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Karl & Faber und Neumeister Gutes Geschäft mit Alexej Jawlenski

Selektive Bieter erschweren das Geschäft mit der Moderne. Einen berechenbaren Absatz garantiert nur die zeitgenössische Kunst. Ein Blick auf die Ergebnisse der Münchener Auktionen von Karl & Faber und Neumeister.
23.12.2019 - 16:55 Uhr Kommentieren
Das Bild von 1915 kletterte von geschätzten 30.000 auf 100.000 Euro mit Aufgeld (Ausschnitt). Quelle: Karl & Faber
Die „Parklandschaft“ von Adolf Erbslöh

Das Bild von 1915 kletterte von geschätzten 30.000 auf 100.000 Euro mit Aufgeld (Ausschnitt).

(Foto: Karl & Faber)

München Sammler können der Berühmtheit eines Kunstwerkes ebenso verfallen wie Konsumenten dem Image einer Luxusmarke. Das zeigte Anfang Dezember das Münchener Auktionshaus Karl & Faber in seiner Auktion mit Klassischer Moderne, Nachkriegs- und Gegenwartskunst. Alexej von Jawlenskys „Abstrakter Kopf“ von 1930 erzielte 587.500 Euro (alle Preise mit Aufgeld) und wurde das teuerste Los des Abends.

Allein in den letzten zweieinhalb Jahren wurden laut Datenbank Artprice 15 nicht identische Gesichtsdarstellungen des Expressionisten auf dem Auktionsmarkt angeboten. Zehn davon konnten für mehr als 300.000 Euro aufwärts versteigert werden. Innerhalb dieser 30 Monate belegt Karl & Faber im Ranking der meist verkauften Jawlensky-Köpfe Platz drei. Ganz vorn liegt Christie’s mit einem Erlös von umgerechnet 1,2 Millionen Euro.

Das Phänomen dieser kleinen Statistik: Die nahezu unüberschaubare Zahl an Variationen, die der Künstler von 1919 bis Ende der 1920er-Jahre von diesem abstrahierten Gesicht schuf, schmälert den Wert dieser Bildidee nicht. Die relativ hohe Verfügbarkeit schafft im Gegenteil das Gefühl einer abgesicherten Jawlensky-Marke im Oeuvre des Künstlers.

Der Unterbieter auf Jawlenskys „Abstrakter Kopf“ tröstete sich in derselben Auktion mit einem Klassiker der Nachkriegskunst. Er erwarb Ernst Wilhelm Nays Gemälde „Ursprung in Gelb“ von 1963 für 250.000 Euro.

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    Unter den Expressionisten erzielte auch Heinrich Campendonks magisch-poetisches Blatt „Wirtshaus“ mit einem Erlös von 175.000 Euro ein gutes Ergebnis. Nur drei Jahre hing es als Dauerleihgabe im Campendonk-Museum in Penzberg, bevor die Erben der legendären Sammlung G. F. Jung einen Verkauf anstrebten. Fünf Bieter, darunter auch der Handel, interessierten sich für das Aquarell von 1917.

    Der „Abstrakter Kopf“, entstanden 1930, kam mit 587.500 Euro gut über die obere Taxe (Ausschnitt). Quelle: Karl & Faber
    Ölgemälde von Alexej Jawlensky

    Der „Abstrakter Kopf“, entstanden 1930, kam mit 587.500 Euro gut über die obere Taxe (Ausschnitt).

    (Foto: Karl & Faber)

    „Es ist schwer, bei der Klassischen Moderne an der Spitze zu agieren“, erläuterte Karl & Fabers Geschäftsführer Rupert Keim im Gespräch mit dem Handelsblatt. Die Gewissheit, dass es zu harten Bietergefechten in diesem Segment kommt, gäbe es nicht mehr. Größere Preissprünge zeigten die Werke von Künstlern jenseits der Top-Liga. Zum Beispiel die duftige, von vielen Lichtpunkten durchzogene „Parklandschaft“ von Adolf Erbslöh, einem Wegbereiter der Moderne. Sie kletterte von geschätzten 30.000 auf 100.000 Euro. Die 1927 entstandene, abstrakt-konstruktive Komposition „Silbergrundbild“ des Hannoveraners Carl Buchheister ließ ihre Taxe von 70.000 Euro schnell hinter sich. Am Ende kostete sie 137.500 Euro.

    Wie selektiv der Moderne-Käufer ist, verdeutlicht die losbezogene Quote von nur 58 Prozent in diesem Segment. Bei der zeitgenössischen Kunst wurde 70 Prozent des Angebots verkauft. Kühn war mit 100.000 Euro die Taxe für Günter Brus Kreideblatt „Das Unerhörte“ von 1980 angesetzt. Immerhin acht Interessenten fanden die Schätzung offenbar nicht zu hoch. Gekauft hat das Werk des Wiener Aktionisten letztlich ein Deutscher für 162.500 Euro.

    Abstriche bei der zeitgenössische Kunst

    Karl & Faber hatte nicht viele so hoch geschätzte Werke zeitgenössischer Künstler im Angebote. Aber der Absatz im fünfstelligen Preisbereich erwies sich als solide Bank. Jorinde Voigts 2012 entstandene Collage „Piece for Words and Views XI“ verdoppelte die Taxe auf 41.000 Euro. Die moderat geschätzte Gouache „AERVIK“ von Karl Otto Götz wechselte für 37.500 Euro den Besitzer. Und Rosa Loys große Leinwand „Transformation“ von 2006 kletterte von aufgerufenen 10.000 auf 25.000 Euro.

    Bescheidener sind die Preise des ehemaligen Berliner Malerstars Anselm Reyle geworden. Seine Streifenkomposition mit Goldfolie blieb im Rahmen der Taxe und erzielte brutto 45.000 Euro. Insgesamt bilanzierte Karl & Faber für die Moderne- und zeitgenössische Kunst einen Umsatz von 5,3 Millionen Euro. Das ist laut Rupert Keim ein besseres Ergebnis als im Frühjahr, aber auch ein Rückgang von knapp 15 Prozent gegenüber der Herbstsaison des Vorjahres.

    Heroische Bronzen hoch im Kurs

    Einen Tag nach Karl & Faber rief das Auktionshaus Neumeister rund 200 Kunstwerke aus der Zeit von 1900 bis heute auf, darunter eine gesondert angebotene Tranche mit Plastiken. Wurde Franz von Stucks „Speerwerfende Amazone“ von 1897 noch vor vier, fünf Jahren auf Auktionen für 25.000 Euro gehandelt, erreichte sie nun zum wiederholten Male 40.000 Euro.

    Teuerste Bronze wurde Fritz Klimsch klassische, bereits mit einem Schuss Heroismus versehene Bronze „Olympia“. Der hockende Frauenakt in Überlebensgröße von 1937 erzielte 82.500 Euro. Ausdauer erforderte Lesser Urys spätimpressionistisches, auf 70.000 Euro geschätztes Pastell „Straßenszene im Tiergarten“. Die Papierarbeit von 1915/20 wurde erst bei 108.000 Euro weitergereicht.

    Wenn Neumeister zugkräftige Ware anbietet, schalten sich auch hier die Telefone aus dem Ausland zu. Zu einem international respektablen Preis von 16.500 Euro übernahm ein italienischer Bieter Axel Hüttes große Farbfotografie „Hüfligletscher“.

    Mehr: Lesen Sie hier, welche Künstler bei Münchener Versteigerungen die Umsatzbringer sind.

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