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  4. Das Medienunternehmen Cinello verkauft mit Neumeister digitalisierte Alte Meister

High-TechLeonardo Da Vinci als Digital-Multiple

Das Auktionshaus Neumeister zeigt in Deutschland die erste Verkaufsschau digitalisierter Museums-Meisterwerke. Zielgruppe ist ein exklusiver Käuferkreis. Denn die Auflagen sind bewusst niedrig, die Preise hoch.Sabine Spindler 13.10.2022 - 09:10 Uhr Artikel anhören

Francesco Hayez' Gemälde  "Der Kuss" von 1859 wird als Digital Art Work bei Neumeister angeboten.

Foto: Cinello/Neumeister

München. Es war nur eine Frage der Zeit, bis die bedeutendsten Meisterwerke der Kulturgeschichte als digitale Kopien in die reale Welt treten. Das Mailänder Medienunternehmen Cinello hat schon seit 2016 bei den Uffizien in Florenz, bei der Pinacoteca di Brera in Mailand und anderen bedeutenden Sammlungen um Lizenzen gebeten.

Anfang dieses Jahres starteten die Italienerin einer Londoner Galerie den Verkauf der Digital Art Works (DAW®) unter anderem mit Kopien von Leonardo Da Vincis weltberühmter „Verkündigung“ und Michelangelos „Tondo Doni“.

Ihre exklusive Eroberungstour gut betuchter Sammler setzt Cinello nun auch in Deutschland fort. Vom 20. Oktober bis 5. November bietet erstmals das Auktionshaus Neumeister sechs ihrer digitalisierten Museums-Meisterwerke an, darunter eine Version von Leonardo da Vincis „Porträt eines Musikers“ und Giovanni Bellinis „Die Darstellung Jesu im Tempel“. Wie bei allen Cinello-Editionen umfasst die Auflage neun Exemplare. Die Preise liegen zwischen 110.000 und 260.000 Euro.

Bei den Kopien handelt es sich nicht um NFTs. Cinello entwickelte ein neuartiges Daten-Verschlüsselungsverfahren. Es garantiert lizenzierte, durch Patente geschützte und zertifizierten Digital-Multiples im Maßstab eins zu eins. Natürlich im handgeschnitzten, stilechten Goldrahmen.

Kulturskeptiker betrachten die DAWs vor allem als teure Nobel-Poster und als Erfindung einer neuen Geldquelle. Neumeisters Geschäftsführerin Katrin Stoll sieht die hochkarätige Digitalisierung von Meisterwerken hingegen als Fortsetzung der jahrhundertelangen Suche nach der technisch perfekten Reproduktion, die mit der Erfindung des Buchdrucks und der Grafik begann. Im Gespräch mit dem Handelsblatt sagte Stoll: „Sie sind eine Erweiterung des Kunstmarkt-Portfolios in einer Zeit, die digital hochaffin ist.“

Das digitale Multiple sieht aus wie das Original in Mailand.

Foto: Cinello/Neumeister

In der Neumeister-Pressemitteilung beschreibt James Bradburne, Generaldirektor der Pinakoteca de Brera, das Cinello-Konzept als „ein Spektrum, in dem die Kunstwerke betrachtet und genossen werden können und das uns zu einer tieferen Verbindung mit unserer Kultur führt“.

Kommerzieller klingt ein Argument des Kunstberaters Georg Bak, der gemeinsam mit seiner Geschäftspartnerin Christina Scheublein, eine von Stolls Nichten, die Verkaufsschau kuratierte. Im aktuellen Neumeisters Haus-Magazin nennt er die Kopien „ein modernes – und mobiles - Statussymbol“. Die Kunstgeschichte selbst liefert Belege für diese These. Im 18. Jahrhundert waren Marmor-Repliken berühmter antiker Skulpturen Ausdruck von finanzieller Potenz und reichem Geist.

Ob die DAWs nach Verkauf der gesamten Auflage auf dem Sekundärmarkt dann einen Wertzuwachs erfahren, das will auch Katrin Stoll nicht prophezeien. Cinello aber sieht anscheinend großes Potential und greift schon jetzt strategisch und in gewisser Weise spekulativ in den DAW-Markt ein.

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Wie das Handelsblatt von Primo Maronati, Sales Director der Firma per E-Mail erfuhr, entschied das Management, derzeit keine Repliken von Raffaels „Madonna mit dem Goldfink“ und Da Vincis „Verkündigung“ mehr in den Verkauf zu bringen. „Sie sind die „Klassenbesten“ innerhalb unseres Kataloges“, so Maronati. Eine allgemein steigende Wertschätzung der DAWs könnte den Preis dieser Spitzenwerke dann nach oben treiben.

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Insgesamt hat das Unternehmen Werke von rund 100 Künstlern im Portfolio. Für Diskussionen sorgte bislang nur der Verkauf des Michelangelos „Tondo Doni“.

Laut Art News Paper wurde das Rundbild Anfang des Jahres für 240.000 Euro verkauft. Die Uffizien, die sich von der Lizenzvergabe eine Stärkung ihrer Finanzlage erhoffen, erhielten davon lediglich 70.000 Euro. Cinellos Begründung für das Abweichen vom Versprechen eines 50-prozentigen Anteils vom Erlös: die technische Herstellung erforderte 100.000 Euro.

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