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Halbjahresbilanz Für die Pariser Auktionshäuser ist die Saison nicht gut gelaufen

Etliche Pariser Auktionshäuser verweigern die Veröffentlichung ihrer Halbjahreszahlen. Ein Indiz für ein katastrophales erstes Halbjahr.
23.07.2020 - 14:04 Uhr Kommentieren
Körperpflege in exotischem Ambiente verheißt diese abenteuerliche Badezimmereinrichtung aus dem Jahr 1992. Die Familie der Flusspferde wurde auf 2 bis 2,5 Millionen Euro geschätzt und für 2,1 Millionen Euro versteigert. Quelle: Sotheby's
François-Xavier Lalanne

Körperpflege in exotischem Ambiente verheißt diese abenteuerliche Badezimmereinrichtung aus dem Jahr 1992. Die Familie der Flusspferde wurde auf 2 bis 2,5 Millionen Euro geschätzt und für 2,1 Millionen Euro versteigert.

(Foto: Sotheby's)

Paris Bislang haben sie immer gern ihren – in der Regel gestiegenen – Umsatz mitgeteilt. Doch nach dem Lockdown und der Covid-19-Krise weigern sich die Pariser Auktionshäuser, ihre Halbjahresbilanzen zu veröffentlichen. Lässlich, dass die in der Vergangenheit – in Frankreich wie anderswo auch – gern kosmetisch aufgehübscht wurden. Etwa durch die hinzuaddierte Mehrwertsteuer. Doch im Juli 2020 hüllen sich die Häuser Piasa, Tajan, Pierre Bergé & Associés in Schweigen. Die Kommunikation von Drouot, Sotheby‘s, Christie‘s und Artcurial beschränkt sich auf einige Highlight-Meldungen. Das alles deutet auf schlechte Geschäfte hin.

Objektiv gesehen hatten es die französischen Auktionatoren auch nicht leicht: Der Streik gegen die Rentenreform legte das Land bis Mitte Januar weitestgehend lahm. Die normalerweise starken Auktionsmonate März bis Mai fielen aus infolge des Shutdown und des ausdrücklichen Verbots des Versteigerungsrats, Auktionen zu organisieren, oder wurden bis in den Herbst verschoben.

Nur ein Versteigerer durchbricht die Kommunikationsblockade: Das relativ kleine Auktionshaus Ader-Nordmann & Dominique konnte in den ersten sechs Monaten 19 Millionen Euro umsetzen. David Nordmann und Xavier Dominique haben dafür aber auch alle Register gezogen. In 46 Auktionen mit 8500 Losen brachten sie Kunst unter die Leute: in einem eigenen kleinen Auktionssaal, aber auch in den Sälen des Drouot-Gebäudes und im Internet.

Eine reich bemalte, kaiserliche Flaschenhals-Vase aus dem China des 18. Jahrhunderts übernahm ein chinesischer Käufer nach dreißigminütigem Bietergefecht für 2,5 Millionen Euro. Die Hamburger Kunsthalle etwa erwarb bei Ader-Nordmann & Dominique zwei Holzschnitte von Caspar David Friedrich: ein Selbstporträt für 80.640 Euro und ein schlafender Knabe für 35.840 Euro.

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    Martin Guesnet, Europa-Direktor von Artcurial, beteuert, man könne keineswegs von einem „Einbruch“ der Umsatzzahlen sprechen. Vermutlich würden es bei Artcurial 20 Prozent weniger sein als im Vorjahr, deutet er an. Und betont, dass die Kauflust nach wie vor existiere. Absolute Umsatzahlen aber liefert er so wenig wie die anderen größeren Versteigerer.

    Nach zähen Bietgefecht ging die extrem seltene Vase aus dem 18. Jahrhundert für 2,5 Millionen Euro in neue Hände. Quelle: Ader
    Chinesische Langhalsvase

    Nach zähen Bietgefecht ging die extrem seltene Vase aus dem 18. Jahrhundert für 2,5 Millionen Euro in neue Hände.

    (Foto: Ader)

    Die Pressechefin der Gruppe Drouot teilt dem Handelsblatt mit, dass in den 15 Sälen des Drouot-Gebäudes im ersten Halbjahr 237 Auktionen über die Bühne gingen. Im Vorjahr waren es 569 Sitzungen, die 201 Millionen Euro einspielten. Die Betreiber der Plattform „Drouot Digital“ konstatieren, dass seit der Wiederaufnahme der Versteigerungen am 25. Mai mehr als fünfzig Prozent der Käufer ihre Objekte über „Drouot Digital“ ersteigerten.

    Vor dem Lockdown fielen nur zwanzig Prozent der Lose an Bieter im Netz. Diese Tendenz entspricht der von den internationalen Auktionshäusern betriebenen Entwicklung zu Internet-Versteigerungen. Auch die Kataloge sind nur noch im Netz zu konsultieren – was radikale Einsparungen mit sich bringt.

    Als ehemalige Kolonialmacht wartet Frankreich auf dem Asiatika- und Tribal Art-Sektor immer wieder mit Überraschungen auf. Nicht jedoch in diesem Halbjahr, wo das magere Angebot das Staunen lehrte. Christie‘s nahm am 29. Juni nur 1.396.900 Euro für afrikanische, ozeanische und nordamerikanische Kultobjekte ein. Denn mehr als ein Drittel der Lose wurde zurückgereicht.

    Zum Vergleich: Noch am 4. Dezember 2019 setzte Christie‘s mit Tribal Art 3,1 Million Euro um. Und das lag schon weit unter den Ergebnissen von über 10 Millionen Euro, die beide Auktionsgiganten einst zwei Mal pro Jahr in Paris einspielten.

    Beunruhigend war das Mini-Angebot bei Sotheby‘s, wo in einem minimal besetzten Saal Kultobjekte aus Afrika, Ozeanien, Indonesien, Objekte der Inuits sowie präkolumbische Gegenstände magere 952.000 Euro erbrachten.

    Auch die Versteigerer Binoche et Giquello – sie gehören zur Drouot-Gruppe – sahen sich mit 42 von 79 Losen konfrontiert, die kein Käufer haben wollte. Eine mit einem aufwendigen Katalog ausgestattete präkolumbische Sammlung aus den USA verbuchte deshalb nur bescheidene 1,8 Millionen Euro.

    Die Form des Flusspferds inspirierte den französischen Designer1992  zu einer Badezimmereinrichtung der besonderen Art. Das Ensemble erzielte erwartungsgemäß etwas über 2 Millionen Euro. Quelle: Sotheby's
    François-Xavier Lalanne

    Die Form des Flusspferds inspirierte den französischen Designer1992 zu einer Badezimmereinrichtung der besonderen Art. Das Ensemble erzielte erwartungsgemäß etwas über 2 Millionen Euro.

    (Foto: Sotheby's)

    Millionenpreise fuhren dagegen einige Werke der Impressionisten, Moderne und Zeitgenossen ein. Die Sommeridylle mit zwei Tennisspielerinnen des Neo-Impressionisten Theo van Rysselberghe hatte sich einst in der Sammlung von Henri de Toulouse-Lautrec befunden. Die prominente Herkunft und das gefällige Motiv wirkten preissteigernd. Christie‘ s konnte dafür 5,2 Millionen Euro einnehmen.

    Sotheby‘s punktete mit einem blau getönten Großformat aus dem Jahr 1957 von Pierre Soulages für 4,4 Millionen Euro. Zur Erinnerung: Den Auktionsrekord des Hundertjährigen legte Tajan mit 9,6 Millionen Euro Ende 2019 fest.

    Gute Preise erzielten Sotheby‘s und Christie‘s für Design: eine Badewanne, ein WC und ein Bidet des humorvollen François-Xavier Lalanne waren einem Bieter bei Sotheby’s 2,1 Millionen Euro wert. Die aus Kupfer gefertigten Möbel haben alle drei die Form von Flusspferden.

    Ein Cabrio von Bugatti

    Anfang Februar ließen sich Oldtimer noch hochpreisig verkaufen. Mit eleganten Automobilen erzielte Artcurial Motorcars 22,5 Millionen Euro Umsatz. Bonhams folgte mit fast 20 Millionen Euro und dem höchsten Zuschlag während der – bei deutschen Motor-Fans so beliebten – Pariser „Retromobil“-Woche, für einen Bugatti Typ Roadster von 1931. Ein Liebhaber ließ sich das imposante Cabriolet 4,6 Millionen Euro kosten. RM Sotheby‘s blieb in diesem Jahr mit etwa 9 Millionen Euro Umsatz für seine Sammlerautos weit hinter der Konkurrenz.

    Ob das Coronavirus wirklich die Lust der Vermögenden reduziert, für Kunst oder Lifestyle tief in die Tasche zu greifen, werden Marktbeobachter erst im Herbst erfahren.

    Mehr: Auktionen in Paris 2019: Wie wertvolle Gemälde und Sammlungen die Jahresbilanz befeuern

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