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Haus Hohenzollern Annäherung im fürstlichen Streit um Kunst und Schlösser

Im Zwist um das Erbe der Hohenzollern sind sich Bund und Länder sowie das Adelsgeschlecht nähergekommen. Es geht um Tausende Kunstwerke und um Schlösser.
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Das Schloss und der Park Cecilienhof in Potsdam. Hier würde der Prinz gern ein Wohnrecht haben. Quelle: imago/Jürgen Ritter
Geschichtsträchtiges Kleinod

Das Schloss und der Park Cecilienhof in Potsdam. Hier würde der Prinz gern ein Wohnrecht haben.

(Foto: imago/Jürgen Ritter)

Düsseldorf Das Erschrecken im Bundeskulturministerium dürfte groß gewesen sein, als Georg Friedrich Wilhelm von Preußen (43), Ururenkel Kaiser Wilhelms II., vor mehr als fünf Jahren Ansprüche auf Tausende, teilweise national bedeutende Museumsgüter erhob.

Wie der „Tagesspiegel“ recherchierte, standen zusätzlich Eigentumsansprüche auf Schlossimmobilien aus früherem Familienbesitz im Raum. Und nicht nur das. Der Hohenzollern-Prinz forderte darüber hinaus ein dauerhaftes, unentgeltliches Wohnrecht im Schloss Cecilienhof, auf Schloss Lindstedt oder in der Villa Liegnitz.

Und dann läuft am Verwaltungsgericht Potsdam auch noch ein Verfahren um eine Entschädigung des Landes Brandenburg für Schlösser aus enteignetem früherem Familienbesitz. Streitwert: Mindestens 1,2 Millionen Euro. Eine Klage, die derzeit ruht wegen der umfassenderen Verhandlungen um die Kunstwerke.

Nun ist aber in die stockenden Verhandlungen zwischen dem Haus Hohenzollern und der öffentlichen Hand Bewegung gekommen. An den Verhandlungen nehmen der Bund teil, vertreten von Kulturministerin Monika Grütters, die Länder Berlin und Brandenburg und die Einrichtungen, die das Kulturgut der Preußenkönige bewahren: die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, die Stiftung Preußischer Kulturbesitz und das Deutsche Historische Museum.

Schwebende Entschädigungsklage

Wie am Mittwoch nach vierstündigen Beratungen über die Forderungen des preußischen Prinzen bekannt wurde, halten beide Seiten an der Idee einer umfassenden gütlichen Einigung fest. Zwar werde das Haus Hohenzollern die Entschädigungsklage nicht zurückziehen, erklärte Verhandlungsführer Jürgen Aretz, Staatssekretär a.D. Nach einer umfassenden gütlichen Einigung sei es aber „selbstverständlich, dass alle Klagen unverzüglich und sofort zurückgezogen werden“. Auch an der Frage eines Wohnrechts soll die nun avisierte außergerichtliche Einigung nicht scheitern. Ziel ist es, die Eigentumsverhältnisse ein für alle Mal zu regeln.

Um das Vermögen der Hohenzollern, Deutschlands wichtigstem Adelsgeschlecht, wird schon seit 100 Jahren gerungen, seit der erzwungenen Abdankung von Kaiser Wilhelm II. am 9. November 1918. 500 Jahre war die Dynastie damals schon an der Macht. Zunächst regierte sie ab 1415 das Kurfürstentum Brandenburg, ab 1701 das Königreich Preußen und ab 1871 das deutsche Kaiserreich.

Das Oberhaupt des Hauses Hohenzollern. Quelle: ddp images/PPE/v.d. Werf
Prinz Georg Friedrich von Preußen

Das Oberhaupt des Hauses Hohenzollern.

(Foto: ddp images/PPE/v.d. Werf)

Der erste lange Streit um das Vermögen und die Immobilien des preußischen Königshauses endete Ende Oktober 1926 mit einem rechtskräftigen Vergleich. Damals erhielt der preußische Staat 75 Schlösser, während den Hohenzollern im Gegenzug 39 Schlösser samt Inventar zurückerstattet wurden, darunter das Berliner Schloss Monbijou, Schloss Rheinsberg und das Marmorpalais in Potsdam.

M it Ende des Zweiten Weltkriegs wurden die Hohenzollern ein zweites Mal enteignet. Diesmal unter der sowjetischen Militäradministration und der DDR-Regierung. Daran wollte man auch nach dem Fall der Mauer 1989 nicht rühren. Zwar erhob Prinz Louis Ferdinand, das damalige Oberhaupt des Hauses Hohenzollern, 1990 Ansprüche auf die Rückgabe früherer Schlösser. Doch er scheiterte vor den Gerichten an der damals als klar bezeichneten Rechtslage. Schloss Monbijou, das die Familie 1926 zurückerhalten hatte, war auf Betreiben des SED-Magistrats Ende der 1950er-Jahre abgerissen und das Inventar öffentlichen Museen übergeben worden.

Jüngst erst wies das Landgericht Koblenz die von Georg Friedrich Prinz von Preußen eingereichte Klage um Rückerhalt von Burg Rheinfels, dem ehemaligen Sitz der Hohenzollern, ab.

In den weiteren Verhandlungen wird es im Kern um Tausende von Kunstwerken, Antiquitäten und Archivalien der einstigen Preußenkönige gehen und um eine Erneuerung der 2015 vom Prinzen gekündigten Leihverträge. Außerdem wird es um eine Bewertung der Bestände gehen.

Probleme mit der Schätzung der Werte

Schon vor Jahren hatte der Prinz vorgeschlagen, die etwa 3.000 auf Museen verteilten Objekte aus dem einstigen Hohenzollernmuseum schätzen zu lassen und anschließend alles hälftig aufzuteilen. Eine Forderung, die damals von Fachleuten der Stiftungen abgelehnt wurde, unter anderem mit dem Argument, dass der Kunstmarkt heute kaum noch eine Geradlinigkeit in der Preisbildung habe.

Auch mit einer Fifty-fifty-Lösung für das sogenannte Ostvermögen konnten sich die Vertreter des Bundes lange nicht so recht anfreunden. In diesem Zusammenhang stand das vom Prinzen geforderte Mitspracherecht bei der Einrichtung eines neuen Hohenzollernmuseums in Schloss Charlottenburg in der Kritik. Dieses Mitwirkungsrecht ist jedoch seit Mittwochabend vom Tisch.

Bleibt die Frage, welche Werte nun die zur Disposition stehenden Kunstwerke, Antiquitäten und Bücher haben. Sie dürften wohl locker im dreistelligen Millionenbereich liegen. Allein für einen vergoldeten Trinkbecher Friedrichs I. hatte der Prinz 2017 bei Sotheby’s in London umgerechnet 2,6 Millionen Euro erlöst. Und den Becher hatten die Behörden nicht auf der Liste national wertvollen Kulturguts stehen. Insgesamt beliefen sich die Einnahmen damals auf 6,4 Millionen Euro für Objekte aus Familienbesitz.

Mehr: Streit um Mondrian-Bilder. Lesen Sie hier, wie mit den Ansprüchen des Erben umgegangen wird.

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