Auktionshäuser - Das Gros der seltenen Oldtimer geht nach Deutschland

0 Kommentare zu "Halbjahresbilanz der Pariser Auktionshäuser: Das Gros der seltenen Oldtimer geht nach Deutschland"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote