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„Highlights“ und „Positions“ Was Sie dieses Jahr auf den Kunstmessen in München sehen können

München glänzt mit unterschiedlichen Kunstmessen. Die zehnte Ausgabe der „Highlights“ überrascht mit Tierischem, die „Positions“ mit junger Kunst auf Papier.
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Der Affenmaler schlechthin mit dem Ölgemälde „Salome“, um 1906, auf dem Stand von Kunkel Fine Art. Quelle: Kunkel Fine Art
Gabriel von Max

Der Affenmaler schlechthin mit dem Ölgemälde „Salome“, um 1906, auf dem Stand von Kunkel Fine Art.

(Foto: Kunkel Fine Art)

München Sie tragen Kleider wie wir, wenn sie zur Kirmes gehen. Dort tanzen sie, zechen oder machen Quatsch. Die Affen, die Ferdinand van Kessel im 17. Jahrhundert mit leuchtenden Farben auf Kupfer gepinselt hat, sind seit Alters her eine Satire auf moralischen Verfall und Dummheit der Menschen.

Wer vor kurzem Banksys Affenparlament für den originellen Einfall der Travestie bewunderte, stößt auf der 10. „Highlights Internationale Kunstmesse München“ (bis 20.10.) auf dessen Vorgänger in der Kunstgeschichte. Kessels amüsantes Barockbild hat die Galerie De Jonckheere mitgebracht. Die Genfer Altmeistergalerie erwartet dafür bei ihrem „Highlights“-Debut 70.000 Euro.

Seitenhieb auf den Salome-Kult

Bei Alexander Kunkel geht ein Meisterwerk des Symbolismus in der Kritik am äffisch-nachahmenden Verhalten der Menschen noch weiter. Gabriel von Max lässt in der ätzenden Persiflage „Salome“ ein orientalisch gekleidetes Äffchen vor einem Fischkopf tanzen. Das mit 195.000 Euro bezifferte Gemälde kritisiert einerseits die Kirche und andererseits den Salome-Kult der Jahre um 1905.

Schon diese beiden Beispiele zeigen, im Jubiläumsjahr haben die Highlights wieder das Niveau erreicht, das der Name verspricht. In etlichen Ausgaben nach dem Abgang der Gründer, führende Top-Händler, die im Herbst lieber in New York ausstellen, war das Profil von zu viel marktgänger Ware verwässert worden.

Unter den 39 Ausstellern finden sich auf attraktiven Ständen etliche Blickfänger. Peter Mühlbauer hatte bereits kurz vor der Eröffnung einen Interessenten gefunden für die außergewöhnlich mitreißende Skulptur von Matthias Steinl „Neptun raubt Amphitrite“. Die Flosse des den Meeresgott begleitenden Delfins ist dabei papierdünn aus Elfenbein geschnitzt – und vollständig erhalten.

„Isabella“ mimt mit feiner Gestik in einem Theaterstück der Commedia dell Arte. Das Modell entstand 1759/60 für die Porzellanmanufaktur Nymphenburg. Es ist 19,6 cm hoch. Quelle: Langeloh Porcelain
Franz A. Bustelli

„Isabella“ mimt mit feiner Gestik in einem Theaterstück der Commedia dell Arte. Das Modell entstand 1759/60 für die Porzellanmanufaktur Nymphenburg. Es ist 19,6 cm hoch.

(Foto: Langeloh Porcelain)

Tierisch kommt auch ein Paradestück bei Christian E. Franke-Landwers daher. Abraham Roentgen hat 1750 einen zierlichen Sekretär mit reicher Einlegearbeit auf vier plastisch ausgreifende Bocksfüße gestellt. Der Bamberger Kunsthändler gibt das Spitzenmöbel mit Sinn für das Dionysische für 285.000 Euro ab. Bei Senger lockt ein Berliner Zylinderbureau von 1800 in den schönen Stand. Das hoch aufragende Schreibmöbel hebt sich durch einen Porzellanaufsatz, Malerei auf den Türen und umlaufende Bronzen von Standard-Sekretären ab (125.000 Euro). Langeloh Porcelain punktet mit einer raren Commedia dell‘ Arte-Figur von Franz A. Bustelli. Die „Isabella“ soll 110.000 Euro kosten.

Martin Moeller wartet mit einer ganzen Wand voll mit Menzel-Zeichnungen auf. Eine eilige Skizze liegt bei 12.000 Euro, Zeichnungen, die genauso ausgearbeitet sind wie Gemälde, kommen auf bis zu 58.000 Euro.

Der Kuss gegen den Krieg

Breit sortiert ist das 20. Jahrhundert vor allem bei der Malerei. Wer bei der Galerie Schwarzer Gabriele Münters „Interieur mit Weihnachtsbaum“ für 680.000 Euro erwirbt, bekommt nicht nur typische Motive wie den Baum mit rhythmisierendem Kunstschnee, Volkskunst oder ein Apfelstillleben. Die Malerin hat sich darüber hinaus noch als Ganzfigur hineingemalt. Thomas von Salis zeigt eine große Collage aus Großbritannien von Kurt Schwitters. Das nuancenreiche „Merzbild“ aus dem Jahr 1944 soll 475.000 Euro kosten. Gleich drei „Eidos“-Gemälde von Willi Baumeister kann die Galerie Schlichtenmaier auf einer Wand präsentieren. Mit 300.000 Euro am höchsten bewertet ist „Sterbender Schwan“ von 1940.

Stephen Hoffmann hat ein weltberühmtes Foto prominent platziert, Alfred Eisenstaedts ikonisches Bild vom 14. August 1945. Am VJ Day, der Victory over Japan, packt ein Matrose eine Passantin am Times Square und küsst sie mit so viel Schwung wie Leidenschaft. Das weltberühmte Motiv von Lebenslust versus Krieg existiert in einer Auflage von 250 Exemplaren. Von den zusätzlich abgezogenen 14 „Artist Proofs“ verlangt Hoffmann für den signierten AP7 52.000 Euro.

Aus einer der besten Dresdner Sammlungen stammt eine Freundschaftstafel von Hermann Glöckner bei Florian Sundheimer. Der Nestor der Abstraktion in der DDR hatte sie 1969 durch Faltung, so der Titel, flächig strukturiert und dann leuchtend lila getönt (58.000 Euro). Beck & Eggeling nehmen die gern verdrängte Vergänglichkeit in den Blick. Eine Photogravüre von Damien Hirsts Diamantenschädel (25.000 Euro) hängt zwischen einem Handskelett aus Gold mit saphirbesetztem Mittelfinger von Georg Hornemann („War I“ 110.000 Euro) und einem Knochenberg aus Keramik von Bertozzi und Casoni (58.000 Euro).

Affen als Menschen: eine im 17. Jahrhundert auf Kupfer gemalte Satire. Quelle: De Jonckheere, Genf
Ferdinand van Kessel: „Singerie“

Affen als Menschen: eine im 17. Jahrhundert auf Kupfer gemalte Satire.

(Foto: De Jonckheere, Genf)

„Perfect Matches“ nennt die Galerie Beck & Eggeling ihre motivischen oder epochenüberspannenden Konfrontationen. Perfect Matches sind auch die 14 zusätzlichen Highlights-Aussteller, die in der „Orangerie“ eine feine Gruppenausstellung bestreiten. Im zehnten Jahr der neuen Highlights kehren die Gründer der 2005 als „Straßenfest“ gestarteten Boutiquemesse „Munich Highlights“ mit Gästen zurück. Konrad Bernheimers musikalischem Stillleben von Cristoforo Munari stößt dabei auf ein „Rhinozeros“ von Albrecht Dürer (Kunsthandlung Rumbler).

Rainer Jungbauers außergewöhnlicher, anonymer Hausaltar aus Oberösterreich verkraftet die Jugendstileleganz aus dem Rauchzimmer des Luxusliners „Normandie“ bestens. Sascha Mehringer steuert das vier Meter lange Lackrelief von Jean Dunand über die Jagdbeute bei: Da ziehen abermals Tiere die Blicke der Messeflaneure auf sich, Hund und Hase, Gazelle und Reiher.

Beute machen kann der Kunstfreund indes auch in der ehemaligen Reithalle in der Hessstraße. Dort findet die zur „Positions“-Messe erweiterte „Paper Positions“ statt (bis 20.10.). Attraktive Positionen jenseits des durch die Auktionen gehypten Mainstreams finden sich zuhauf. In allen Gattungen und zu überschaubaren Preisen. „Wir sind eine Messe für den Nachwuchs“, sagt Heinrich Carstens, der das Format „Positions“ seit 2014 mit dem Galeristen Kristian Jarmuschek betreibt. Schnell fügt der Messedirektor hinzu „Für Galeristinnen und Galeristen, für die Kunstschaffenden und die Sammlergemeinde.“

Das 1999 entstandene Gemälde ist auf der Highlights-Messe am Stand von Kovacek & Zetter Fine Art & Contemporary zu finden. Quelle: KOVACEK & ZETTER FINE ART & CONTEMPORARY/ VG BILD-KUNST
Maria Lassnig: „Le jeu du destin“

Das 1999 entstandene Gemälde ist auf der Highlights-Messe am Stand von Kovacek & Zetter Fine Art & Contemporary zu finden.

(Foto: KOVACEK & ZETTER FINE ART & CONTEMPORARY/ VG BILD-KUNST)

Herrlich lichtvolle Abstraktionen tuscht Mojé Assefjah mit Eitempera auf Papier. Bei Nanna Preußners kosten die schwungvollen Arbeiten der Deutsch-Iranierin 1.400 bis 2.800 Euro. Peter Lang betreibt als Maler subtile Erkundungen des Polarlichts in Island. Seine atmosphärisch reichen, technisch interessanten Landschaften liegen bei Fenna Wehlau bei 8.000 Euro.

Auf Toyin Loye trifft der Besucher bei Chiefs & Spirits aus Den Haag. Der Nigerianer reißt die Oberflächen der Drucke so auf, das sie wie Narben wirken. Die Porträts Verletzter erinnern an die Hautritzungen afrikanischer Stämme (3.500 Euro). Wer ein Bild zum Brand in Notre Dame in Paris sucht, findet eine originelle Collage von Laurent Chéhère bei Persiehl & Heine (9.800 aus einer Fünferauflage).

Gözde Ilkin näht aus bunten Stoffen Bilder. Eines vermittel anschaulich, wie leger einige Kulturen mit Autoritäten umzugehen pflegen. Die Werke der gefragten Türkin kosten bei Françoise Heitsch 4.000 Euro. Entdeckungen und Wiederentdeckungen hat sich die Positions auf die Fahne geschrieben. Dem folgt exemplarisch die Galeria Szydlowski aus Warschau. Sie präsentiert drei Generationen von Künstlern. Wojciech Fangor mit einem Farbring für 8.000 Euro, die feinen Ton-Schichtungen der Aleksandra Jachtoma und die absichtsvoll schrillen Farbverkehrungen von Antoni Starowieyski.

Mehr: Kunst & Antiquitäten München: Lesen Sie hier über das Profil der Messe im Haus der Kunst.

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