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Blick in die Sylter Zweigstelle der Galerie Herold

Gemälde und Papierarbeiten werden hier wie in einem Wohnzimmer und nicht wie in einem Museum präsentiert. Das animiert Feriengäste und Sommerfrischler zu spontanem Kauf.

(Foto: Galerie Herold; VG Bild-Kunst)

Hamburger Kunst Champagnerempfang auf Sylt – Galerie Herold feiert ihren 40. Geburtstag

Hamburger Kunst um 1900 ist eine Spezialität der Galerie Herold. Ihr 40-jähriges Bestehen feiert sie jedoch dort, wo sie die besten Geschäfte macht.
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Hamburg Hamburg zählt im Kunsthandel nicht zu den Hotspots. Umso bemerkenswerter ist es, wenn eine Galerie dort das Jubiläum ihres 40-jährigen Bestehens feiern kann wie jetzt die Galerie von Rainer Herold. Gut 130 Ausstellungen gab es bei ihm in den vergangenen vier Jahrzehnten, 50 oft umfangreiche Kataloge sind entstanden.

Mit diesen Katalogen rettete Herold auch Hamburger Künstler der hier erst um 1900 einsetzenden Aufbruchszeit vor dem Vergessen. Eine Leistung, die auch von Museumsseite Anerkennung findet. Andreas Stolzenburg, Leiter der Sammlungen und des Kupferstichkabinetts der Hamburger Kunsthalle, resümiert: „Das Ausstellen von Werken Hamburger Künstler aus der Zeit des Künstlerklubs und der Hamburger Sezession und damit das Wachhalten der Erinnerung an eine für Hamburg wichtige Epoche der Kunst ist eine große Leistung der Galerie Herold.“ Norddeutscher Impressionismus und Expressionismus ist seitdem der Kern des Angebots bei Herold.

Bilderschatz in der Abstellecke

Durch Zufall kam Herold zum Kunsthandel. Ein Paravent war schuld. Und seine Neugier. In einem Hamburger Auktionshaus war eine kleine Abstellecke mit einem Paravent kaschiert, Herold schaute dahinter, sah ein Konvolut von Bildern des nahezu unbekannten Hamburger Secessionisten Friedrick Kallmorgen (1856–1924) und war begeistert. Für 7.000 D-Mark erwarb er den Berg an Bildern. Das war sein Start als Kunsthändler, zuerst am Bahnhof in Bergedorf, weit ab vom Zentrum.

An seinem aktuellen Standort, den Colonnaden, ist er seit 2006. Es ist ein Gründerzeit-Haus, ganz nah an der Binnenalster und dem hochfrequentierten Jungfernstieg. Hohe farbige Wände schaffen ein Ambiente, das dem White Cube der restlichen Galerieszene souverän den Kampf ansagt. Inszenierung und Storytelling sind unbestreitbar Herolds Talente.

Bei jemandem, der aus der Werbebranche in den Kunsthandel wechselte, sicher zu erwarten. Dass er dieses Können konsequent zur Ehrenrettung der Hamburger Kunst um 1900 einsetzt, war zu Anfang allerdings noch ein Wagnis.

Die aktuellen Stammkünstler heißen immer noch Thomas Herbst, Friedrich Ahlers-Hestermann, Ernst Eitner oder auch Franz Nölken. Aber mit den Hamburgern allein lässt sich noch kein anhaltender ökonomischer Erfolg erzielen. Deswegen kamen bekannte Expressionisten wie Emil Nolde hinzu. Von Nolde verkaufte Herold in acht Jahren mehr als 50 Werke.

„Winterabend im Lübecker Hafen“, um 1910, im Vordergrund der Galerieräume Herold in Hamburg. Quelle: Lisa Winter
Ernst Eitner

„Winterabend im Lübecker Hafen“, um 1910, im Vordergrund der Galerieräume Herold in Hamburg.

(Foto: Lisa Winter)

1996 entschied Rainer Herold, künftig während der lauen, flauen Hamburger Sommer nicht nur zu schließen, sondern, wie ein großer Teil seiner Kundschaft, nach Sylt zu ziehen. Die Insel ist ihm seit seiner Kindheit vertraut. Das war der ökonomische Durchbruch. Bei gutem Wetter sind die Geschäfte im „Haus Meeresruh“ in Kampen am besten.

Seine Preispolitik ist ein zweiter Grund für den Erfolg. Die meisten Werke sind unter 20.000 Euro zu haben, das scheint für Sylter Sommergäste genau die richtige Höhe zu sein. Champagnerempfänge zu den Ausstellungseröffnungen leisten das Ihrige.

Sanfter Generationenwechsel

Herolds Kinder Patrick und Katharina sind mittlerweile als gleichberechtigte Partner aufgenommen, der Generationenwechsel vollzieht sich sanft. Katharina widmet sich unter dem Namen „Heroldian Art Concepts“ mit dekorativem Talent Kunstprojekten im privaten und kommerziellen Raum.

Ihr Bruder setzt neue Akzente mit zeitgenössischer Kunst. „Ich möchte gerne mehr junge deutsche Künstler in Zukunft ins Programm nehmen und fördern. Auch eine Art ,Artist Residence‘ (Aufenthaltsstipendium), in dem Künstler die Insel Sylt thematisieren können und hier auf der Insel für einen kurzen Zeitraum arbeiten und wohnen, ist im Gespräch.“

Damit dürfte Patrick Herold sicherstellen, dass es weiter Nachschub gibt in dem ausgedünnten Markt für norddeutsche Kunst. Und Sylt wird ein sicherer Verkaufsort bleiben, der, so bringt es Rainer Herold plakativ auf den Punkt, in der Hälfte der Zeit, verglichen mit Hamburg, das Doppelte an Umsatz bringt.

„Klaus Hack: 'Grenzgänger'“, Galerie Herold, Hamburg, Colonnaden 5, 20354 Hamburg, 26. Januar bis 2. März. 2019, Vernissage: 26. Januar um 12:30 Uhr

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