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Impressionismus, Moderne und zeitgenössische Kunst New Yorker Kunstauktionen erfüllen die Erwartungen – doch Glanzlichter fehlen

New Yorks Versteigerungen von Christie’s und Sotheby’s fahren solide, aber nicht spektakuläre Umsätze ein. Nachlässe prominenter Sammler fehlten.
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Mit „La Tunique rose“ erzielt Sotheby's einen Auktionsrekord für die Art-déco-Malerin. Quelle: Sotheby´s, VG Bild-Kunst
Tamara de Lempicka

Mit „La Tunique rose“ erzielt Sotheby's einen Auktionsrekord für die Art-déco-Malerin.

(Foto: Sotheby´s, VG Bild-Kunst)

New York Zweifler am Zustand des Marktes konnten nach dem Auktionsspektakel dieser Woche erst einmal beruhigt sein. Am vergangenen Montag konnte Christie’s auf der New Yorker Auktion für Impressionisten und Moderne einen Absatz nach Losen von 90 Prozent in dem allgemein von Nachschubproblemen geplagten Marktsegment einfahren. Das Dollar-Resultat von 191,9 Millionen Dollar mit Aufgeld fiel mitten in die Erwartungen. „Wir sehen einen soliden und robusten Markt“, resümierte Christie’s CEO Guillaume Cerutti.

Sotheby’s folgte am nächsten Abend mit 208,9 Millionen Dollar, die eher am unteren Ende der Gesamtschätzung lagen. Das galt auch für Christie’s sonst so erfolgsverwöhnte Sparte für zeitgenössische Kunst am Mittwochabend mit 325,3 Millionen Dollar.
Diese Herbstrunde musste ohne die Nachlässe von prominenten Sammlern auskommen, die noch im Frühjahr für einige „big nights“ gesorgt hatten. Die Kataloge boten also nur wenige Highlights, die oft nur mithilfe von Garantien und sogenannten unwiderruflichen Geboten angeworben werden konnten.

Aufgepolstert wurde die Offerte hier und da mit Werken, die man sonst nicht in diesem Segment findet: Christie’s addierte etwa zu Impressionisten und Moderne seltene Grafiken, die aber in diesem Kontext schön reüssierten. So erzielte Erich Heckels stets umworbenen frühen Farbholzschnitt „Zwei ruhende Frauen“ (1909), von dem nur neun Exemplare bekannt sind, 543.000 Dollar. Die Taxe lag bei 500.000 bis 700.000 Dollar.

Kaufkräftiger Osten

Die internationale Klientel, darunter wieder erfolgreiche Bieter aus dem asiatischen Raum, Russland und dem Mittleren Osten, nahm den Gattungsmix nicht übel und kaufte vor allem bei Impressionisten und Moderne kräftig ein. Vorsichtshalber hatten aber Christie’s wie auch Sotheby’s kurz vor den Auktionen die Mindestpreise mit den Einlieferern herunterverhandelt. „Der Markt reagiert auf Qualität, ist aber auch sehr preissensitiv“, sagt Sotheby’s Star-Auktionator Oliver Barker.

Die Bronze kündet vom noch nicht erschütterten Glauben an den Fortschritt. Quelle: Christie's Images Ltd. 2019
Umberto Boccioni

Die Bronze kündet vom noch nicht erschütterten Glauben an den Fortschritt.

(Foto: Christie's Images Ltd. 2019)

Die drei Abende sahen nur selten Feuerwerke. Auf Christie’s Auktion für zeitgenössische Kunst fielen starke 9,8 Millionen Dollar für ein exquisites weiß-rotes Riesenbild von Ellsworth Kelly, einen späten Warhol-Siebdruck mit Muhammed Ali, für den 10 Millionen Dollar geboten wurde, und natürlich für das designierte Toplos der Woche, Ed Ruschas frühes, türkisfarbenes Pop-Bild „Hurting the Word Radio #2“ von 1964. Es hing seit den 1970er-Jahren in der Sammlung der einflussreichen Mäzene Jack und Joan Quinn in Los Angeles. Drei Telefone und ein Saalbieter bewarben sich, und die eingehämmerten 52,5 Millionen Dollar setzten entschieden einen neuen Rekord. Die Schätzung lag bei 30 bis 40 Millionen Dollar.

Sehr zäh gestaltete sich dagegen das Duell um David Hockneys Bild „Sur la Terrasse“, das etwa in dieselbe Zeit wie Hockneys 90,3 Millionen Dollar-Rekordlos vom letzten November datiert und auch seinen Lover Peter Schlesinger abbildet. Aber da enden die Gemeinsamkeiten. Der Hammer fiel schon bei 25,8 Millionen Dollar oder 29,5 Millionen Dollar mit Aufgeld. Geschätzt waren 25 bis 45 Millionen Dollar.

Sotheby’s bot unter Impressionisten und Moderne am Dienstagabend Claude Monets besonders gelungene Version der Londoner „Charing Cross Bridge“ von 1903 an, das erstmalig auf den Markt kam. Sie überstieg bei 27,6 Millionen Dollar leicht die Erwartungen.

Dagegen war Paul Signacs Konstantinopelansicht „La Corne d’Or“ von 1907 bereits drei Mal in den letzten elf Jahren in London und New York versteigert worden. Debütiert hatte sie laut Datenbank Artprice im Mai 2008 bei 6,7 Millionen Dollar. Jetzt verlangte das Bild in hervorragendem Zustand schon 16,2 Millionen Dollar, die der einzige Bieter, vertreten durch Patti Wong, Chairman Asia, bewilligte. Die Erwartung war in dieser Runde schon auf 14 bis 18 Millionen Dollar geklettert. Allerdings hatte man den Verkauf durch ein sogenanntes unwiderrufliches Gebot im Vorfeld abgesichert.

Besonders erfolgreich ließen sich herausragende Skulpturen absetzen. Überraschender Ausreißer war Alberto Giacomettis handliche Bronzebüste seines Bruders „Diego au blouson“, ein besonders schöner Guss, entworfen und gegossen im Jahr 1953 (Auflage 2/6). Etwa sieben internationale Bieter verdoppelten Sotheby’s Mindesterwartung auf 14,3 Millionen Dollar, der Zuschlag fiel an Sotheby’s Züricher Repräsentanten Nick Deimel, der im Kundenauftrag bot.

Hommage an die Geschwindigkeit

Auch um Auguste Rodins ungewöhnliche Kalksteinskulptur „Cariatide tombée portant sa pierre“ (entworfen um 1881/2, gemeißelt 1893/4) mit unbearbeiteten Partien wurde lange gestritten. Schließlich kam das Kunstwerk zum ersten Mal zur Versteigerung. Hier unterlag der New Yorker Privathändler Phillipe Ségalot bei 7,6 Millionen Dollar.

Richard Gallo geht mit seinem Hund Dick am Ufer von Petit Gennevilliers spazieren, gemalt 1884 in strenger Profilansicht. Quelle: Sotheby's
Gustave Caillebotte

Richard Gallo geht mit seinem Hund Dick am Ufer von Petit Gennevilliers spazieren, gemalt 1884 in strenger Profilansicht.

(Foto: Sotheby's)

Obwohl nur mit einer bescheidenen Taxe von 3,8 bis 4,5 Millionen Dollar versehen, zog bei Christie’s Umberto Boccionis Bronzestatue „Forme uniche della continuità nello spazio“ alle Augen auf sich. Übersetzt heißt das; „Einzigartige Formen der Kontinuität im Raum“.

Es ist eine Ikone der kurzlebigen italienischen Avantgardebewegung „Futurismus“ vom Anfang des 20. Jahrhunderts. Gekonnt setzt die schreitende Person die Ideen des Futurismus von Energie und Geschwindigkeit in die dritte Dimension um.

Aber wie Abteilungsleiter Max Carter erklärte, war hier eine adäquate Bewertung besonders schwierig; zuletzt kam ein Exemplar der Serie 1975 auf den Markt. Und es handelte sich um einen späteren Guss von 1972 in Zehner-Auflage, der mit Genehmigung der Erben von einer Bronze aus dem Jahr 1951 genommen wurde (sogenannte Surmoulage-Technik). Daran störten sich fünf Bieter offenbar wenig.

Nach einem ausgedehnten Duell mit Marc Porter, Chairman Americas, sicherte sich schließlich Harry Smith, Chairman und Managing Direktor der internationalen Kunstberatung Gurr Johns, bei 16,2 Millionen den Zuschlag, wie man hört im Auftrag eines Sammlers aus dem Mittleren Osten.

Gut vertreten waren auch Bilder der Surrealisten, die mittlerweile in Europa, Asien und Amerika umworben sind. Bei Christie’s steuerte Salvador Dalí ein frühes typisches Kleinformat von 1932, „Le cavalier à la tour“ bei, das die niedrige Taxe von 600.000 bis 900.000 Dollar bei 2,7 Millionen Dollar spielend abhängte.

Aber allen davon spurtete René Magritte, der auf einen neuerdings sehr dynamischen Markt blicken kann. Unter insgesamt acht angebotenen Werken setzte sich mit 19,6 Millionen Dollar (Taxe 7 bis 10 Millionen Dollar) „Le seize septembre“ von 1957, eine seltene Großversion des Baumes in abendlicher Stimmung, bei Christie’s an die Spitze.

Die bedeutenden Chicagoer Sammler James und Marilyn Alsdorf hatten das Bild im Mai 2005 aus Sotheby’s Rückgangsliste erworben. Bei einer damals ehrgeizigen Taxe von 6 bis 8 Millionen Dollar hatte sich kein einziger Finger auf der Auktion gehoben.

Sotheby’s wiederum sah heftiges Ringen um Magrittes Auktionsdebütanten „La Legende des Siècles“, das einen überdimensionierten, aus groben Steinquadern zusammengesetzten Stuhl zeigt. Die New Yorker Privathändlerin Nancy Whyte setzte sich im Kundenauftrag über die Taxe von 4 Millionen Dollar hinweg und erhielt bei 8,6 Millionen Dollar brutto den Zuschlag.

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