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Johann König Seher ohne Augenlicht: Wie dieser Kunsthändler zum Erfolgsträger wurde

Johann König ist nach einem Unfall fast blind. Aber als Kunsthändler sieht er besser als viele andere. Seine Galerie erfreut sich großer Beliebtheit.
20.06.2019 - 15:59 Uhr Kommentieren
Seit 2015 arbeitet die König-Galerie von Sankt Agnes aus. Die ehemalige Kirche wird stilistisch dem Betonbrutalismus zugeordnet. Quelle: Gene Glover für Handelsblatt
Johann König

Seit 2015 arbeitet die König-Galerie von Sankt Agnes aus. Die ehemalige Kirche wird stilistisch dem Betonbrutalismus zugeordnet.

(Foto: Gene Glover für Handelsblatt)

Düsseldorf Persönlich ist Johann König lässig-freundlich im Umgang. Doch sein Motor ist im Leben wie im Geschäft der Widerspruch, das Trotzdem.

Er hat keine klassische Ausbildung genossen, keine Praktika bei berühmten Galeristen oder Kurse bei großen Auktionshäusern gemacht – und kann schicksalsbedingt noch dazu kaum etwas sehen. Schlechte Voraussetzungen für eine steile Karriere im Kunstgeschäft. Johann König führt dennoch – oder gerade deshalb – die seinen Namen tragende König Galerie von Erfolg zu Erfolg. Damit widerlegt der heute 37-Jährige nicht nur die Ängste seiner kunstaffinen Herkunftsfamilie, sondern widerspricht auch allen Stereotypen, wie ein Galerist sein sollte.

Noch vor dem Abitur hat der 1981 Geborene die Chuzpe, eine eigene Galerie zu gründen. Innerhalb kürzester Zeit wird sie auf den fürs Überleben so wichtigen Messen zugelassen. Zunächst bespielt er die guten, aber nicht ganz so angesehenen Messen, rückt dann aber zügig auf in den Olymp, zur Art Basel und zur Londoner Frieze.

Der Newcomer mit den dicken Brillengläsern erkennt vielleicht eher instinktiv als visuell, welche Akademieabsolventen das Potenzial für große Künstlerkarrieren haben. Und vermittelt fortan Werke von Alicja Kwade, Jeppe Hein und Andreas Schmitten in bedeutende Sammlungen. Königs Stammkünstler sind auf der Biennale von Venedig vertreten, haben weltweit Ausstellungen, werden von Privatsammlern angekauft.

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    Über seine Kindheit unter Künstlern, Galeristen und Museumsleuten, über den Unfall, der den Zwölfjährigen das Augenlicht zunächst vollständig kostete, die 30 Operationen, die wenigstens etwas Sehkraft zurückbrachten, und seine Einsichten in den Kunstbetrieb – zu all dem erfährt der Leser etwas in Königs jüngst erschienener Autobiografie „Blinder Galerist“. Das flüssig erzählte Buch entstand mit dem Autor Daniel Schreiber – und entwickelt sich gerade zum allerorten besprochenen Hit.

    Mit den Eltern und Kunst von Andy Warhol, On Kawara und Blinky Palermo. Quelle: privat; VG Bild-Kunst, Bonn 2019 für Palermo
    Zu Hause in Köln

    Mit den Eltern und Kunst von Andy Warhol, On Kawara und Blinky Palermo.

    (Foto: privat; VG Bild-Kunst, Bonn 2019 für Palermo)

    Auf eine Flut von Zeitungsbesprechungen und Instagram-Posts folgen jetzt Einladungen zu Talkshows. Die erste Auflage des Buches ist so gut wie ausverkauft, die zweite geht bald in Druck. Der Propyläen Verlag gibt zwar keine Verkaufszahlen bekannt. Kein Geheimnis aber ist, dass Königs Rührstory mit Happy End auf Amazons Bestsellerliste recht weit oben rangiert. Der Mythos vom blinden Seher ist erfolgreich wiederbelebt.

    Johann König selbst erklärt den Erfolg seines Buchs mit dem Einblick in die Kunstwelt, den nur wenige so geben können. „Und ich versuche zu beschreiben, wie man aus einer Schwäche eine Stärke generieren kann. Da wir alle Schwächen haben, kann jeder etwas mit dem Buch anfangen.“

    Gerade nach der Galeriegründung war der noch sehr wenig sehende Firmenchef extrem auf die Hilfe seines damaligen Direktors und seiner damaligen Lebensgefährtin angewiesen. Beiden schenkt der Autor nicht viel Aufmerksamkeit in der Autobiografie.

    Der Berliner Galerist König ist eines der vier Kinder von Kasper König, dem einflussreichen Ausstellungskurator und Direktor des Museums Ludwig in Köln. Seine Mutter ist die Schauspielerin und Illustratorin Edda Köchl-König, sein Patenonkel der Videopionier Nam June Paik, sein Onkel Walther Chef eines Kunstbuch-Verlags.

    Als Kind wie als sehbehinderter Jugendlicher war König immer von Künstlern umgeben, zu Hause, auf Reisen in ihre Ateliers, in den Familienferien. Er nahm nebenbei auf, worum es in der Kunst geht, wie man mit Künstlern kommuniziert, wie man Sammler überzeugt. Was man über zeitgenössische, provozierend ungewohnte Kunst wissen muss, lernte er zu Hause.

    Dass er sich mit dieser Kenntnis ins Haifischbecken der Kunstwelt traute, könnte mit seinem Widerspruchsgeist zu tun haben. Der hat ihn ja schon die bitteren Jahre der Pubertät überstehen lassen, als er lernte, aus Schwächen Stärken zu machen. Königs Talent ist das Reden über Kunst, das Begeistern und Überzeugen. Dazu kommt ein Händchen fürs Geschäft – und eines fürs Marketing.

    Der Bildhauer ist einer seiner Stammkünstler. Quelle: Privat
    Der junge Galerist und Jeppe Hein

    Der Bildhauer ist einer seiner Stammkünstler.

    (Foto: Privat)

    2015 bezog die Galerie die entweihte katholische Kirche St. Agnes in Kreuzberg. Deren denkmalgerechter Umbau brauchte drei Jahre und war mit fünf Millionen Euro Kosten auch finanziell ein Kraftakt. Das Projekt hat der Galerie aber auch zusätzliche Aufmerksamkeit erschlossen.

    Abermals neue Kreise, die zwar kunstinteressiert sind, aber sich nicht als Kunstkenner verstehen, bedient der Erfolgsgalerist mit seinen bitter-süßen Memoiren. Zuvor hat er das schon mit einem Shop und den Sonntagsöffnungen seiner Galerie im brutalistischen Betonbau von St. Agnes getan. König weiß eben alles zu nutzen, was seiner Mission – der Kunst, die er vertritt – guttut.

    Johann König, Daniel Schreiber: Blinder Galerist, 168 Seiten, Propyläen Verlag, 24 Euro

    Mehr: Gallery Weekend in Berlin: Lesen Sie hier, was die Galerienszene am Regierungssitz bewegt.

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