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James-Simon-Galerie Spektakulärer Empfang auf der Museumsinsel

Der Eingangsbau der Berliner Museumsinsel vom Architekten David Chipperfield lockt mit fantastischen Ausblicken und Serviceeinrichtungen.
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Das neue zentrale Empfangsgebäude der Museumsinsel gefällt dem Publikum. Quelle: Pierre Adenis/laif
David Chipperfields James-Simon-Galerie

Das neue zentrale Empfangsgebäude der Museumsinsel gefällt dem Publikum.

(Foto: Pierre Adenis/laif)

Berlin Sie ist die funktionale Krönung der Berliner Museumsinsel. Die Eröffnung der von dem britischen Architekten David Chipperfield gebauten James-Simon-Galerie ist das Herzstück des in den 1990er-Jahren entworfenen Masterplans für die sanierungsträchtigen Museen.

Vor dem Haupteingang lädt eine hohe Freitreppe zum Verweilen ein, und an der Hauptfront am Kupfergraben wirkt die Kolonnade schlanker Stützen über hohem Steinsockel als späte Hommage an den von den preußischen Stararchitekten Karl Friedrich Schinkel und Friedrich August Stüler gepflegten Spätklassizismus.

Alles ist so hell und einladend, dass die Terrasse, die sich vor der Kolonnade über die gesamte Länge des Nutzbaus erstreckt und dem Café Raum gibt, einer der Hauptanziehungspunkte für Besucher ist. Rund 20.000 Personen strömten schon am ersten Wochenende in das neue Gebäude mit den glatten Kalkstein- und Sandsteinfassaden, das als schöner Nutzbau auch die Anmutung eines Museums hat. „Wir wollten keine weitere Box bauen, wir wollten einen öffentlichen Treffpunkt“, betont David Chipperfield. Das ist an diesem geschichtsträchtigen Ort auf exemplarische Weise gelungen.

Im Inneren folgt die Besucherführung der in die Länge schweifenden Struktur. Hier dominiert heller Ortbeton. Oberirdisch ist der Neubau an das Pergamonmuseum angebunden, das erst 2024 wiedereröffnen wird. Im Sockelgeschoss verbindet die Archäologische Promenade, in der mit Einzelobjekten die Vielfalt der Sammlungen angedeutet und die Geschichte der Museumsinsel aufgerollt wird, das Gebäude an das Neue Museum, das Alte Museum und das Bode-Museum.

Unter dem Hauptfoyer, das sich zur Terrasse öffnet, liegen der lang gestreckte Sonderausstellungssaal und das 300 Sitzplätze bietende, steil abfallende Auditorium. Im Mezzanin-Geschoss liegen ein nobel vertäfelter Museumsshop, Garderobe und WCs. Die Besucherführung ist vorbildlich. Man findet auf Anhieb sein Ziel.

Man darf gespannt sein, wie sich dieses serviceorientierte Gebäude, das nach der Wiedereröffnung des Pergamonmuseums die Besucherströme lenken soll, in der zukünftigen Praxis bewährt. Da die einzelnen Museen nach wie vor auch von außen zu betreten sind, werden sich Warteschlangen verteilen und nicht wie beim Louvre kanalisieren – Zukunftsmusik für einen Bau, der jetzt nach neunjähriger Bauzeit mit seiner architektonischen Qualität auftrumpft.

Vergessen sind die anfänglichen starken Bedenken gegen den Bau, der zu einer Überarbeitung der ursprünglichen Pläne von Chipperfield Architects führte, vergessen auch die Probleme mit dem morastigen Wassergrund, die nicht zuletzt die Gesamtkosten für den knapp 11.000 Quadratmeter großen Bau auf 134 Millionen Euro steigen ließen.

Der Neubau David Chipperfields zieht schon am ersten Wochenende 20.000 Besucher an. Alles ist hell und einladend. Die Freitreppe lädt zum Verweilen ein. Quelle: Pierre Adenis/laif
James-Simon-Galerie

Der Neubau David Chipperfields zieht schon am ersten Wochenende 20.000 Besucher an. Alles ist hell und einladend. Die Freitreppe lädt zum Verweilen ein.

(Foto: Pierre Adenis/laif)

Der Namensgeber James Simon (1851 – 1932) ist einer der größten Mäzene der Berliner Museen. Zehn Sammlungen stiftete er 10.000 Objekte, vor allem Altmeistergemälde und hochrangige Skulpturen, aber auch Antiken wie die 1920 dem Ägyptischen Museum vermachte Nofretete-Büste. Sie wurde 1912 im Rahmen der von Simon maßgeblich geförderten Ausgrabungen der Deutschen Orientgesellschaft (DOG) in Tell el-Amarna gefunden.

Simon war einer der reichsten Männer der Wilhelminischen Ära vor dem Ersten Weltkrieg. Sein Baumwoll-Imperium bescherte ihm ein Vermögen von 35 Millionen Mark, das in der wirtschaftlichen Misere der Kriegsjahre und der Inflationszeit dramatisch zusammenschmolz.

1919 musste sich der Sammler von seinen beiden wichtigsten Gemälden trennen: einem van Dyck und einem Vermeer, die jetzt in amerikanischen Museen hängen. 1927 wurden Reste seiner Sammlung in Amsterdam versteigert. 1931 ging das Unternehmen „Gebrüder Simon“ in Konkurs.

Späte Erinnerung

Mit den Auslöschungen alles Jüdischen in der Nazizeit verschwand der Name des Mäzens von den Museumsschildern. Auch in den folgenden Jahrzehnten war er nur Kunsthistorikern geläufig. Erst eine im Jahr 2000 publizierte Biografie von Olaf Matthes und die Gründung der von Bernd Schultz, Gesellschafter des Berliner Auktionshauses Grisebach, initiierten James-Simon-Stiftung im Jahr 2006 haben dem Philanthropen die verdiente Wertschätzung zurückgebracht.

Dass jetzt im Bode-Museum das Renaissance-Kabinett James Simon mit seiner Ersteinrichtung von 1904 rekonstruiert wurde, ist eine kleine Hommage. Nobler wäre es gewesen, neben der Multimediapräsentation in der Ausstellungshalle des Neubaus eine umfassende Schau seiner Museumsschenkungen zu zeigen. Sie bleibt immer noch ein Desiderat, ebenso wie eine längst fällige Ausstellung zu den anderen großen jüdischen Kunstsammlern der Kaiserzeit und der Weimarer Republik. Die James-Simon-Galerie wäre der richtige Ort.

Das neue Eingangsgebäude und Besucherzentrum erinnert an den zu wenig gewürdigten Mäzen James Simon (1851 – 1932). Öffnungszeiten: Mo bis So 9:30 bis 18:30 Uhr, Do bis 20:30 Uhr

Mehr: Museumsarchitektur: Lesen Sie hier über den Neubau der schottischen Zweigstelle für das Victoria & Albert Museum

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