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Internetauftritt Museen stoßen digitale Fenster auf

Viele Sammlungen profitieren von früheren Investitionen in ihre Internetpräsenz und die sozialen Medien. So bleiben ihre Bestände auch unter dem Lockdown zugänglich.
08.04.2020 - 16:59 Uhr Kommentieren
Das dänische Louisiana Museum kann über einen eigenen Kanal mehr als 750 Filme über zeitgenössische Künstler ausstrahlen. Quelle: Louisiana Museum/Louisiana Channel
Videothek im Netz

Das dänische Louisiana Museum kann über einen eigenen Kanal mehr als 750 Filme über zeitgenössische Künstler ausstrahlen.

(Foto: Louisiana Museum/Louisiana Channel)

München Yilmaz Dziewior ist seit fünf Jahren Direktor des Museum Ludwig in Köln. Die Social-Media-Auftritte seines Hauses überließ er vorwiegend seinen Mitarbeitern. Als aber vor drei Wochen die Kölner Museen wegen der Ansteckungsgefahr geschlossen wurden, stellte er sich als einer der Ersten mit einem Smartphone im Selfiemodus vor David Hockneys Gemälde „Sonnenbader“ und begann seinen Post: „Wir haben euch ja versprochen, die Kunst zu euch nach Hause zu bringen.“

Seitdem teilt das Museum unter #museumludwig und #museumfromhome täglich ein weiteres Kunstwerk mit der virtuellen Gemeinschaft. „Denn gerade in Zeiten anschleichender Sinnkrisen ist die Kunst als sinnstiftendes Element wichtiger denn je“, betont Dziewior überzeugend.

Die Digitalisierung der Kunsterfahrung erhielt in Zeiten des Lockdown einen neuen Stellenwert. Der Zugang zu Kunst im Netz hat nicht mehr so stark den Beigeschmack einer Marketingstrategie. Er wird als die Fortsetzung des Kunstdiskurses in einem stetig wachsenden Kommunikationsraum begriffen. Viele Museen forcierten spontan und mit dem Charme des medialen Seiteneinsteigers ihre Social-Media-Aktivitäten.

Die Website des Museums für Kunst und Gewerbe in Hamburg beispielsweise war mit ihren Blogs und Download-Angeboten schon vor der Corona-Pandemie mehr als ein starres Infoportal. Aber nun stößt auch dieses Haus täglich das digitale Fenster auf. Unter #culturedoesntstop postet das Museum seit Mitte März fast jeden Tag ein Video über ein Objekt aus dem Bestand. Die Kuratorin Esther Ruelfs etwa holte zu diesem Zweck eine Arbeit der exzentrischen Fotografin Madame d’Ora aus dem Archiv.

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    „Besuchen Sie Ihr Lieblingsmuseum von zu Hause aus“, ist die neue Devise. Und manche Websites sind multifunktionale Plattformen, Imageportale, Vermittlungsangebote in Sachen Kunst und Netz-Magazin in einem.

    Die Monet-Schau im Museum Barberini in Potsdam. Quelle: Museum Barberini/David von Becker
    Interaktiv

    Die Monet-Schau im Museum Barberini in Potsdam.

    (Foto: Museum Barberini/David von Becker)

    Das Städel glaubt schon seit fünf Jahren an die Wirkkraft des Digitalen und geht weit über hauseigene Informationspolitik hinaus. So ist etwa der Podcast „Finding van Gogh“ über das Verschwinden des berühmten Porträts „Dr. Gachet“ komplex wie ein Hörspiel. Und der kostenlose 40-stündige „Onlinekurs zur Kunst der Moderne“ist aufschlussreicher und interaktiver als ein Volkshochschulkurs.

    Wie sehr die Angebote und das Budget eines Hauses zusammenhängen, zeigt sich bei den Pinakotheken in München. Die Produktion der „Kunstminute“, die auch auf Youtube zu sehen ist, ist mit Mitteln aus dem ohnehin schon niedrigen Ausstellungsetat finanziert. Das Konzept ist gediegen: Kuratoren stellen in prägnanten Texten Werke ihres Ressorts vor, von Albrecht Dürers „Selbstbildnis im Pelzrock“ bis zu Olaf Metzels bühnenhafter Skulptur „Reise nach Jerusalem“.

    Stundenlang durch Blumenstudien clicken

    Das Nichtsichtbare des Museumsalltags sichtbar zu machen, das kann kein Medium besser als das Netz. Jetzt bewährt sich, wer schon vor Jahren den Bestand digitalisierte. Das Metropolitan Museum in New York, das in diesem Jahr sein 150-jähriges Bestehen feiert, schiebt nicht nur seine Highlights in den Vordergrund. Stundenlang können User unter der Rubrik MetsCollects die Blumenstudien aus dem Bestand des The Cloisters, einer Dependance des Mets, durchblättern.

    Wer sich durch die Museen klickt, kann unter dem Button Neuankauf auch viel über die Ankaufspolitik erfahren. Die vorgestellten Neuerwerbungen der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen zum Beispiel zeigen einen Fokus auf außereuropäische Künstler in der Sammlungsstrategie.

    Nicht von der öffentlichen Hand abhängig ist das Museum Barberini in Potsdam. Hasso Plattner, SAP-Mitbegründer, Sammler und Museumsbetreiber hat viel in sein Museum investiert und auch in seine Website. Die Ausstellung „Monet. Orte“ verbuchte im Februar rund 2500 Besucher täglich. Jetzt bleibt nur das Digitorial, das hier „Prolog“ genannt wird. Wie ein kurzweiliger Essay zur Ausstellung führt es die ausgestellten Bilder mit Texten, unterlegten Briefzitaten und montiertem, historischem Filmmaterial zusammen.

    Von der digitalen Präsenz der Bilderwelt Monets im Barberini ist das Werk Raffaels im europaweiten Ausstellungstrubel zum 500. Todesjahr des Malers weit entfernt. Die Schau im Museum Scuderie del Quirinale sollte das überragende Ereignis in diesem Gedenkjahr werden. Nach der vorzeitigen Schließung bleiben auf der Website jedoch nicht mehr als ein paar uninspiriert gestaltete Videos. Der Malerstar starb übrigens an einer fieberhaften Infektion.

    Weltumspannendes Videoarchiv

    Dabei können Videos über Künstler und ihre Werke ein faszinierender Einstieg in den Kosmos der Kreativen sein. Der Louisiana Channel aus Dänemark hat mit mehr als 750 Kurzfilmen über bedeutende Künstler, Architekten und auch Schriftsteller ein weltumspannendes Videoarchiv zeitgenössischer Kunst geschaffen. Es dokumentiert Kunst in Zusammenarbeit mit Künstlern.

    In ihrem farbstarken Studio in Tokio erklärt etwa Yayoi Kusama ihre Bestimmung als Avantgarde-Künstlerin. Marina Abramovic und Ulay erinnern sich, warum sie sich 1977 in ihrer Aktion „Imponderabilia“ als lebende Türen nackt in den Türrahmen des Museumsausgangs stellten.

    Kulturservice an die Gesellschaft

    Louisiana Channel wurde 2012 auf Initiative des Louisiana Museum für moderne Kunst gegründet, aber Gründungsredakteur Marc-Christoph Wagner betonte im Gespräch mit dem Handelsblatt: „Unsere Videos sind kein Marketinginstrument des Museums, um Besucherzahlen zu erhöhen.“

    Das Team arbeitet unabhängig und versteht sich als global wirkender Kulturservice an die Gesellschaft. Das jährliche Budget von umgerechnet einer halben Million Euro kommt von Sponsoren wie der Nordeafonden, der Stiftung des führenden Bankkonzerns Skandinaviens, sowie der Reederei Maersk.

    Nach der Coronakrise werden wir die Museumsportale und Video-Channels vielleicht anders sehen. Nämlich als großen, frei zugänglichen Wissensspeicher, der rund um die Uhr und rund um den Globus geöffnet ist. Gott sei Dank muss hier niemand Mundschutz tragen.

    Mehr: Coronakrise: So laden geschlossene Museen zu virtuellen Rundgängen ein

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    Mehr zu: Internetauftritt - Museen stoßen digitale Fenster auf
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