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Homo-Faber-Ausstellung Die Intelligenz der Hände – was Menschen besser können als Maschinen

Homo Faber ist eine Superschau des Handwerks auf der Isola San Giorgio Maggiore. Sie will auch Impulse für die Arbeitswelt von morgen geben.
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Dieses Glasgefäß wird in einer französischen Glasbläserei bearbeitet. Die Oberfläche soll der eines Baumes ähneln. Über 150 Varianten derselben Vase wurden bereits hergestellt. Foto: Guy Rebmeister
Glaskunst

Dieses Glasgefäß wird in einer französischen Glasbläserei bearbeitet. Die Oberfläche soll der eines Baumes ähneln. Über 150 Varianten derselben Vase wurden bereits hergestellt.

Foto: Guy Rebmeister

Venedig Amulette, Abendroben, Kristallgläser und Super-Sportwagen haben eines gemeinsam: Ihre Herstellung ist mit einem hohen Maß an Handarbeit verbunden. Dass es hierbei auf Geschicklichkeit, Originalität und Kreativität gleichermaßen ankommt, zeigt die Ausstellung Homo Faber in Venedig, die noch bis zum 30. September in der Lagune zu sehen ist.

Es ist das erste Mal, dass fast die gesamte Isola San Giorgio Maggiore mitsamt des gleichnamigen Benediktiner-Klosters von einer zusammenhängenden Ausstellung bespielt wird. In dreijähriger Vorbereitungszeit ist die Schau, deren lateinischer Name „der schaffende Mensch“ oder „der Mensch als Handwerker“ bedeutet.

Man erfährt, wie die goldene Feder eines Montblanc-Füllfederhalters in bis zu 35 Arbeitsschritten entsteht. Oder welche Tricks und Kniffs vonnöten sind, um einen Porzellanschädel der Manufaktur Nymphenburg in einwöchiger Arbeit mit einem Schildkröten-Motiv zu bemalen. Hermès gibt Einblick in die komplizierte Fertigung eines Sattels. Cartier stellt das Glyptique-Handwerk vor, die hohe Kunst des Steinschneidens. Und Santoni zeigt, wie mit der Velatura-Technik Lederschuhe von Hand koloriert werden.

Organisiert wurde die Schau von der Michelangelo Foundation. Dahinter stehen zwei Personen: Johann Rupert, Leiter des schweizerischen Luxusgüterkonzerns Richemont mit Marken wie Cartier, Montblanc, Jaeger-LeCoultre oder A. Lange & Söhne im Portfolio, sowie Franco Cologni, Historiker, Autor und früher langjähriger Cartier-Direktor. „Homo Faber ist ein Schaufenster europäischer Handwerkskunst mit einem besonderen Hintergrund, nämlich der Frage, was Menschen besser können als Maschinen“, sagt Johann Rupert.

Mehr als 900 Exponate sind auf der Insel zu sehen, von Glasvasen, Porzellan- und Schmuckobjekten über Kleider, Rennwagen, Fahrrädern bis hin zu einem Helikopter und einem hölzernen Segelboot. Die 16 Ausstellungsbereiche sind thematisch sortiert und jeweils von Experten wie den Mailänder Architekten Michele De Lucchi und Stefano Boeri, der Londoner Mode-Professorin Judith Clark sowie der Pariser Interieur-Designerin India Mahdavi kuratiert und teils auch gestaltet wurden.

Der Fokus liegt nicht nur auf den fertigen Objekten, sondern ebenso auf den Schaffensprozessen. Auf vielen Bildschirmen laufen Videos, die die Handwerker inmitten ihrer Werkstätten zeigen. In einigen Räumen wie der Schau der Fondation Bettencourt Schueller werden Virtual-Reality-Brillen genutzt, um die Besucher noch näher an diese Orte des Machens hineinzuführen.

19 temporäre Werkstätten sind für die knapp zweiwöchige Ausstellungsdauer eingerichtet worden, wo man Handwerkern über die Schultern blicken und sich mit ihnen über ihre Arbeit unterhalten kann. Die Marken der Richemont-Gruppe sind hierbei stark vertreten, wenngleich auch die Konkurrenz zugelassen wurde.

Die Idee für das Projekt entstand nach der Finanzkrise. „Wir haben seitdem eine Dekade erlebt, in der das soziale Gefüge ins Wanken geriet. Als Antwort darauf sehen wir wachsende Intoleranz, sehen wir den Brexit, sehen wir Präsident Trump“, so Johann Rupert in seiner Eröffnungsrede.

Die viel größere Herausforderung steht noch bevor: „Durch künstliche Intelligenz und Robotertechnologie werden noch mehr Menschen ihre Arbeit verlieren. Und es werden noch mehr soziale Konflikte entstehen. Wie können wir mit den Maschinen mithalten? Durch Handwerkskunst!“, erklärt der gebürtige Südafrikaner.

Bis 2030 könnte mindestens ein Drittel der Arbeit in 60 Prozent aller Berufsgruppen automatisiert werden. Zwischen 400 und 800 Millionen Menschen werden sich aufgrund der Automatisierung einen neuen Job suchen müssen, analysiert der im Dezember 2017 veröffentliche Bericht „Jobs lost, Jobs gained: Workforce Transitions in a Time of Automation“ des McKinsey Global Institutes.

Die Homo-Faber-Ausstellung will daher mehr als eine reine Bühne für das Handwerk sein. „Wir wollen engere Verbindungen zwischen Kunsthandwerkern und der zeitgenössischen Kultur erzeugen: Ein immer effizienteres, internationales Netzwerk, das über einen elektronischen Marktplatz verfügt“, sagt der Mitbegründer der Michelangelo Foundation Franco Cologni. Über den Online-Händler Yoox, der ein Sponsor der Ausstellung und ebenfalls Teil der Richemont-Gruppe ist, sollen einige der ausgestellten Werke verkauft werden.

Längerfristig sollen weitere Kooperationen geschlossen werden, um das Handwerk über digitale Vertriebskanäle besser mit potenziellen Käufern zu vernetzen und eine solide, wirtschaftliche Basis aufzubauen. Alte Welt und neue Welt finden damit ebenso zusammen wie das Lokale und Globale. Alle zwei Jahre, so Franco Cologni, soll die Homo Faber Ausstellung künftig in Venedig stattfinden.

Homo Faber: Crafting a More Human Future. Noch bis zum 30. September auf der Isola San Giorgio Maggiore in Venedig. Eintritt frei nach vorheriger Anmeldung. www.homofaberevent.com

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