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Hongkong-Auktionen Nicht Abschwächung, sondern Stabilisierung

Der asiatische Kunstmarkt zeigt sich bei den Hongkong-Auktionen von Christie’s und Bonhams in bester Verfassung. Bei der zeitgenössischen Kunst bevorzugen die Auktionshäuser abgesicherte Positionen. Mit Kalligraphie und traditioneller Malerei bestreitet Christie’s seine bisher beste Auktion. Insgesamt ist der Geschmack der asiatischen Sammler vielfältiger geworden. Die Nachfrage ist stark; was fehlt, sind Verkäufer, die große Kunst mit niedrigen Schätzpreisen in die Auktionen geben.
08.06.2012 - 08:05 Uhr Kommentieren
Zeng Fanzhi:

Zeng Fanzhi: "Fly", 2000, Öl auf Leinwand. (Ausschnitt)

(Foto: Christie's Images Ltd. 2012)

London Wieder einmal konnten dunkle Wolken am weltwirtschaftlichen Horizont dem fernöstlichen Kunstmarkt  wenig anhaben. Die Hongkonger Auktionsserien von Christie’s und Bonhams erfüllten die Erwartungen mehr oder weniger glanzvoll. Christie’s schloss mit einem Umsatz von 352 Millionen US-Dollar nur unwesentlich unter dem Herbstumsatz von 366 Millionen Dollar und vor Sotheby’s ab, die im April in Hongkong 316 Millionen Dollar einnahmen. Bonhams hatte mit 40 Millionen Dollar seinen bisher besten Umsatz.

Die Abschwächung vom Frühjahr 2011, als die Auktionsumsätze in Hongkong um 30 Prozent fielen, hat sich also nicht fortgesetzt. Nun heißt das Motto Konsolidierung. „Die spekulativen Elemente sind verschwunden. Aber es ist ein absolut realer Markt“, kommentierte Christie’s Direktor Jonathan Stone. Wenn nun chinesische Sammler wählerischer und besonnener werden, umso besser. Auch ihre Zahlungsmoral wird besser. Dafür sorgte Sotheby’s mit einer Prozesslawine gegen säumige Zahler.

Vorsicht zu Lasten der zeitgenössischen Kunst

Der Rückgang von Spekulation und Unbesonnenheit geht zu Lasten der Contemporary Art: Christie’s Abendauktion hatte zwar einen Absatz von 96 Prozent nach Wert, war aber vorsichtig getrimmt und hatte einen deutlichen Schwerpunkt auf traditionellerer Kunst. Mit 45 Losen war die Auktion schmaler als im Herbst, das Ergebnis von 46 Millionen US-Dollar war halb so hoch. Toplos war ein gefälliger blauer Chrysanthemenstrauß in Glasvase von dem 1966 gestorbenen Sanyu, der mit 6,2 Millionen Dollar die Schätzung verdoppelte. Sanyus Stillleben „Pink Lotus“, 2006 für 3,6 Millionen Dollar bei Sotheby’s ersteigert, brachte nun 5 Millionen Dollar. Die Fahne der neueren Generation hielt Zeng Fanzhi hoch, dessen melancholische Betrachtung in der Kollektivgesellschaft verlorener Individuen unverdrossen populär sind. „Fly“ aus einer europäischen Privatsammlung verdoppelte die Schätzung auf 5,1 Millionen Dollar.

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    Aufschwung für Kalligraphie

    Im Aufwind bleibt die traditionelle Malerei, die im letzten Jahr bei Auktionen in Beijing Preise wie die umgerechnet 65 Millionen US-Dollar für ein Gemälde von Qi Baishi (1864 bis 1957) erzielte. Bei Christie’s blieb es bescheidener, aber die Schätzungen wurden in den Wind geschlagen: Eine Schriftrolle mit Gedichten aus dem 16 Jahrhundert von Donf Qichang (1555-1636) war auf  650.000 bis 900.000 Dollar geschätzt und wurde mit 7,5 Millionen Dollar das Toplos – wobei 20 Sammlersiegel, darunter sechs Siegel des Qianlong Kaisers den Ausschlag gegeben haben dürften.

    Noch sagenhafter war der Aufschwung für die Kalligraphie und Landschaftsmalerei „Farewell to Wu Kuan“, die dem Ming Hofmaler Shen Zhou aus dem 16. Jahrhundert zugeschrieben wurde und 90 Sammlersiegel hatte: Bei einer Taxe von 78.000 bis 103.000 US-Dollar wurden 4,7 Millionen Dollar bezahlt. Es war Christie’s bisher beste Auktion mit Malerei und Kalligraphie, berichtet Spezialist Ben Kong. Wachsendes internationales Interesse und wachsende Kennerschaft zeugten für ein „riesiges Wachstumspotential dieser Kategorie“.

    Stabiler Markt für Luxusobjekte
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