Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Jahresumsatz Covid-19 verhagelt den französischen Auktionshäusern die Bilanz

Beunruhigendes Jahresergebnis: Die Pariser Auktionshäuser verkaufen 2020 mindestens 20 Prozent weniger Kunst und Luxusobjekte als im Vorjahr.
14.01.2021 - 14:21 Uhr Kommentieren
Das Elfenbein-Flachrelief wurde am 3. Dezember 2020 von Ivoire Saint-Etienne für 280.250 Euro versteigert. Ein deutscher Bieter reiste extra an, bekam es aber nicht. Quelle: Ivoire Saint-Etienne
Leonhard Kern zugeschrieben

Das Elfenbein-Flachrelief wurde am 3. Dezember 2020 von Ivoire Saint-Etienne für 280.250 Euro versteigert. Ein deutscher Bieter reiste extra an, bekam es aber nicht.

(Foto: Ivoire Saint-Etienne)

Paris Das von der Covid-Pandemie geprägte Jahr 2020 hatte auf den Pariser Auktionsmarkt generell negative, aber im Detail unterschiedliche Auswirkungen. Im Durchschnitt konstatieren die Pariser Versteigerer einen Umsatz-Rückgang von 20 bis 40 Prozent. Insgesamt setzten sie Kunst und Luxusobjekte für 925,8 Millionen Euro um, weit weniger als die 1,3 Milliarden Euro des Jahres 2019.

Am härtesten trifft es ausgerechnet den Weltmarktführer Sotheby’s, der jahrelang die Topposition in Frankreich hielt. Im Jahr 2020 verlor die Firma mehr als 50 Prozent ihres des Jahresumsatzes. Mit 173 Millionen Euro – im Vergleich zu den 354,6 Millionen Euro des Vorjahrs – steht das Pariser Haus prozentual ziemlich schlecht da.

Mario Tavella, CEO von Sotheby’s Frankreich und Europa, relativiert dieses Ergebnis: „2019 war ein außergewöhnliches Jahr für uns. Wir versteigerten damals die Sammlung des Designer-Paares François-Xavier und Claude Lalanne, die alleine 91 Millionen Euro verbuchte“.

Im gleichen Atemzug verweist Tavella auf eine entscheidende Entwicklung der internationalen Auktionshäuser: Das exponentielle Ansteigen ihrer privaten Vermittlungen. „Wir geben die Zahlen nicht bekannt, aber die Privatverkäufe haben sich im Verhältnis zum Jahr 2019 verdreifacht“. Nicht zuletzt deshalb, weil auch die französischen Museen, etwa der Louvre oder das Schloss Fontainebleau, gerne die diskreten Privatverkäufe der Auktionatoren nützen.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Der Franzose Guillaume Cerutti, weltweit agierender CEO von Christie’s, schlägt in die gleiche Kerbe. Mündlich teilt er mit, die gesamten Privatverkäufe von Christie’s betrügen gut eine Milliarde Dollar bei einem weltweiten Umsatz von 4,4 Milliarden Dollar. Bei Verkäufen „über 25 Millionen Dollar möchten die Verkäufer lieber die private Schiene nützen“, fügt Cerutti hinzu.

    Das Gemälde schlug Christie's im Rahmen der Auktion
    Jean Dubuffet „Pourlèche Fiston“

    Das Gemälde schlug Christie's im Rahmen der Auktion "ONE" für 6,5 Millionen Euro zu.

    (Foto: Christie’s/ VG Bild Kunst)

    In Paris übernahm Christie’s 2020 die Führungsposition mit 221,3 Millionen Euro Jahresumsatz, gefolgt von Artcurial mit 149,2 Millionen Euro. Die restlichen unabhängigen Pariser Auktionshäuser Aguttes, Ader–Nordmann-Dominique, Piasa, Tajan, Pierre Bergé & Associés, sowie Bonham’s und RM Sotheby’s, die einmal pro Jahr in Paris Sammlerautos versteigern, blieben jeweils unter 50 Millionen Euro Umsatz.

    Ziemlich beunruhigend ist das schwache Ergebnis der in der „Groupe Drouot“ zusammengeschlossenen 59 Versteigerer, die nur 205 Millionen Euro umsetzten – im Verhältnis zu 372 Millionen Euro im Jahr davor. Der Verwaltungsrat der „Groupe Drouot“ beschloss nun einige Reformen, darunter die mögliche Benutzung des Gebäudes mit seinen 15 Sälen für ausländische oder Provinzauktionatoren. „Drouot“ wird somit zur physischen und digitalen Plattform.

    Digitale Technik hochfahren

    Die französischen Versteigerer legen weiterhin großen Wert auf die taktile Besichtigung der Auktionsware. Das hebt auch Martin Guesnet von Artcurial hervor: „Unser Business-Modell bleibt die Live-Auktion, obwohl wir selbstverständlich auch die digitale Technik hochfahren“.

    Das Duopol Sotheby’s und Christie’s setzt dagegen voll auf digitale Versteigerungen. Der als „cost killer“ bekannte Guillaume Cerutti plant gut 50 Prozent der Auktionen rein digital. Parallel dazu reduzierte er bereits Anfang 2020 die gedruckten Auktionskataloge von Christie’s um die Hälfte. Beide Häuser punkteten mit innovativen digitalen Auktionen, die gleichzeitig in mehreren Städten stattfanden. Dabei konnte Christie’s im Juli für ein Bild von Jean Dubuffet, „Pourlèche Fiston“ 6,5 Millionen Euro einfahren.

    Die „Büßende Magdalena“ des Leonardo-Schülers verzehnfachte ihren Schätzpreis auf 1.745.000 Euro. Quelle: Artcurial
    Gian Giacomo Caprotti, genannt Salai

    Die „Büßende Magdalena“ des Leonardo-Schülers verzehnfachte ihren Schätzpreis auf 1.745.000 Euro.

    (Foto: Artcurial)

    Als positive Tendenz zeichnete sich im letzten Jahr die rasche Konsolidierung des asiatischen, insbesondere chinesischen Kaufinteresses ab. Paris registrierte für China-Objekte enorm hohe Zuschläge. Der Jahreshöchstzuschlag von 8,1 Millionen Euro klopfte das Auktionatorenduo Beaussant-Lefevre im Versteigerungsgebäude „Drouot“ für zwei chinesische Manuskript-Alben der Enzyklopädie „Yongle Dadian“ aus der Zeit der Ming-Dynastie ein. Mehrere kostbare China-Vasen oder Porzellan-Trinkgefäße waren kundigen Käufern zwischen 4,4 bis 4,9 Millionen Euro wert.

    Dank der Online-Auktionen mischen immer mehr Versteigerer aus der französischen Provinz mit extrem guten Stücken mit. Der Versteigerer Ivoire Saint-Etienne bot ein Flachrelief aus Elfenbein an, das Leonhard Kern um 1615 zugeschrieben ist. Ein extra angereister deutscher Bieter musste die „Beweinung Christi“ einem Holländer am Telefon für 280.500 Euro überlassen.

    Zeitgenössische Kunst in Marrakesch

    Gemälde, besonders Impressionisten und Moderne, halten sich in Paris im einstelligen Millionenbereich. Ein stimmiges Gemälde von Théo van Rysselberghe gab Christie’s für 5,2 Millionen Euro ab, ein Deckfarbenblatt auf Papier, „Männerkopf“ von Pablo Picasso aus dem Jahr 1940, verbesserte mit 4,4 Millionen Euro die Bilanz von Sotheby’s.

    Das 1515 entstandene Altmeistergemälde „Büßende Madeleine“ des Leonardo-Lieblingsschülers Salaj, Gian Giacomo Caprotti mit vollem Namen, kletterte bei Artcurial auf stattliche 1,7 Millionen Euro.

    Übrigens wechselte der ideenreiche Spezialist für zeitgenössische afrikanische Kunst, Christophe Person, von Piasa zu Artcurial. Dadurch reichen die Artcurial-Auktionen in Marrakesch von der orientalischen Malerei jetzt auch bis zur Gegenwartskunst.

    Das vergangene Jahr markierte leider den quantitativen und qualitativen Rückzug der Stammeskunst aus Afrika, Ozeanien, Nord- und Südamerika. Christie’s konnte noch wenige gute Stücke in der Dezember-Auktion anbieten. Sotheby’s, jahrelang Marktführer auf diesem Gebiet, verlor hingegen offensichtlich einige Spezialisten inklusive deren Kundenkartei.

    Bei Christie’s wird Stammeskunst nur noch in Paris versteigert werden, teilt CEO Cerutti mit. Das gerade angelaufene Jahr muss zeigen, ob die Restitutions-Initiative für Afrika von Staatspräsident Emmanuel Macron noch Auswirkungen auf den Markt haben wird.

    Mehr: Halbjahresbilanz: Für die Pariser Auktionshäuser ist die Saison nicht gut gelaufen

    Startseite
    Mehr zu: Jahresumsatz - Covid-19 verhagelt den französischen Auktionshäusern die Bilanz
    0 Kommentare zu "Jahresumsatz: Covid-19 verhagelt den französischen Auktionshäusern die Bilanz"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%